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Arbeitsmarkt: IG Metall fordert Integrationsjahr

Arbeitsmarkt: IG Metall fordert Integrationsjahr

Hilfe muss allen offen stehen

09.02.2016 Ι Die IG Metall will Geflüchtete möglichst schnell integrieren. Sie fordert ein Integrationsjahr für Flüchtlinge, Langzeitarbeitslose und junge Menschen ohne Abschluss. Damit sie möglichst schnell auf dem Arbeitsmarkt integriert werden, sind passgenaue Modelle für die verschiedenen Lebensumstände notwendig.

Für Willi Segerath ist die Sache klar: "Menschen, die zu uns flüchten, müssen wir integrieren", sagt der Konzernbetriebsratsvorsitzende von Thyssen-Krupp. "Und wo gelingt das besser als am Arbeitsplatz?" Deshalb will der Betriebsrat des Stahlkonzerns gemeinsam mit dem Vorstand in den nächsten zwei Jahren zusätzliche Arbeitsplätze für Geflüchtete schaffen.

Der Arbeitsplatz ist der Ort, an dem Menschen sich integrieren können - eine gemeinsame Sprache das Mittel dazu. Deshalb gehören für Willi Segerath flächendeckende Sprachkurse für Geflüchtete zur Integration dazu.

Die IG Metall will Arbeit und Lernen verbinden und fordert ein betriebliches Integrationsjahr. Es soll Geflüchteten ein finanziell selbstständiges Leben ermöglichen und ihnen trotzdem Zeit geben, die Sprache zu lernen und mehr über ihre neue Heimat zu erfahren. Bereits heute bereiten Integrationskurse Geflüchtete auf den Arbeitsmarkt vor. Die Kurse finden in der Regel vormittags und halbtags statt. Für die Betroffenen heißt das: Sie müssen erst einmal die Schulbank drücken und Vokabeln lernen. Und es heißt auch: Sie können kein Geld für den eigenen Lebensunterhalt verdienen.

Eine Alternative dazu wäre etwa ein Vier-plus-eins-Modell vor: vier Tage arbeiten und einen Tag lernen. Die Integrationskurse müssten dazu auf ein Jahr gestreckt und Geflüchtete statt täglich halbtags, einmal pro Woche ganztags zum Unterricht gehen. Damit Betriebe auf dieser Basis Geflüchtete beschäftigen, könnten sie durch Eingliederungszuschüsse nach Sozialgesetzbuch III unterstützt werden.

Ein solches Integrationsjahr soll anerkannten Geflüchteten, aber auch Langzeitarbeitslosen oder jungen Menschen ohne Abschluss eine Brücke in den Job bauen. Für den Ersten Vorsitzenden der IG Metall, Jörg Hofmann gilt: "Gleiche Ansprüche für alle, die unsere gesellschaftliche Unterstützung brauchen." Gleiche Ansprüche heißt aus Sicht der IG Metall allerdings nicht, dass alle das gleiche Programm bekommen. "Wir brauchen passgenaue Modelle für die verschiedenen Lebensumstände", sagt Hofmann.

Die IG Metall will Geflüchtete möglichst schnell integrieren. Sie will aber keine Lohnkonkurrenz zu anderen Arbeitssuchenden schaffen. Deshalb müssen auch Geflüchtete nach Tarif bezahlt werden und Beiträge in die Sozialversicherungen zahlen. Eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung eröffnet ihnen nach einem Jahr den Zugang zu weiteren Förderprogrammen, zum Beispiel zu WeGeBau. Damit fördern die Arbeitsagenturen bereits heute gering qualifizierte und ältere Beschäftigte, die einen Berufsabschluss machen und sich weiterbilden wollen.

Jungen Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, bieten IG Metall und Arbeitgeber in vielen Tarifgebieten bereits ein Förderjahr, um Sprachkenntnisse oder Schulabschlüsse zu erwerben und so den Sprung in eine Ausbildung zu schaffen. Diese Einstiegsqualifizierung wird ebenfalls von der Arbeitsagentur bezuschusst.
Angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt sieht der Erste Vorsitzende der IG Metall gute Chancen, dass die Integration auf diesem Weg gelingt. "Angesichts 43 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland, sind 380 000 Menschen, die 2016 zusätzlich auf den Arbeitsmarkt kommen, eine überschaubare Zahl", sagt Hofmann. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 700 000 neue Stellen geschaffen.

Er appelliert an die Arbeitgeber nicht ständig über Fachkräftemangel zu jammern, sondern jungen Menschen eine Chance zu geben - egal ob Geflüchtete oder bereits in Deutschland Lebende. "Das deutsche Handwerk zählt 584 000 Betriebe", sagt Hofmann. "Gäbe es in jedem zweiten Handwerksbetrieb nur einen Integrationsplatz, so hätte das Handwerk gute Chancen, dem Fachkräftemangel zu begegnen."

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