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Was die Rente nach 45 Beitragsjahren bringt

"Es gibt auch noch ein Leben nach der Arbeit"

21.02.2014 Ι Einen flexiblen und abschlagsfreien Übergang in die Rente - das fordert die IG Metall. Zwar werden mit dem schwarz-roten Rentenpaket nicht alle Forderungen erfüllt, trotzdem ist es ein Schritt in die richtige Richrtung: hin zur Anerkennung der Lebensleistung langjährig Beschäftigter. Wir haben mit einigen von ihnen darüber gesprochen, was ihnen die Rente nach 45 Beitragsjahren bringt.

Wer auf 45 Beitragsjahre kommt, der ist meistens schon früh ins Berufsleben eingestiegen - in der Regel schon im Alter von 16 Jahren oder gar früher. Nach der Ausbildung ging es dann für die meisten direkt weiter - lange Auszeiten waren da nicht drin. Gerade unter den älteren Beschäftigten sind viele, die trotz hohen Alters und gesundheitlicher Probleme noch immer Schicht arbeiten oder im Akkord. Daher kommt das Rentenpaket den älteren unter den Arbeitnehmern gerade Recht.

 

 "Ich will am 11. Januar 2015 in Rente und bin froh, dass ich zwei Jahre früher rauskomme. Viele in meinem Alter sind schon tot. Ich will noch was vom Leben haben." Das sagt Erhard Reichow, 62 Jahre alt und Lackierer bei HM Fenster und Türen in Bispingen. Er hat 46 Jahre gearbeitet und bekommt eine Rente von 1460 Euro brutto. Wenn er noch Steuern zahlt und die Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen wird, bleiben gerade mal 1200 Euro übrig. Nach dem Rentenpaket muss er dann keine Abschläge mehr hinnehmen. Das bedeutet Erhard Reichow hat 105 Euro mehr jeden Monat.

 

Auch Claudia Forster, Industriekauffrau bei Salzgitter Flachstahl, ist froh über die Aussichten: "In meinem Jahrgang gibt es im Werk nur noch sieben Leute. Warum? Weil sich viele kaputtgearbeitet haben und früher raus sind." Sie ist jetzt 63 Jahre alt. "Ich kriege 1800 Euro Rente brutto, habe 47 Jahre gearbeitet. Auch im Büro ist es anstrengend, ich habe seit 2010 schon eine neue Hüfte". Wenn die Regelung so kommt, wie sie geplant ist, spart sie monatliche Abschläge in Höhe von 129 Euro.

 

Die Wirtschaft hat die alternsgerechte Gestaltung der Arbeitswelt versprochen. Leider ist bis auf ein paar Modellprojekte wenig passiert. Mit der Rente nach 45 Beitragsjahren setzt endlich ein Umdenken ein. Wer sein Leben lang hart arbeitet, verdient eine gute Rente. Dass viele Beschäftigte schon lange vor dem Renteneintrittsalter verschlissen sind, bestätigen vor allem diejenigen, deren Arbeitsbedingungen nicht alters- und alternsgerecht sind.

 

"Der Stress und der Druck nehmen immer mehr zu", sagt Lothar Karguss, 64 Jahre alt. Er ist Aufzugsmonteur und arbeitet seit 38 Jahren bei Otis in Frankfurt. "Es ist natürlich richtig, dass die Elektronik vieles einfacher gemacht hat, doch die Aufgaben werden nicht weniger. Wir bekommen immer mehr zusätzlich aufgebürdet und das Treppensteigen bleibt uns ja auch nicht erspart. Denn wenn ein Aufzug stecken bleibt, dann meistens in der oberen Etage". Karguss begrüßt die vorgelegte Rentenreform und könnte direkt mit Inkrafttreten des Gesetzes ausscheiden. Ohne die Rente nach 45 Beitragsjahren muss er mit Abschlägen rechnen, obwohl er bereits 47 Jahre lang Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt hat. Das sind bei ihm im Monat 160 Euro. Auf diesen Betrag will er ungern verzichten.

 

"Es gibt auch noch ein Leben nach der Arbeit". Robert Buerger, 59 Jahre alt, Betriebsratsvorsitzender bei Daimler Nutzfahrzeuge in Stuttgart findet die Diskussion der Gegner um die Rente nach 45 Beitragsjahren nicht fair. Er ist seit circa 17 Jahren als Betriebsratsvorsitzender von der Arbeit freigestellt. Natürlich sei die körperliche Belastung nicht vergleichbar mit seiner früheren Tätigkeit als Karosseriebauer in der Werkstatt. Dort hat er über 20 Jahre lang im Leistungslohn gearbeitet. Jetzt sei vor allem die Verantwortung belastend, der er sich als betrieblicher Interessenvertreter jeden Tag stellt: "Da fühlt man sich manchmal wie ausgebrannt. Der Akku ist irgendwann einfach leer", sagt Buerger. Er begrüßt es, wenn er ohne Abschläge früher gehen kann. Ohne das Gesetz zur Rente mit 45 Beitragsjahren müsste er fast zehn Prozent Abschläge hinnehmen, wenn er mit 63 ausscheiden will und das obwohl er dann bereits 48 Jahre lang Rentenbeiträge bezahlt hat.

 

Einen fairen Ausstieg aus dem Arbeitsleben wünschen sich die meisten älteren Beschäftigten. Das ist auch das Ergebnis der großen IG Metall-Beschäftigtenbefragung vom Frühjahr 2013. 84 Prozent der Befragten forderten damals, dass man nach langer Erwerbstätigkeit abschlagsfrei in Rente gehen können muss. Und vom Gesetzgeber erwarten 78 Prozent, dass er auch in Zukunft Möglichkeiten eines flexiblen Ausstiegs vom Erwerbsleben in die Rente fördert.

 

Zum Rentenkonzept der Bundesregierung gehören neben der Rente nach 45 Beitragsjahren auch Verbesserungen für Erwerbsgeminderte und Eltern, die sogenannte Mütterrente. Auch dieses Vorhaben unterstützt die Gewerkschaft. Sie kritisiert jedoch die Finanzierung. Die Mütterrente ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, daher sollte sie aus Steuergeldern bezahlt werden.

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