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rview mit Hans-Jürgen Urban zum Rentenpaket. Foto: IG Metall

© Frank Rumpenhorst

Interview mit Hans-Jürgen Urban zum Rentenpaket

Dialog der Generationen statt Spaltung der Gesellschaft

19.02.2014 Ι In der Rentenpolitik weht ein neuer Wind. Menschen, die lange gearbeitet haben, Eltern und Erwerbsgeminderte sollen besser gestellt werden. Das ist gut. Doch Kritiker des Rentenpakets behaupten, die Jungen müssen für die Alten zahlen. Warum dieser Vorwurf grundlos ist, erläutert Hans-Jürgen Urban, IG Metall-Vorstandsmitglied.

Die IG Metall fordert mehr Mut zu Reformen in der Rentenpolitik, statt an den geplanten Verbesserungen zu rütteln. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und für Sozialpolitik zuständig, wirft den Kritikern des Rentenpakts vor, die Generationen gegeneinander auszuspielen: "Wir machen diesen inszenierten 'Krieg der Generationen' nicht mit. Nicht die abschlagsfreie Rente mit 63 oder bessere Leistungen für Erwerbsgeminderte, sondern halbherzige Verbesserungen und fehlender Reformmut bedrohen den Generationenvertrag. Wir wollen das Rentenniveau für die Jungen verbessern, die Rente solidarisch finanzieren und alle in die Rentenversicherung einbeziehen. Das ist solidarische Zukunftspolitik. Darüber will die IG Metall mit den Jungen Reden."

 

Was bringt das Rentenpaket der Bundesregierung?
Wenn zukünftig langjährig Versicherte nach 45 Jahren nicht mehr mit Abschlägen bestraft werden, ist das sehr gut und nahe an den gewerkschaftlichen Forderungen. Und auch die geplante Anhebung der Zurechnungszeiten um zwei Jahre stellt bei der Erwerbsminderungsrente für die Betroffen eine Verbesserung dar. Erwerbsgeminderte werden zukünftig so behandelt als hätten sie bis zum 62. Lebensjahr gearbeitet. Damit erhalten sie durchschnittlich etwa sechs bis sieben Prozent mehr. Und Eltern, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, wird die Erziehungsleistung mit einem zusätzlichen Entgeltpunkt angerechnet ("Mütterrente"). Das sind alles sinnvolle Maßnahmen, die die Versorgung im Alter verbessern.
 
Müssen die Jungen für die Alten bluten, wie die Kritiker behaupten?
Diese Anschuldigungen kommen wuchtig daher, stehen aber auf wackeligem Grund. Sie beruhen auf einem Denkfehler. Es sind die Rentenreformen der letzten Jahre und nicht ihre geplanten Teilkorrekturen, die gegen Generationenfairness und Leistungsgerechtigkeit verstoßen. Die Rente mit 67, die Senkung des Rentenniveaus und der Zwang zu unattraktiver Privatvorsorge beschädigen den Generationenvertrag zulasten der heutigen Beitragszahler. Die Pläne der Großen Koalition sind hingegen nicht kritikwürdig, weil sie zu großzügig sind. Sondern eher, weil sie halbherzig ausfallen. Und weil sie das Fundament des Rentensystems nicht hinreichend reparieren.

 

Ist die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren also nicht ungerecht?
Zunächst bringt eine solche Regelung wieder etwas mehr Leistungsgerechtigkeit in das deutsche Rentenrecht. Denn langjährige Beitragszahler zahlen viel und erhalten vergleichsweise wenig. Der Grund dafür liegt in ihrem frühen Berufsstart und vielen Jahren harter Arbeit, nicht selten auch im Schichtbetrieb. Diese Bedingungen senken die Lebenserwartung und verringern die Zeit des Rentenbezugs. Werden Altersrenten im Durchschnitt 21 Jahre lang bezogen, so erhalten langjährig Versicherte ihre Leistungen nur etwa 15 Jahre, also 6 Jahre kürzer. Eine Gerechtigkeitslücke, die meist unterschlagen wird und durch einen vorzeitigen Renteneintritt verringert werden könnte.

 

Und was ist mit den Jungen?
Generationenungerecht wird die Rente mit 63 allerdings dadurch, dass sie nur befristet gilt. Sie soll bis zum Jahr 2030 auf 65 ansteigen. Dadurch können die Jüngeren nicht selbst in Anspruch nehmen, was sie heute finanzieren. Hinzu kommt, dass sich nichts am Sinkflug des allgemeinen Rentenniveaus ändern soll. Und dadurch bleibt es bei der programmierten Rentenlücke für die Zukunftsrentner, die durch Zahlungen an die private Versicherungswirtschaft auszugleichen sind. Selbst wenn der Anstieg der paritätisch finanzierten Rentenbeiträge gedrosselt werden sollte, die Jüngeren bleiben die Angeschmierten. Denn um die Arbeitgeberentlastung auszugleichen und den Lebensstandard zu sichern, werden über sechs Prozent aus dem eigenen Einkommen aufzuwenden sein. Und die anhaltende Zinsflaute auf den Finanzmärkten erhöht das Renditerisiko weiter.

 

Was muss für die Jungen getan werden?

Nicht Wahlgeschenke und Luxusrenten, sondern halbherzige Verbesserungen und fehlender Reformmut bedrohen den Generationenvertrag. Zahlungen ohne faire Gegenleistungen infolge von Rentenkürzung und Privatisierung, das ruiniert die Generationenbilanz zulasten der Jüngeren. Dem gilt es entgegenzutreten! Durch eine Stabilisierung des Rentenniveaus und mehr Leistungsgerechtigkeit für langjährig Versicherte. Und durch eine Vorsorgepolitik, die gefüllte Beitragskassen zum Aufbau einer Nachhaltigkeitsreserve nutzt.

 

Was tut die IG Metall?
Wir machen den inszenierten "Krieg der Generationen" nicht mit. Jung und Alt sind gut beraten, sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen. Die IG Metall macht Druck, dass die jetzt geplanten Verbesserungen im Rentenrecht im Interesse der Betroffenen rasch umgesetzt werden. Statt an den geplanten Verbesserungen zu rütteln, fordern wir aber auch mehr Mut zu weiteren Reformen. Wir wollen das Rentenniveau für die Jungen verbessern, die Rente solidarisch finanzieren und alle in die Rentenversicherung einbeziehen. Das ist solidarische Zukunftspolitik. Darüber will die IG Metall mit den Jungen reden.

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