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Rente nach 45 Beitragsjahren: Foto: IG Metall

Rente nach 45 Beitragsjahren

Nicht geschenkt, sondern verdient

17.02.2014 Ι Wer 45 Jahre lang Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt hat, soll mit 63 Jahren ohne Abschläge in Ruhestand gehen können. Zumindest diejenigen, die am 1. Juli 2014 das 63. Lebensjahr vollendet haben. Das begrüßt die IG Metall. Und sie sagt: Das ist kein Geschenk, das haben sich ältere Beschäftigte verdient.

Der eine oder andere zählt bereits die Tage. Am 1. Juli 2014 ist es soweit. Das  ist das entscheidende Datum für die Rente ab 45 Beitragsjahren, wenn der Gesetzesentwurf von Bundesarbeitsministerin Nahles nicht mehr geändert wird. Dann können Arbeitnehmer, die 63 Jahre alt sind und 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, ohne Abschläge in Rente gehen. Für die jüngeren Jahrgänge steigt das Renteneintrittsalter von 63 Jahren jährlich in Zweimonatsschritten an. Zeiten des Arbeitslosengeld-I-Bezuges zählen dabei wie Arbeitsjahre. Die IG Metall begrüßt es, dass die Regierung  etwas für die Menschen tun will, die lange gearbeitet haben. Auch die Mütterrente und die Verbesserungen für Erwerbsgeminderte sind Signale für mehr Rentengerechtigkeit.


Mit diesen Maßnahmen versucht die schwarz-rote Koalition ein wenig Gerechtigkeit in der Rentenpolitik zu schaffen. Profitieren werden davon Menschen, die meist schon im Alter von 16 Jahren ins Arbeitsleben eingestiegen sind, die sehr lange gearbeitet und 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben. Sie verdienen die Anerkennung ihrer langjährigen Arbeit und es ist nur gerecht, dass sie ohne Abschläge nun früher ausscheiden können als bisher.


Gerade unter den Älteren sind viele, deren Tätigkeit körperlich stark belastend ist und die deshalb befürchten, nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten zu können. Noch ist es so, dass sie bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem Betrieb hohe Abschläge in Kauf nehmen müssen. Um 3,6 Prozent wird die Rente gekürzt, wenn man ein Jahr vor der Regelaltersgrenze ausscheidet. Das bedeutet, wenn die Rente mit 67 voll wirksam wird, müssen Beschäftigte auf mehr als 14 Prozent verzichten, wenn sie mit 63 in Rente gehen wollen - egal wie lange sie Beiträge eingezahlt haben. Zu der gekürzten Rente kommt dann noch das sinkende Rentenniveau, das die Altersbezüge weiter schmälert. Kein Wunder, dass etwa 42 Prozent der Menschen bei der großen IG Metall-Beschäftigtenbefragung 2013 angaben, sie hätten Angst, dass ihre Rente nicht ausreichen wird.


Älteren eine Chance geben

Entscheidend bei der Rentenreform von Bundesarbeitsministerin Nahles ist, dass bei diesem Modell nicht mehr allein das Lebensalter, sondern der Mindestbeitragszeitraum zugrunde gelegt wird. Wer 45 Jahre lang Beiträge eingezahlt hat, kann ab 63 gehen - ohne Abschläge. Kritisch bleibt: Dieses Renteneintrittsalter wird jedes Jahr um zwei Monate angehoben. 2015 ist ein abschlagsfreier Ausstieg also erst mit 63 Jahren und zwei Monaten möglich, sofern die Betroffenen auch die sonstigen Voraussetzungen erfüllen.


Die neue Rentenreform löst nicht die Rente mit 67 ab. Doch mit den aktuellen Rentenplänen wird die Forderung der IG Metall nach einem flexiblen und abschlagsfreien Übergang in die Rente aufgenommen und ein Stück weit realisiert. Das geht in die richtige Richtung und das wünschen sich auch die Beschäftigten. Bei der IG Metall-Umfrage vom Frühjahr 2013 plädierte die Mehrheit der Befragten gegen die Rente mit 67 und gegen die Senkung des Rentenniveaus. Das Rentenniveau bezeichnet, vereinfacht gesagt, das Verhältnis zwischen der Durchschnittsrente (Eckrente) und dem Durchschnittsentgelt der Arbeitnehmer. 1980 lag das Rentenniveau noch bei fast 58 Prozent des Arbeitnehmerdurchschnittseinkommens. Zur Zeit erhalten Rentner etwa 47,5 Prozent und der Trend geht weiter nach unten - bis zum Jahr 2030 auf 43 Prozent.


Nicht gegeneinander ausspielen lassen

Kritiker der Rentenreform führen an, dass Frauen und Jüngere nichts von dem Rentenpaket haben. Doch tatsächlich werden beide Gruppen nicht durch die Rentenpläne benachteiligt. Es liegt an den Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt, dass Frauen zu wenige Rentenansprüche erwerben und Jüngere in Leiharbeit und Werkverträge abgedrängt werden. Beide - Jüngere und Frauen -  brauchen gut bezahlte sozialversicherungspflichtige Jobs, das fordert die IG Metall schon seit langem.


Jung und Alt, Frauen und Männer sollten sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Nicht die Rentenvorhaben der Großen Koalition schaden ihnen, sondern das sinkende Rentenniveau und die Notwendigkeit zusätzlich noch privat fürs Alter vorsorgen zu müssen.


Die IG Metall fordert eine solidarische Rentenpolitik, mit Altersbezügen, von denen man leben kann und Wahlmöglichkeiten für den Altersübergang statt der Rente mit 67. Dazu gehört auch eine Rentenkasse, in die Beschäftigte und Arbeitgeber zu gleichen Teilen einzahlen.

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