Betriebsrat gründen in Corona-Zeiten
Kfz-Beschäftigte in Wiedemar gründen Betriebsräte – trotz Corona

Betriebsrat wählen in Corona-Zeiten? Doch, das geht. Gerade jetzt sind Betriebsräte wichtig: für den Gesundheitsschutz - und damit die Beschäftigten nicht allein die Zeche zahlen. Bei Ferronordic und Henne Nutzfahrzeuge in Wiedemar bei Leipzig haben die Beschäftigten erstmals Betriebsräte gewählt.


Sie haben erstmals Betriebsräte gewählt. Bei den beiden LKW-Servicebetrieben Henne Nutzfahrzeuge und Ferronordic im nordsächsischen Wiedemar nehmen die neugewählten Betriebsräte ihre Arbeit auf. Die IG Metall Leipzig unterstützte die Beschäftigten bei der Wahl.

„Die beiden erfolgreichen Beispiele zeigen, dass gelebte Demokratie im Betrieb auch unter Corona-Bedingungen möglich ist und Beschäftigte selbstbewusst von ihrem gesetzlich verbrieften Recht auf Mitbestimmung Gebrauch machen“, erklärt Benjamin Krimmling von der IG Metall Leipzig.

Bei Henne Nutzfahrzeuge, einem Mercedes-Benz-Unimog Generalvertrerer, wählten 49 Beschäftigte ihren Betriebsrat. Sie wollten einfach nicht mehr, dass der Arbeitgeber alles allein bestimmt – sondern etwa bei Arbeitszeiten und Pausen mitbestimmen.

Unter Berücksichtigung der Hygiene-Auflagen war die Betriebsratswahl bei Henne problemlos möglich. Allerdings kam der Arbeitgeber nicht immer seinen Informationspflichten gegenüber dem Wahlvorstand nach – und führte Personalgespräche mit Initiatoren der Betriebsratswahl. Zudem traten arbeitgebernahe Kandidaten zur Wahl an. Am Ende gewannen die Kandidaten der IG Metall.

Bei Ferronordic, einem Servicepartner für Volvo und Renault Trucks, wählten 21 Beschäftigte ihren Betriebsrat. Ferronordic hat die bisherige Volvo-Trucks-Niederlassung in Wiedemar am 1. Januar 2020 übernommen. Das hat die Beschäftigten verunsichert, deshalb wollten sie eine Interessenvertretung wählen. Sie organisierten sich in kürzester Zeit in der IG Metall. Und anders als bei Henne Nutzfahrzeuge bekam der Wahlvorstand unverzüglich alle Informationen vom Arbeitgeber.


IG Metall organisiert Corona-gerechte Wahlen

Die IG Metall Leipzig sorgte dafür, dass die Betriebsratswahlen trotz Corona stattfinden konnten. Die Corona-Verordnung für Sachsen erlaubt noch ausdrücklich Veranstaltungen der Tarifparteien. Krimmling stimmte Hygienekonzepte mit dem Gesundheitsamt ab: Masken, Desinfektionsspray, Hände waschen, die Stühle anderthalb Meter auseinander und genug Raum dafür, etwa in der LKW-Werkstatt.

„Wir haben mit Betriebsratswahlen in Pandemiezeiten schon im April erste Erfahrungen gesammelt“, erklärt Benjamin Krimmling. „Damals haben die Beschäftigten bei Liftket in Wurzen, einem Hersteller von Elektrokettenzügen rund 240 Mitarbeitern erstmalig einen Betriebsrat gewählt. Dort mussten wir natürlich auch schon Hygienemaßnahmen einhalten. Diese Erfahrungen haben uns bei den beiden LKW-Betrieben jetzt sehr geholfen.“

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