MAN: Betriebsbedingte Kündigungen bleiben ausgeschlossen
Kahlschlag bei MAN abgewehrt

6000 Stellen sind bei MAN gerettet – dafür haben Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall hart gekämpft. Ein mit dem Vorstand ausgehandeltes Eckpunktepapier sichert die Zukunft vieler Standorte, um Plauen und Steyr wird noch gerungen.


Der Kahlschlag bei MAN ist abgewehrt. Eigentlich wollte der Konzern 9500 Stellen streichen, wie er im September vergangenen Jahres bekannt gab. Doch dagegen wehrte sich die IG Metall gemeinsam mit den Beschäftigten und dem Betriebsrat. Die Verhandlungen waren zäh und dauerten Monate. Aber: Der harte Kampf hat sich gelohnt.

6000 Stellen konnten die Metallerinnen und Metaller gemeinsam retten. Die ausstehenden 3500 Stellen sollen sozialverträglich abgebaut werden, betriebsbedingte Kündigungen wird es an deutschen Standorten somit nicht geben. Das sichert ein Eckpunktepapier, auf das sich Betriebsrat, IG Metall und Konzernleitung jetzt einigen konnten. Zudem verpflichtet sich der Konzern in dem Papier zu investieren: in die Zukunftsfelder Digitalisierung, alternative Antriebe (E-Mobilität/Wasserstoff) und Automatisierung sowie in die Qualifizierung der Beschäftigten.


Ein Zukunftstarifvertrag wird weitere Sicherheit bringen

Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei MAN Truck & Bus SE, ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Die Einigung bringt uns nach all diesen Monaten endlich auf den Weg nach vorne. Wir haben das Unternehmen nun für die Zukunft gut aufgestellt und dabei sozialverträgliche Maßnahmen vereinbart, mit denen das Unternehmen seiner Verantwortung für die Kolleginnen und Kollegen nachkommt. Der Zukunftstarifvertrag der IG Metall wird weitere Sicherheit bringen.“

Saki Stimoniaris, Konzern- und Gesamtbetriebsratsvorsitzender der MAN Truck & Bus SE und TRATON SE, sieht in dem Eckpunktepapier einen ersten großen Schritt, der nun gemacht sei: „Das Eckpunktepapier schafft die Basis, die Zukunft unserer Arbeitsplätze und den Erfolg der MAN als Vorreiter digitaler, umweltfreundlicher Transport-und Antriebstechnologien zu sichern. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in die einzelnen Standorte sind festgelegt. Im nächsten Schritt gilt es, das gemeinsame Verständnis in einem Zukunftstarifvertrag und in Vereinbarungen umzusetzen“, so Stimoniaris.


Viele MAN-Standorte bekommen eine Zukunftsperspektive

Dank der Beschäftigten, die in den vergangenen Monaten bundesweit vors Tor zogen und damit klarmachten „Nicht mit uns – wir wehren uns!“, sowie dem Betriebsrat und der IG Metall, die die MAN-Geschäftsführung am Verhandlungstisch zum Einlenken zwangen, gibt es nun für fast alle Standorte in Deutschland eine vernünftige Perspektive.

München bleibt die weltweite Unternehmenszentrale von MAN Truck & Bus. Zudem ist München weiterhin das Hauptproduktionswerk für Lkw mit Fahrerhausausstattung und Montage sowie das Zentrum der MAN-Entwicklung. Hier ist das MAN-Kompetenzzentrum für die Gesamtfahrzeugentwicklung Truck, für Software und Elektrik/Elektronik sowie für die Elektromobilität. Ende 2022 werden 7500 unbefristete Stammmitarbeiter am Standort beschäftigt sein.

Nürnberg wird das MAN-Kompetenzzentrum für die Entwicklung neuer Antriebstechnologien (zum Beispiel E-Mobilität, Wasserstoffantrieb). Es bleibt zudem verantwortlich für die Weiterentwicklung konventioneller Antriebe. Nürnberg ist zudem das Leitwerk für die Produktion konventioneller und alternativer Antriebe. Ende 2022 werden 3100 unbefristete Stammmitarbeiter*innen am Standort beschäftigt sein.

Salzgitter bleibt der Montage-Standort für nichtangetriebene Achsen der TRATON GROUP in Europa. Zudem ist es der MAN-Standort für die globalen Logistikaktivitäten. Ende 2022 werden 1900 unbefristete Stammmitarbeiter am Standort beschäftigt sein.

Wittlich wird verkleinert, bleibt aber für die Modifikation von Lkw erhalten. Ende 2022 werden 60 unbefristete Stammmitarbeiter am Standort beschäftigt sein.

MAN Service Niederlassungen: In den Servicebetrieben wird der Jobabbau deutlich geringer ausfallen, als der Konzern es geplant hatte. Auch wird der Abbau sozialverträglich ablaufen. Und: Auch wird der kurzfristige Verkauf und die Schließung von Servicebetrieben nicht im geplanten Umfang umgesetzt.


Gekämpft wird noch um Plauen

In Deutschland steht der Standort Plauen, in Österreich der Standort Steyr nach wie vor zur „Disposition“, wie es die Geschäftsführung nennt. Für Plauen heißt das übersetzt: Der MAN-Vorstand prüft hier alle Optionen, inklusive die eines Verkaufs oder einer Schließung.

Da IG Metall und Betriebsrat betriebsbedingte Kündigungen ausschließen konnten, könnte das für die 150 Beschäftigten auch bedeuten, dass sich ihr Arbeitsplatz um 40 km verlagert. Denn: „Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort Plauen wurde ein Angebot zur Weiterbeschäftigung im Volkswagen-Werk Zwickau unterbreitet“, so die Geschäftsführung von MAN.

Für Thomas Knabel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, ist das noch nicht die wirkliche Lösung: „Wir bleiben dabei: Die Schließung des Standorts ist gegen jede soziale und wirtschaftliche Vernunft“, sagt Knabel nach einer Betriebsversammlung am Dienstag. Der Metaller betont: „Wir fordern Verhandlungen hier in Plauen, damit wir endlich Lösungen für diesen Standort finden können.“

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