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Gute Arbeit im Büro: So hält man den Rücken im Arbeitsalltag fit.
Die Last der Monotonie

Wie der Name schon sagt: Der menschliche Bewegungsapparat ist für Bewegung geschaffen. Der tägliche Sitzmarathon im Büro kann zu Verspannungen und Haltungsschäden führen. Millionen Deutsche klagen über Rückenschmerzen. Wir geben Tipps, wie man die Wirbelsäule fit hält.


Rund 20 Millionen Deutsche haben regelmäßig Beschwerden mit und rund um die Wirbelsäule. Damit sind Rückenschmerzen die Volkskrankheit Nummer eins und der zweithäufigste Grund, warum Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wegen Krankheit ausfallen. Natürlich sind die Ursachen vielfältig, auch psychische Gründe können vorliegen. Die physischen Ursachen lassen sich mit ein paar Tipps minimieren. Denn vor allem Sitzen ist eben bei Weitem nicht so belastungsarm, wie viele denken.


Kosten für Arbeitsausfälle gehen in die Milliarden

Eine wesentliche Ursache für Rückenschmerzen ist die monotone Beanspruchung des Stütz- und Bewegungsapparates durch langes Sitzen. Genauer: 80 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt ein Bürojaner durchschnittlich auf dem Bürostuhl. Und das fast regungslos. Empfehlenswert ist folgende Aufteilung:

  • 60 Prozent dynamisches Sitzen (Positionswechsel)
  • 30 Prozent Stehen
  • 10 Prozent Umhergehen

Mit auf Knopfdruck höhenverstellbaren Schreibtischen lassen sich viele Arbeiten im Stehen erledigen. Diese Schreibtische sind zwar etwa 300 Euro teurer als herkömmlich. Doch Arbeitsschutz ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung für gesunde, motivierte und leistungsfähige Mitarbeiterinnen. Wie sinnvoll eine solche Investition ist, sollte also auch dem Arbeitgeber einleuchten. 2013 kosteten Produktionsausfälle aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen laut einer Erhebung der Bundesregierung 13 Milliarden Euro. 


Arbeitgeber gesetzlich zu Gefährdungsbeurteilung verpflichtet 

Übrigens können Beschäftigte darauf drängen, dass an ihrem Arbeitsplatz eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen wird. Dazu ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet. Der Betriebsrat hat hier weitreichende Mitbestimmungsrechte, die es ermöglichen eine entsprechende Betriebsvereinbarung zu erzwingen. Wahrscheinlich versäumen viele Unternehmen ihre Führsorgepflicht auch gar nicht absichtlich und handeln, wenn sie auf Probleme aufmerksam gemacht werden.

Beim Arbeiten im Sitzen sollte zwei Punkten besondere Beachtung zukommen: der ergonomischen Arbeitsgestaltung und der „Gesundheitskompetenz“. Bei Letzterer sind die Beschäftigten selbst gefordert. Wer diesen Artikel liest und die Tipps verinnerlicht, hat schon einen ersten Schritt gemacht. Wichtig ist es jetzt natürlich, die Tipps dauerhaft in den Arbeitsalltag zu integrieren.


Individuelle Einstellung der Arbeitsplatzelemente wichtig 

Bei der ergonomischen Gestaltung des Arbeitsplatzes kommt es auf das richtige Mobiliar in den richtigen Abständen an. Dabei ist es wichtig, dass die Ausstattung an den jeweiligen Beschäftigten angepasst ist. Aber auch die Arbeitsaufgabe sollte auf einen aktiven Alltag zugeschnitten sein. So bringt es schon eine ganze Bewegung in den Arbeitsablauf, wenn der Drucker zentral für eine Etage in einem separaten Raum steht und nicht direkt am Schreibtisch. In vielen Unternehmen gibt es Fachleute, die dabei helfen oder der Arbeitgeber leistet sich externe Experten, die in die Büros kommen. Eine individuelle Einstellung der Arbeitsplatzelemente beugt etwa Haltungsschäden und Verspannungen vor. Das Ergebnis sollte in etwa so aussehen: 

  • aufrechte Sitzhaltung
  • leicht abgesenkte Blickrichtung auf den geneigten Bildschirm
  • Bildschirm parallel zum Fenster
  • Arme im rechten Winkel, am besten auf Armlehnen
  • Handballen vor der Tastatur
  • Beine haben Bewegungsfreiheit

Rund alle 15 Minuten sollte die Sitzposition beziehungsweise Haltung leicht verändert werden: „Dynamisches Sitzen“ bedeutet zwischen nach hinten geneigter, nach vorn geneigter und aufrechter Sitzhaltung zu wechseln – das tut unter anderem den Bandscheiben gut. Es gibt nämlich keine Sitzposition, die man auf Dauer beschwerdefrei ertragen kann.


Nicht immer anrufen, sondern zur Kollegin im Nebenbüro gehen

Daneben können etwa lange Ladezeiten eines Programms genutzt werden, um ein Glas Wasser zu holen. Auch die Kolleginnen freuen sich sicherlich, wenn jemand vorbeikommt und nicht immer nur anruft. Früher wurden beispielsweise Akten noch von Büro zu Büro gegeben, im digitalen Zeitalter bewegen sich oft nur noch die Tippfinger über der Tastatur. In manchen Büros ist das gewollt. Denn mit dem Trend des „Lean Office“ werden Arbeitsprozesse verdichtet, scheinbar überflüssige Handgriffe eliminiert und Arbeitsmittel nach dem „Prinzip der kurzen Wege“ angeordnet. Das mag auf den ersten Blick effizient erscheinen, gesund für die Beschäftigten ist es nicht.

Ergonomisch ausgereiftes Mobiliar mit der entsprechenden Technik ist Voraussetzung für die richtige Körperhaltung. Dazu gehören, wie schon erwähnt, höhenverstellbare Tische, an denen sowohl im Sitzen wie im Stehen gearbeitet werden kann; Arbeitsstühle, die sich in der Höhe, am Rücken und in der Sitzfläche dem Menschen anpassen und die der Bewegung des Körpers folgen sowie große, höhenverstellbare Bildschirme. Die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten ist eine solche Ausstattung allemal wert. In unserem Flyer „Ergonomisch am Bildschirm arbeiten“ sind die wichtigsten Tipps noch einmal zusammengefasst. 

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