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© Kalligraf/CC

Huawei TS

Tarifvertrag bei chinesischem Konzern? Das geht!

11.05.2017 Ι Wenn chinesische Firmen in Deutschland aktiv werden, prallen verschiedene Unternehmenskulturen aufeinander. Wie sich Belegschaften trotzdem ihren Tarifvertrag sichern können, zeigen die Beschäftigten bei Huawei.

Was passiert, wenn chinesische Unternehmen in Deutschland expandieren? Bisherige Erfahrungen lassen hoffen: Chinesische Investoren wollen Märkte erobern, was zu Beschäftigungsaufbau führt. Sie akzeptieren in der Regel die betriebliche Mitbestimmung. Sie denken langfristig. Ein Beispiel hierfür ist der Augsburger Roboter-Spezialist Kuka, wo IG Metall und Betriebsrat weitreichende Standort-Garantien ausgehandelt haben.

Doch es kann auch weniger glatt laufen. Das zeigt das Beispiel Huawei. Der chinesische Telekommunikations-Gigant und Handy-Hersteller wollte an deutschen Standorten die Tarifbindung abschütteln. Doch die Beschäftigten stellten sich quer - und hatten letztlich Erfolg.
 

Die Ausgangslage:

Zu den deutschen Aktivitäten von Huawei gehört die Huawei Technologies Service GmbH (HTS GmbH). Rund 500 Beschäftigte arbeiten dort als Dienstleister für das Mobilfunknetz von Vodafone.

Huawei hat das Geschäft 2016 von Ericsson übernommen. Dort galt bis zum 1.4.2016 der Rahmentarifvertrag Telekommunikation, den die IG Metall mit dem Arbeitgeberverband Metall NRW geschlossen hat. Huawei weigerte sich aber, dem Arbeitgeberverband beizutreten und damit den Tarifvertrag weiterzuführen.


Die Verhandlungen:

Für die Beschäftigten bei HTS war klar: Sie werden ihren Tarifvertrag nicht einfach aufgeben. Die IG Metall wurde aktiv. Im April 2016 forderte sie Huawei auf, den Rahmentarifvertrag anzuerkennen. Schon im Mai gab es erste Verhandlungen.

Die Tariferhöhung für 2016 konnten die Metaller im Juli aushandeln. Für die Zukunft wollte das Management aber selbst über Lohnerhöhungen entscheiden und keine allgemeinen tariflichen Erhöhungen zulassen.

Also kam das wichtigste Druckmittel der Beschäftigten ins Spiel: Die meisten Techniker der HTS GmbH sind in der Gewerkschaft organisiert. Die Betriebsräte beriefen nun koordiniert mehrere bundesweite Betriebsversammlungen ein. Inklusive An- und Abreise führten die Versammlungen zu ganztägigen Arbeitsausfällen. Für den Arbeitgeber waren sie damit schmerzlich: Telekommunikations-Dienstleistungen sind meist zeitkritisch.

Mit der Teilnahme an den Betriebsversammlungen machten die Beschäftigten deutlich: Wir sind kampfbereit und werden auch streiken, wenn es nötig ist.
 

Der Erfolg:

Am Ende zeigte der Druck Wirkung. Huawei hat mittlerweile zugestimmt, dass HTS den Flächentarifvertrag übernehmen und auch dem Arbeitgeberverband beitreten wird. Die Beschäftigten haben wieder Sicherheit.

"HTS ist ein gutes Beispiel dafür, was man mit gut koordinierten Betriebsversammlungen erreichen kann - vorausgesetzt, die Belegschaft ist gewerkschaftlich organisiert", sagt Martin Weiss, Verhandlungsführer der IG Metall bei Huawei. Ein Streik sei in solchen Fällen gar nicht mehr nötig, weil "einer klugen Geschäftsführung klar ist, dass sie den offenen Konflikt vermeiden muss."

Ob Huawei aus dem Konflikt bei HTS gelernt hat, wird sich bald zeigen. Der Konzern will in Deutschland weiter wachsen und weitere Servicegeschäfte in der Telekommunikationsbranche übernehmen.

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Werner Bachmeier
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