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Foto: IG Metall

Mehr Tarifverträge im Kfz-Handwerk

IG Metall wirbt für Tarifverträge auf der Essener Automeile

28.01.2016 Ι Viele kleine Betriebe, keine verbindlichen Standards: Die Situation im Kfz-Handwerk ist oft schwierig. IG Metall Vorstandsmitglied Ralf Kutzner wirbt für mehr Tarifverträge - und hat dazu mit der Geschäftsführung und Betriebsräten im Autohaus Gottfried Schultz in Nordrhein-Westfalen gesprochen. Dort haben die Beschäftigten viel erreicht.

Die Thyssen-Krupp-Allee in Essen ist das, was man gemeinhin als "Automeile" bezeichnet. Hier steht das VW-Zentrum der Stadt, direkt daneben das Audi-Zentrum, und gleich um die Ecke hat Porsche sein Autohaus. Alle drei Niederlassungen gehören zur Gottfried Schultz-Gruppe, dem größten VW-Händler in Nordrhein-Westfalen.

 

Dass Ralf Kutzner gerade das Volkswagenzentrum Essen für seinen Betriebsbesuch ausgewählt hat, hat einen guten Grund. Die Beschäftigten in allen Gottfried Schultz-Betrieben wurden immer nach Tarif bezahlt. Bis 2008 galt der Tarifvertrag zwischen Kfz-Innung und IG Metall. Als die Innungen die Tarifgestaltung mit der IG Metall beendeten, vereinbarte Gottfried Schultz mit der IG Metall einen Haustarifvertrag.

 

Reiner Hanebeck, Personalleiter der Unternehmensgruppe Gottfried Schultz GmbH, betrachtet den Haustarifvertrag als Chance: "Der Tarifvertrag regelt einheitlich und nachvollziehbar die Arbeitsbedingungen. Die Beschäftigten sind bei uns sehr zufrieden. Leider nutzen einige Mitbewerber die fehlende Tarifbindung in der Fläche aus. Sie verschaffen sich Wettbewerbsvorteile über die Entgeltgestaltung, weil Standards fehlen." Hanebeck sieht hier die IG Metall in der Verantwortung, für einheitliche Tarifstandards zu sorgen.

 

Kutzner nimmt den Ball auf: Im Handwerk entstehe in den kommenden Jahren eine große Fachkräftelücke, die es zu schließen gelte: "Im Vorteil werden die Betriebe sein, die tarifliche Arbeitsbedingungen anbieten." Damit spricht Kutzner auch gezielt die Innungen an, hier für ihre Mitgliedsunternehmen einen aktiven Part einzunehmen, um wieder einheitliche Wettbewerbsstandards zu schaffen.

 

Kutzner fordert die Innungen zur Kurskorrektur auf. Denn seit dem Ende der Tarifbindung im Kfz-Handwerk in NRW im Jahre 2008 haben sich die Arbeits- und Lebensbedingungen der Handwerker zunehmend verschlechtert.

 

IG Metall-Vorstandsmitglied Ralf Kutzner (Bildmitte)  beim Betriebsbesuch bei Gottfried Schultz in Essen. Foto: IG Metall

 

Aus eigener Erfahrung

Ralf Kutzner kennt die Lage im Handwerk genau. Seit Oktober ist er geschäftsführendes Vorstandmitglied der IG Metall und arbeitet in der Gewerkschaftszentrale am Frankfurter Mainufer. Doch von Haus aus ist der 56-Jährige Kfz-Mechaniker, ausgebildet in einem Opel-Betrieb in Bocholt.

 

Kutzner weiß, dass gute Arbeitsbedingungen im Handwerk kein Selbstverständlichkeit sind. Deswegen setzt er sich für mehr Tarifbindung ein. Mit seinem Besuch bei Gottfried Schultz will er zeigen, was im Handwerk möglich ist, wenn sich Belegschaften organisieren und gemeinsam kämpfen. "Gut organisierte Kolleginnen und Kollegen haben bessere Arbeitsbedingungen", sagt er. "Ich will deutlich machen: Nicht nur hier lassen sich ordentliche Tarifverträge erreichen".

 

Für Markus Ernst von der IG Metall-Geschäftsstelle Essen ist die Automeile in seiner Stadt ein Aushängeschild für faire Arbeitsbedingungen. Alle Beschäftigten arbeiten dort nach IG Metall-Tarif, das gilt für Gottfried Schultz wie für das benachbarte Unternehmen Lueg gleichermaßen. Ein Vorteil nicht nur in punkto Fairness, sondern auch für die Qualität, sagt Ernst. "Wo Beschäftigte zufrieden sind, wird auch gute Arbeit geleistet."

 

Großes Ziel für das Kfz-Handwerk bleibe die Rückkehr zum Flächentarifvertrag, sagt Ralf Kutzner. "Aber solange die Arbeitgeber sich dem verweigern, werden wir - wo immer Belegschaften dazu bereit sind - Haustarifverträge durchsetzen."

 

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Kfz-Mechaniker: mehr mit Tarif

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Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch, wie lange Arbeitnehmer arbeiten müssen und wieviel Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld ihnen zusteht. Gäbe es keine Tarifverträge, wären die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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