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Digitalisierung: Weiterbildung bei Mann + Hummel

"Die Beschäftigten müssen qualifiziert werden"

28.02.2018 Ι Bei Mann + Hummel in Marklkofen stellen rund 3000 Beschäftigte Filtersysteme her. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Frauen, sie arbeiten in Fertigungslinien, die zunehmend digitalisiert werden. Viele stoßen bei der Bedienung der hoch automatisierten Anlagen an ihre Grenzen. Der Betriebsrat will sie deshalb mithilfe des Projekts "Arbeit + Innovation" gezielt qualifizieren.

Schon richtig - die meisten digitalen Geräte lassen sich intuitiv bedienen: Ein bisschen wischen, ein bisschen drücken, ein bisschen ausprobieren, auf dem Display kriegt man ja alles angezeigt, kein Problem. "Ja, das denkt man erstmal", sagt Michael Nußbaumer. "Aber es ist eben doch ein Unterschied, ob man ein Smartphone in der Hand hat, mit dem man rumspielt oder ob man von einer neu aufgebauten, vollautomatischen Produktionsanlage steht, die man bedienen muss", sagt der Betriebsrat beim Filtersystemhersteller Mann + Hummel im niederbayerischen Marklkofen. "Wir haben festgestellt, dass bei uns viele Beschäftigte an die Grenzen ihres technischen Verständnisses stoßen."

 

Von links nach rechts: Robert Stadler (Teilbereichsleiter), Lisa Rockinger (Maschinenfahrerin), Elisabeth Adam (Maschinenfahrerin), Markus Sachsenhauser (Band- und Anlagenverantwortlicher), Michael Nußbaumer (Betriebsrat)


Michael Nußbaumer und seinen Betriebsratskollegen war klar, dass sie etwas tun müssen, dass es so nicht weitergehen kann - denn die Arbeitsplätze in der Produktion werden, das ist sicher, schon in naher Zukunft technisch komplexere Aufgaben enthalten.


Anforderungen wachsen stetig

Rund 3000 Menschen arbeiten am Standort in Marklkofen, davon 2500 Beschäftigte in der Produktion, 63 Prozent von ihnen sind Frauen, die vor allem an- und ungelernte Tätigkeiten ausüben: Sie stellen hauptsächlich Öl-, Kraftstoff- und Luftfilter her. Sie stecken Teile zusammen, sie arbeiten an Verpackungsstationen, an Fertigungslinien, die zunehmend automatisiert werden. "Im ganzen Werk können wir diese Entwicklung beobachten", sagt Michael Nußbaumer, "und wir können beobachten, wie die Anforderungen in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen sind."


Roboter müssen bedient, die Technik dahinter muss verstanden werden. Die Funktionsweise von Touch Panels mit komplexen Untermenüs und vielen Einstellungsmöglichkeiten muss erlernt, muss begriffen werden. "Viele Mitarbeiter haben zunehmend Probleme mit der Bedienung solcher Anlagen", sagt Michael Nußbaumer. "Uns war klar: Die vielen Kolleginnen, die als An- und Ungelernte arbeiten, brauchen dringend Weiterbildung. Sie müssen qualifiziert werden, damit sie den komplexen Tätigkeiten gewachsen sind."


Beschäftigte zu Qualifizierungsbedarf befragt

Bevor man Beschäftigte allerdings qualifizieren kann, sollte man erstmal wissen, was diese bereits können, muss man analysieren, welche Anforderungen bei welchen Tätigkeiten neu entstehen, braucht man einen Überblick darüber, welcher Kollege, welche Kollegin von den Veränderungen wie betroffen sein wird - und was in der Vergangenheit bereits getan worden ist. "Wir wollten zuerst eine Bedarfsanalyse aufstellen, um so die Qualifizierungsbedarfe der Beschäftigten zu ermitteln", sagt Michael Nußbaumer. "Die Projekte Arbeit + Innovation der IG Metall waren hierfür eine perfekte Plattform, es hat uns eine tolle Unterstützung gegeben."


Sie starteten mit einer Befragung. Alle Kolleginnen und Kollegen bekamen einen Fragebogen, mit ihm sollte analysiert werden, welche Berufsgruppen am Stärksten von fortschreitender Digitalisierung betroffen sind. "Es ging uns auch darum, eine persönliche Einschätzung zu bekommen, wie sich die Arbeit durch Digitalisierung bereits verändert hat", sagt Michael Nußbaumer.


Die Betriebsräte haben also nicht nur gefragt, welche digitalen Geräte zum Einsatz kommen. Sondern auch, wie sich durch ihren Einsatz die Tätigkeit der Beschäftigten wandelt: Ist die körperliche Beanspruchung gestiegen oder hat sie abgenommen? Wie schaut mit Arbeiten unter Zeitdruck aus? Hat das zugenommen? Wie haben sich die Arbeits- und Qualitätsanforderungen verändert? Wie gut fühlt man sich für die tägliche Arbeit qualifiziert


Anforderungen sind durch Digitalisierung gestiegen

Das Ergebnis ist eindeutig: Rund 75 Prozent der Befragten gab an, dass die Arbeits- und Qualifikationsanforderungen mit dem Einsatz digitaler Geräte weiter gestiegen sind, die Beschäftigten wünschen sich, gezielter und besser qualifiziert zu werden, um den zunehmend komplexen Tätigkeiten auch zukünftig gewachsen zu sein. "Mit der Befragung ist uns eine umfassende Bedarfsanalyse gelungen", sagt Michael Nußbaumer. "Wir konnten zeigen, welche Berufsgruppen wie qualifiziert sind und was auf sie in naher Zukunft zukommt."


Ausgehend von den Befragungsergebnissen ist der Betriebsrat im Moment dabei, einen detaillierten Qualifizierungsplan auszuarbeiten, der mit der Werksleitung diskutiert und anschließend gemeinsam umgesetzt werden soll. Möglichkeiten der Weiterbildung gibt es genug, Gründe, es beherzt zu tun, mit den Ergebnissen der Umfrage jetzt auch. "Es gibt viele Kolleginnen und Kollegen, die beispielsweise den Wunsch haben, sich zum Maschinen- und Anlagenführer zu qualifizieren", sagt Michael Nußbaumer, "diese Weiterbildung wird von der Arbeitsagentur unterstützte, das ist eine gute Sache."


Für die praktische Prüfung müssen die Kandidaten sechs Wochen lang an unterschiedlichen Maschinen angelernt werden - und genau dabei ist das Entgegenkommen des Arbeitgebers nötig. "Wir haben erreicht, dass der Arbeitgeber die Prüfung übernimmt", sagt Michael Nußbaumer. "Es sollte allerdings jeder, der es wünscht, die Möglichkeit bekommen, diese Weiterbildung zu absolvieren. Nicht nur diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die von ihrem Vorgesetzten dazu ausgewählt werden. Das müssen wir noch gemeinsam durchsetzen." 

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Projekte "Arbeit + Innovation"

Mit den Projekten der Reihe "Arbeit + innovation" will die IG Metall die Zukunft der Arbeit gestalten und Beschäftigung sichern. Dafür unterstützt und qualifiziert sie Vertrauensleute, Betriebsräte und innerbetriebliche Experten. Die Projekte werden im Rahmen des Programms "Fachkräfte sichern: weiter bilden und Gleichstellung fördern" durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert.

Werner Bachmeier
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