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Textile Dienste in der Corona-Krise
„Wer Krankenhauswäsche wäscht, ist systemrelevant“

Sie waschen die Wäsche der Krankenhäuser – und tragen dabei ein erhöhtes Risiko, sich zu infizieren. Sie leisten unverzichtbare Arbeit in der Corona-Krise. Trotzdem sind die Beschäftigten bei textilen Dienstleistern nicht als „systemrelevant“ anerkannt. Und das auch noch zu Niedriglöhnen.


Arztkittel, OP-Bekleidung, Schutzbekleidung, Patientenhemden, Bettwäsche, Handtücher: Die rund 280 Beschäftigten bei CWS HealthCare in Warburg/Ostwestfalen holen die Wäsche vom Krankenhaus ab, holen sie aus den Kunststoffsäcken heraus, sortieren sie – vieles per Hand, waschen, mangeln, trocknen und falten sie – damit das Krankenhaus schnell wieder nach den Hygienevorschriften des Robert-Koch-Instituts desinfizierte Wäsche zurückbekommt.

Die Beschäftigten in den Wäschereien werden dringend gebraucht in der Corona-Krise. Sie halten das Gesundheitssystem mit am Laufen. Der Laden brummt, an Kurzarbeit ist nicht zu denken. Vor allem die Wareneingänge sind so voll wie immer. Immer korrekt Abstand halten ist kaum möglich. Dazu kommt die möglicherweise Corona-infizierte Wäsche, die sie anfassen, vor ihren Gesichtern. Sie tragen zwar Handschuhe. Aber keine FFP-Masken, sondern nur Mund-Nasen-Schutz.

„Mich wundert es, dass es bei uns noch keinen Corona-positiven Fall gibt“, meint Herbert Menne, Betriebsratsvorsitzender in Warburg und Gesamtbetriebsratsvorsitzender von CWS HealthCare. „Die Leute haben Angst, viele wollen nicht mehr in den Wareneingang.“


Maßnahmen zum Gesundheitsschutz durchgesetzt

Der Betriebsrat hat dafür gesorgt, dass Maßnahmen zum Gesundheitsschutz umgesetzt werden. Etwa versetzte Pausen mit weniger Mitarbeitern, eine Verschiebung der Arbeitszeit bei Schichtwechsel, zusätzliche Vorschriften zur Benutzung der Umkleideräume oder verschärfte Reinigungs- und Desinfektionspläne.

Dennoch bleibt die Arbeit gefährlich. Zudem ist der Altersdurchschnitt hoch und damit auch das Risiko, schwer an Corona zu erkranken.

 

Herbert Menne ist Betriebsrat bei der Großwäscherei CWS HealthCare in Warburg. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen setzt er sich für bessere Arbeitsbedingungen in den Wäschereien ein. (Foto: privat)


Systemrelevante Arbeit – zu Billiglöhnen?

Sie leisten gefährliche und in der Corona-Krise essentielle Arbeit Doch als „systemrelevant“ werden die Beschäftigten bei den textilen Dienstleistern nicht anerkannt. Schutzausrüstung oder eine Notbetreuung in der Kita wie für Ärzte oder Krankenschwestern gibt es für sie nicht.

Honoriert wird ihre Arbeit schon gar nicht. Die Sparprogramme und Fusionen im Gesundheitssystem bewirken, dass die Krankenhäuser permanent die Preise drücken. Der billigste Dienstleister bekommt den Auftrag. Ordentliche Tarife gibt es im Bereich Krankenhauswäsche kaum noch. Mit 9,72 Euro in der Stunde fangen die Beschäftigten bei CWS HealthCare in Warburg an zu arbeiten. Nach einem Jahr geht es hoch auf 10,24 Euro. Andere Anbieter zahlen sogar nur den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 9,35 Euro. Arbeitskräfte finden die textilen Dienstleister zu diesen Bedingungen nur noch schwer. Sie decken ihren Personalbedarf mit polnischen und ukrainischen Leihfirmen.

Die IG Metall fordert, dass die Arbeit der Beschäftigten in den textilen Diensten endlich wertgeschätzt wird. Das bedeutet, dass für die die Flächentarifverträge der IG Metall gelten müssen. Zudem müssen die textilen Dienste als systemrelevant für die Bekämpfung der Corona-Krise eingestuft wird. Um infektiöse Wäsche bearbeiten zu können, sind Atemschutzmasken, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel für die Beschäftigten der Branche unverzichtbar.

„Sind diese Artikel knapp, muss es – wie in andere systemrelevanten Branchen auch – einen bevorzugten Zugang dazu geben“, fordert Miriam Bürger, Verhandlungsführerin der IG Metall für die Textilen Dienste. „Und wie andere systemrelevante Berufsgruppen brauchen auch die Beschäftigten der Textilen Dienstleiter einen verbindlichen Anspruch auf Notbetreuung. Wer Krankenhauswäsche wäscht, muss auch als systemrelevant anerkannt werden.“

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