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Stahlproduktion in Zeiten von Corona
Damit der Ofen nicht aus ist

Auch die Beschäftigten der Stahlindustrie zählen zu den Helden des Alltags. Denn sie müssen auch in der Corona-Krise den Betrieb am Laufen halten.


Viel wird derzeit gesprochen über die Helden des Alltags. Über Krankenpfleger, Polizistinnen und Supermarktkassierer, die unsere Gesellschaft am Laufen halten. Vergessen werden da häufig die Beschäftigten der Stahlindustrie. Während vielerorts die Bänder stillstehen, Beschäftigte zum Schutz vor Corona ins Homeoffice geschickt werden, müssen sie noch ran. Denn plakativ gesagt: Ist der Ofen aus, ist der Ofen aus. Ein einfaches Abschalten ist bei der Stahlerzeugung nicht möglich. Es beginnt schon bei der Kokerei, in der Kokskohle gewonnen wird, die man für die Stahlproduktion als Reduktionsmittel benötigt. Sie muss durchgängig in Betrieb sein. Denn fährt man die Kokerei herunter, erkaltet die Feuerfestauskleidung und sie muss erneuert werden. Das kostet schnell einen dreistelligen Millionenbetrag.

Nächster Punkt: Hochofen. Ihn kann man abstellen, allerdings auch nicht ohne Weiteres. Es besteht die Gefahr, dass auch hier das Feuerfestmaterial beschädigt wird und ersetzt werden muss, was wieder in die Millionen geht. Das ist der Fall, wenn der „Sauabstich“ nicht gelingt. Für alle die nicht in der Hütte gelernt haben: Sauabstich nennt man die komplette Entleerung. Dazu wird an der tiefsten Stelle, dem sogenannten „Sauloch“, Schlacke und Roheisen abgeführt. Bleibt aber davon etwas im Ofen zurück, was durchaus der Fall sein kann, muss es später mit schwerem Gerät rausgebrochen werden. Dabei geht auch das wertvolle Feuerfestmaterial flöten. In Frage kommt das Abschalten deshalb nur da, wo Erneuerungen und Reparaturen sowieso anstehen.


Ein Wiederanlauf dauert Monate

Neben dem Faktor Geld kommt auch der Faktor Zeit ins Spiel. Denn nicht nur das Herunterfahren ist schwierig. Auch das Anlaufen ist kompliziert und vor allem langwierig. Mehrere Monate kann es dauern. So sind die meisten Hütten gezwungen, zumindest einen Teil ihrer Produktionskette am Laufen zu halten. Damit nicht die komplette Mannschaft im Betrieb sein muss, fahren viele Hersteller die Produktion auf das Minimum herunter. Die Krux dabei ist aber: Um die Produktion herunterzufahren braucht es vorübergehend mehr Beschäftigte als im Normalbetrieb. Darum erinnern die Betriebsräte der Branche umso mehr daran, die gebotenen Abstandsregeln einzuhalten. Sie bedanken sich aber auch bei ihren Kolleginnen und Kollegen in den betroffenen Bereichen, denn ohne ihren Einsatz vor Ort könnten die Hütten nicht überleben und Arbeitsplätze würden verschwinden. Aber nicht nur ihre eigenen Arbeitsplätze und Hütten erhalten die Stahlarbeiterinnen und Stahlarbeiter durch ihren Einsatz, auch der Wirtschaftsstandort Deutschland muss sich bei ihnen bedanken. Denn: Für die industriellen Wertschöpfungsketten ist Stahl unverzichtbar.

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