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Stahl-Tarifrunde 2017: IG Metall beschließt Forderung

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Stahl-Tarifrunde 2017: IG Metall-Tarifkommission beschließt Forderungsempfehlung

Stahl-Beschäftigte haben es verdient

24.01.2017 Ι 4,5 Prozent mehr Geld für 12 Monate sowie die Fortsetzung der Tarifverträge zur Altersteilzeit und zum Einsatz von Werkvertragsbeschäftigten - das ist das Votum der IG Metall-Tarifkommissionen zur Tarifrunde für die Beschäftigten der nordwest- und ostdeutschen Stahlindustrie.

Im Osten sprach sich die Tarifkommission zusätzlich für einen Zukunftsdialog Jugend aus. Mitte Februar wird der IG Metall-Vorstand über die Empfehlung der Tarifkommission entscheiden. Die Verhandlungen starten am 22. Februar für die Stahlbranche im Nordwesten und am 28. Februar in Ostdeutschland. Die Tarifverträge enden am 28. Februar.

Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen und Verhandlungsführer in der Stahl-Tarifrunde im Nordwesten, begründete die Forderung mit der wirtschaftlich stabilen Lage der Stahlindustrie. "Ende 2016 lagen die Auftragseingänge über denen aus 2015", sagte Giesler. "Es deutet einiges darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Situation der Branche in diesem Jahr weiter leicht verbessert. An dieser Entwicklung sollen die Beschäftigten einen fairen Anteil erhalten."

Olivier Höbel, Bezirksleiter IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, wies darauf hin, dass junge Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz nach der Qualität fragen. Mit diesen Fragen werde auch die ostdeutsche Stahlindustrie konfrontiert. "Die Antworten wollen wir gemeinsam mit den Arbeitgebern in einem Zukunftsdialog Jugend und Stahl erarbeiten", sagte Höbel, der die Verhandlungen für die Branche im Osten führt.

Auch die Stahlhersteller blickten Ende 2016 verhalten optimistisch ins neue Jahr. Nachdem die Preise für Stahl Ende 2015 auf einen historischen Tiefstand gefallen waren, erholen sie sich seit Frühjahr 2016 wieder. Ursachen dafür sind unter anderem geringere Exportmengen und höhere Stahlpreise chinesischer Stahlhersteller sowie leere Lager der stahlverarbeitenden Industrie.

Die leeren Lager und die stabile Entwicklung bei den Stahlverbrauchern hat nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl auch die Produktionsmengen 2016 stabilisiert. Angesichts dieser Vorzeichen erwartet sie auch für 2017 einen moderaten Aufwärtstrend. So wird sich das Wachstum der stahlverarbeitenden Branchen im laufenden Jahr voraussichtlich bei 2,4 Prozent liegen. 2016 betrug es 2,5 Prozent. Die Auslastung stieg Ende 2016 auf 88 Prozent und näherte sich damit dem Durchschnittswert der letzten Jahre von 91 Prozent. Damit lag sie auch deutlich über dem weltweiten Durchschnittswert von 80 Prozent.

Die Forderung berücksichtigt für Giesler auch die Risiken, die nach wie vor für die deutsche Eisen- und Stahlindustrie bestehen. Nicht nur die Folgen des Brexit und der Entwicklung in den USA bergen einige Unsicherheit. Auch die im Sommer anstehenden Entscheidungen zum Emissionshandel können die Industrie belasten. Giesler wies dabei auf den Einsatz der IG Metall und der Beschäftigten für den Erhalt der Stahlindustrie in Europa im vergangenen Jahr hin.

Wie viel von politischen Entscheidungen abhänge, zeige das Beispiel der USA. Sie hatten bereits vor dem Regierungswechsel chinesische Stahlimporte mittels Zöllen verteuert, so dass die Preise für Stahl aus China im vergangenen Jahr in den USA deutlich höher lagen als in Europa. Giesler ist überzeugt: "Unter guten politischen Rahmenbedingungen lässt sich mit Stahl immer noch Geld verdienen." Zumal die Branche ihre Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen 30 Jahren enorm verbessert und die Produktivität pro Tonne um weit über 200 Prozent gesteigert hat. Damit liegt sie nach eigenen Angaben im internationalen Vergleich vorn.

Zu den Bedingungen in der Stahlindustrie gehört auch eine hohe Belastung an vielen Arbeitsplätzen. "Die Fortsetzung des Tarifvertrags zur Altersteilzeit ist für die meisten Stahlbeschäftigten daher ein hochemotionales Thema und enorm wichtig", sagte Giesler. Die Altersteilzeit ermöglicht es ihnen, ihr Arbeitsleben gesund zu beenden." Darüber hinaus ist sie aus Sicht der IG Metall ein Instrument, um den demografischen Wandel zu gestalten und Beschäftigung zu sichern.

Auch gesamtwirtschaftlich startet die Stahltarifrunde vor einem stabilen Hintergrund. Die Prognosen gehen davon aus, dass sich das stabile Wachstum in Deutschland fortsetzt. Diese Entwicklung wurde seit 2014 vor allem von gestiegenen Reallöhnen getragen. 2016 trugen der private Konsum und der Staatsverbrauch jeweils 0,8 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum bei. Dagegen schlug der Außenhandel, der lange Zeit Treiber des Wirtschaftswachstums war, mit 0,3 Prozentpunkten sogar negativ zu Buche. Insgesamt lag das Wirtschaftswachstum 2016 knapp unter zwei Prozent.

Für 2017 liegen die Prognosen zwischen 1 und 1,7 Prozent. Darin schlägt sich bereits die Unsicherheit darüber nieder, wie der Brexit-Prozess verlaufen und die Wirtschaftspolitik der USA sich entwickeln wird. Wichtigste Triebfeder für das Wachstum bleibt laut Prognosen der private Konsum, dessen Anteil die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute auf 0,7 Prozentpunkte schätzt. "Auch der Stahl lebt am Ende vom Konsum", sagt IG Metall-NRW-Chef Giesler, "aber ich kann nur einen Euro ausgeben, den ich auch bekomme."

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