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Ratgeber für berufstätige Eltern
Kita zu und kein Urlaub mehr – was tun?

Sommerzeit, Urlaubszeit: Für berufstätige Eltern ist das manchmal Stress pur. Denn viele Kitas haben ausgerechnet im Sommer länger geschlossen. Oft reichen die Urlaubstage nicht, um die Schließzeiten abzudecken. Wer in einem tarifgebundenen Betrieb arbeitet, hat da oft die besseren Karten.


Melanie Jauch kann davon ein Lied davon singen. Die Industriemechanikerin hat zwei kleine Kinder, Zwillinge im Alter von fünf Jahren. Melanie arbeitet bei Mahle in Rottweil und hat einen engen Zeittakt. Die Kita hat eigens für Eltern wie sie die tägliche Betreuungszeit von 7 bis 16 Uhr ausgeweitet. Dann ist ihre Schicht zu Ende.

In der Sommerzeit wird es besonders haarig. Dann müssen sie und ihr Mann sich die Betreuung für die zwei Kinder ganz genau einteilen, weil die Kita drei Wochen zumacht. Zählt man dann noch die üblichen Brückentage und pädagogische Tage, wenn das Kita-Team auf Fortbildung ist, hinzu, kommt sie auf über sechs Wochen im Jahr, in denen die Kinder ohne Betreuung sind. Ausfallzeiten durch Krankheiten der Kinder gar nicht eingerechnet. Da kommt man ganz schön in schleudern. Eigentlich.


Perfekte Regelung

Melanie war daher heilfroh, dass die IG Metall in der Metall-Tarifrunde 2018 eine neue Regelung durchgesetzt hat. Seitdem gibt es eine Wahloption für Beschäftigte mit Kindern, wenn sie Angehörige pflegen oder in Schicht arbeiten: Sie können einen Teil des neuen tariflichen Zusatzgelds in Zeit wählen. Bis zu acht Tage können sie im Jahr zusätzlich zum Jahresurlaub freinehmen. Die Regelung gilt für Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie.

Melanie Jauch hat 2019 die acht zusätzlichen Tage für 2019 und von ihrem Arbeitgeber auch genehmigt bekommen. „Damit konnte ich schon mal die Brückentage der Kita abdecken“, sagt sie. „Das Tarifergebnis ist perfekt für mich, ich wüsste gar nicht, wie ich es sonst bewerkstelligen sollte“, sagt die junge Mutter. Sie hat die acht zusätzlichen Tage schon für die nächsten Jahre fest eingeplant. Nächstes Jahr werden die Zwillinge eingeschult. Dann gilt es pro Schuljahr, zwölf Wochen Ferien zu überbrücken. „Ich werde zweimal acht Tage auf zwei Jahre beantragen. Damit kann ich die Betreuung abdecken, bis die Kinder acht sind. Das ist schon mal was. Dann sehen wir weiter.“

Das Beispiel von Melanie Jauch zeigt, Berufstätige mit Kindern müssen aus mehreren Puzzleteilen ein System zusammenbauen, damit die Betreuung klappt. Denn nicht jeder hat Großeltern oder einen Freundeskreis in der Nähe, die mal einspringen. Da ist es hilfreich, wenn man in einem Betrieb arbeitet, wo es gute Tarifverträge gibt und wo sich Betriebsräte um die Interessen der Beschäftigten kümmern.


Eltern-Kind-Zimmer einrichten

In vielen Betrieben sind es gerade die Arbeitnehmervertreter, die sich um das Thema bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf kümmern. Auf ihre Initiative hin wurden vielerorts Eltern-Kind-Zimmer eingerichtet. Dort können die Kinder tageweise in den Betrieb mitgenommen werden und spielen, während Mama oder Papa arbeitet. Viele Betriebsräte setzen sich für die Einrichtung von Betriebskindergärten ein. Das ist besonders wichtig, weil es immer noch viele Beschäftigte gibt, die aus der Elternzeit nicht zurückkehren können, weil sie für ihre Kinder keinen Platz in einer Betreuungseinrichtung finden.

Die Metallerin und Betriebsratsvorsitzende Nadine Florian hatte sich für einen Betriebskindergarten bei Siemens in Duisburg eingesetzt. „Anfangs bin ich mit der Idee gegen die Wand gelaufen. Das Management hatte kein Verständnis. Dann kam ein Umschwung und vor zehn Jahren konnten wir eröffnen“, sagt sie stolz. „Der Betriebskindergarten war der erste in unserer Region. Andere wie Thyssenkrupp sind dann nachgezogen.“ Der Siemens-Betriebskindergarten in Duisburg startete zunächst mit zwei Gruppen. Wegen des großen Andrangs wurde schon nach wenigen Jahren angebaut, um eine dritte Gruppe unterzubringen. „Wir haben weiterhin hohen Andrang“, berichtet die Betriebsratsvorsitzende. Bei den Schließzeiten richten sie sich nach den Bedürfnissen der Eltern. „Im Sommer machen wir bewusst nicht zu, das ist uns wichtig.“

Unternehmenseigene Kindergärten führen dazu, dass Mütter und Väter schneller aus der Elternzeit in den Betrieb zurückkehren. Sie verlieren so nicht so schnell den Anschluss. Die Eltern sind oft sehr motiviert und froh, dass sie keine weiten Fahrten zum Kind auf sich nehmen müssen, wenn es ein Problem gibt, und das Kind etwa wegen Krankheit kurzfristig abgeholt werden muss. Die Zufriedenheit der Beschäftigten ist entsprechend hoch. Die Bindung von Mitarbeitern ist gerade in Branchen mit Facharbeitermangel ein gewichtiges Argument.

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