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Ratgeber: Arbeitsverhältnis endet nicht automatisch mit der Regelaltersgrenze

Ratgeber: Arbeitsverhältnis endet nicht automatisch mit der Regelaltersgrenze

Mit 63 kann - muss aber nicht Schluss sein

20.10.2014 Ι Seit 1. Juli können Beschäftigte unter bestimmten Voraussetzungen mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen. Das berechtigt den Arbeitgeber aber nicht, das Arbeitsverhältnis zu beenden.
An Rente hatte Jörg Bauer (Name geändert) gar nicht gedacht. Zwar arbeitet der 63-Jährige seit 45 Jahren, aber wenn es nach ihm geht, können es auch noch ein paar mehr werden. Sein Arbeitgeber sieht das offenbar anders. Er forderte ihn im Sommer auf, die Rente mit 63 zu beantragen.

Seit 1. Juli 2014 können Beschäftigte mit 63 abschlagsfrei in Rente gehen, wenn sie 45 Versicherungsjahre haben. Sie müssen aber nicht. Der Anspruch auf eine Altersrente berechtigt Arbeitgeber nicht, einen Arbeitnehmer zu kündigen.

Ein Arbeitsverhältnis endet auch nicht automatisch, wenn ein Beschäftigter die Regelaltersgrenze erreicht. Das gilt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und in Rente gehen will, musss ein Arbeitsverhältnis kündigen oder einen Aufhebungsvertrag unterschreiben.

Automatisches Ende

Anders sieht es aus, wenn die Parteien im Arbeits- oder Tarifvertrag vereinbart haben, dass das Arbeitsverhältnis mit Erreichen der Regelaltersgrenze automatisch endet. Diese Vereinbarungen betreffen aber die Regelaltersgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung. Für Jahrgänge, die 2014 das Rentenalter erreichen, liegt sie bei 65 Jahren und 3 Monaten In diesem Fall ist das Arbeitsverhältnis befristet und endet ohne Kündigung mit ErreichenderRegelaltersgrenze.

Das gilt auch für Verträge, die ein bestimmtes Alter als Ende nennen.Etwa wenn das Arbeitsverhältnis laut Arbeitsvertrag mit 65 endet. Sie wurden geschlossen, als die Regelaltersgrenze noch bei 65 lag. Die Grenze steigt in den nächsten Jahren auf 67 an. Arbeitnehmer mit einem alten Arbeitsvertrag müssen deshalb nicht unbedingt vorzeitig mit Abschlägen in Rente gehen. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern Sinn und Zweck der Vereinbarung. Das war in der Regel auch bei Verträgen, die mit dem 65. Lebensjahr enden, das Erreichen der Regelaltersgrenze.

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In der Metall- und Elektroindustrie gilt der "Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente" (TV FlexÜ). Wer mindestens zwölf Jahre in einem Betrieb arbeitet, kann die tarifliche Altersteilzeit im Block-modell nutzen. Beschäftigte erhalten zwischen 85 und 89 Prozent ihres bishe-rigen Nettoentgelts.

Mit dem ansteigenden Renteneintrittsalter verschiebt sich auch der mögliche Beginn der Altersteilzeit. Besonders Belastete wie Schichtarbeiter können statt vier bis zu sechs Jahre Altersteilzeit in Anspruch nehmen. Doch es gibt eine betriebliche Höchstgrenze: Insgesamt können nur vier Prozent der Beschäftigten eines Betriebes das nutzen.

Mit der gesetzlichen Regelung zur Rente mit 63 sind IG Metall und Arbeitgeber jetzt verpflichtet, den TV FlexÜ anzupassen.
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