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Projekt Gleichstellen

Kulturwandel gegen Beharrungsvermögen

30.07.2013 Ι Gleiche Chancen für Männer und Frauen sind in den meisten Betrieben kein Randthema mehr. Viele zählen es zu ihren Unternehmenszielen. Doch oft reicht es über Lippenbekenntnisse nicht hinaus. In dem IG Metall-Projekt im Rahmen der Bundesinitiative "Gleichstellen" beschäftigten sich Betriebsrätinnen und Betriebsräte damit, was sich ändern muss, um Chancengleichheit zu schaffen.

Frauen arbeiten häufiger in sogenannten Büroberufen, sie nehmen seltener an Weiterbildungen teil, sie sitzen seltener in Führungsetagen und sie arbeiten häufiger Teilzeit als Männer. Das gilt unabhängig von der Branche. So fasste Christiane Benner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, die Lage der Frauen in der Elektro- und ITK-Industrie, bei Autoherstellern und ihren Zulieferern zusammen.
 

Veraltete Strukturen halten sich hartnäckig

Die IG Metall hatte die Arbeitsbedingungen von Frauen in diesen vier Branchen untersucht. Alles nicht ganz neu und nicht ganz unbekannt. Umso erstaunlicher, wie hartnäckig sich die Bedingungen für Frauen in der Arbeitswelt halten. "Wir brauchen einen Kulturwandel in den Betrieben, wenn wir die Chancen für Frauen verbessern wollen", sagte Christiane Benner. Treiber könnte der demografische Wandel werden. Angesichts eines steigenden Fachkräftebedarfs können Unternehmen auf Dauer nicht auf das Potenzial vieler Frauen verzichten. Für Christiane Benner steht daher jetzt schon fest: "Den Kampf um die Köpfe werden die Unternehmen gewinnen, die gute Arbeitsbedingungen bieten, Frauen und Männer gleichstellen und Vereinbarkeit unterstützen."


In vielen Betrieben gehört Gleichstellung zwar zum Unternehmensziel, doch das beschränkt sich häufig ausschließlich auf Absichtserklärungen. Projektleiterin Claudia Dunst vom Beratungsunternehmen Wert.Arbeit GmbH, Berlin, sah eine Ursache darin, dass es vielen Verantwortlichen schwerfällt, alte Zöpfe abzuschneiden. "Das Beharrungsvermögen einzelner Akteure ist erstaunlich hoch", sagt Dunst. Gleiche Chancen für Frauen und Männer im Betrieb schaffen sich nicht von selbst. "Dazu braucht es engagierte Betriebsräte."


So wie bei den Ford-Werken in Köln, Infineon in München oder beim sächsischen Autozulieferer GKN Driveline. 3 von 24 Betriebsräten, die an dem Projekt der IG Metall teilnahmen. Fast jeder Betrieb hatte sich ein anderes Thema vorgenommen. So ging es bei Ford darum, mehr junge Frauen für den gewerblich-technischen Bereich zu gewinnen. Bei Infineon nahm sich der Betriebsrat vor, die Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen in den mittleren und höheren Positionen zu verbessern. Und bei Driveline befasste sich der Betriebsrat mit alters- und alternsgerechter Arbeit in einem Bereich der Produktion, in dem besonders viele Frauen arbeiten.


 

Nah dran an den Beschäftigten

Die Betriebsräte verschafften sich zunächst einen Überblick und befragten die Betroffenen. So wechselten etwa bei Ford Frauen häufig aus dem gewerblich-technischen Bereich, weil ihnen  dort eine Perspektive fehlte. Frauen bei Infineon hatten nicht den Eindruck, dass Eltern bei ihrer Karriere nicht gefördert und Teilzeit in Führungspositionen nicht unterstützt wird. Die Beschäftigten bei Driveline machten zahlreiche Verbesserungsvorschläge, Arbeitsplätze alters- und alternsgerecht zu gestalten. Sie kritisierten unter anderem die Temperatur in der Halle, wenig Platz, weite Wege und fehlende ergonomische Erleichterungen.


Das Projekt förderte in den Betrieben viel Wissenswertes zu Tage, vor allem weil es vielen Frauen, ihren Erfahrungen und Ideen Gehör verschaffte. Manche Verbesserungen konnten Betriebsräte schon umsetzen, viele müssen sie noch anpacken. Das Ziel fasste IG Metall-Vorstandsmitglied Christiane Benner zusammen: "Wir wollen gute Arbeit für Frauen."

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