Metaller im Bundestag
„Es geht um Respekt für die Beschäftigten“

Von der Werkhalle ins Parlament: Der Metaller Markus Hümpfer (29) ist frisch gewählter Bundestagsabgeordneter. Was er als erstes anpacken will – und was die IG Metall mit seiner Politik zu tun hat.


Glückwunsch zum Wahlerfolg! Wie hast Du es mit 29 Jahren in den Bundestag geschafft?

Markus Hümpfer: Indem ich mich engagiert habe. Mit 18 habe ich mir gesagt: Wenn Du was verändern willst, musst Du in eine Partei eintreten. Ich habe mir die Parteien angeschaut und mich für die SPD entschieden. In meinem Heimatort gab es einen jungen Bürgermeister, der hat mich ermutigt. Ich bin in den Gemeinderat gewählt worden, dann in den Kreistag, in Parteiämter. Ehrlich gesagt: Eine Portion Glück gehört auch dazu.

Was willst Du in Berlin als erstes anpacken?

Den Mindestlohn auf 12 Euro erhöhen! Da geht es um Respekt für die Arbeit und für die Beschäftigten. Alle Menschen sollten von ihrem Lohn leben können – ohne Aufstockung vom Amt.

Welche Missstände ärgern Dich sonst noch?

Die Schere zwischen Arm und Reich, die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern, die ungerechte Verteilung von Bildungschancen.
 

MdB Markus Hümpfer

Markus Hümpfer, Metaller und Bundestagsabgeordneter. Foto: Nele Brüggemann


Du kommst aus Schweinfurt, einer Hochburg der Metallindustrie. Siehst Du Dich im Bundestag als Stimme der Industriebeschäftigten?

Auf jeden Fall. Ich habe bei ZF meine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht, danach als Maschinenbediener gearbeitet. Da habe ich alle Probleme mitbekommen. Besonders die der Automobilindustrie und der Zulieferer.

Welche Rolle hat die IG Metall für Deinen Werdegang gespielt?

Ich bin mit 16 Jahren zur IG Metall gekommen. Damals fanden gerade JAV-Wahlen statt. Ich habe mich aufstellen lassen und bin direkt gewählt worden. Unser zentrales Thema war: Unbefristete Übernahme nach der Ausbildung. Dafür haben wir gekämpft – und gewonnen. Das war eine coole Zeit. Ich habe gemerkt, dass man gemeinsam Dinge verändern kann. Natürlich gab es auch Niederlagen, die muss man wegstecken. Aber von den Erfolgen zehrt man wesentlich länger.

Wie stehst Du zum Thema Klimaschutz?

Fest steht: Die Wirtschaft muss CO2-neutral werden. Unternehmen sollten zum Beispiel verpflichtet sein, auf neuen Gebäuden Solaranlagen zu errichten. Klimaschutz braucht aber auch eine soziale Absicherung.

Was heißt das konkret?

Die Industriegeschichte zeigt: In jeder Epoche sind angestammte Jobs weggefallen und neue entstanden. Aber jetzt wird das schneller passieren als früher, gerade im produzierenden Gewerbe. Das heißt: Wir brauchen ein Recht auf Weiterbildung. Dazu gehören Zuschüsse zum Lebensunterhalt, damit Beschäftigte sich die Weiterbildung überhaupt leisten können. Die Bundesagentur für Arbeit muss umgebaut werden zu einer Beratungs- und Weiterbildungsagentur.

Weiterbildung allein wird nicht reichen…

Wir brauchen auch mehr Investitionen: in Wasserstoff- und Batterietechnik, in Forschung und Entwicklung. Deutschland hat den weltweiten Trend zur E-Mobilität ein bisschen verschlafen. Dass darf uns beim Wasserstoff nicht nochmal passieren. Im Schwerlastverkehr wird Wasserstoff eine große Rolle spielen.

Wie willst Du die staatlichen Investitionen finanzieren?

Wer sehr viel hat sollte ein bisschen mehr zur Finanzierung unseres Gemeinwesens beitragen. Und internationale Konzerne wie Amazon oder Google müssen endlich angemessene Steuern zahlen. Das wird in der nächsten Regierungskoalition hoffentlich möglich sein.

Für Wasserstoffgewinnung und E-Autos brauchen wir große Mengen an Ökostrom. Woher kann der kommen?

Die neue Bundesregierung muss den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv anschieben. Eine strikte Abstandsregel für Windräder wie bei uns in Bayern darf es nicht mehr geben. Das bremst den Ausbau. Die Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen dauern viel zu lang. Das muss alles schneller gehen.

Manche Menschen trauen der Politik keine Lösungen zu. Was ist Deine Antwort?

In 16 Jahren Angela Merkel haben viele den Bezug zur Politik verloren. Wir müssen um Vertrauen werben und besser kommunizieren. Ich will meine Politik verständlich erklären. Dazu plane ich einen Youtube-Kanal, mit wöchentlichen Videos zu aktuellen und komplizierten Themen. Verbesserungen gibt es nur, wenn man politisch mitmacht.

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