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Interview mit Dirk Bergrath, IG Metall-Büro Brüssel

Interview mit Dirk Bergrath, IG Metall-Büro Brüssel

Gemeinsam stärker als allein

27.07.2016 Ι Die IG Metall bedauert das Wahlergebnis der britischen Bevölkerung über den Ausstieg des Landes aus der Europäischen Union. Wie es nun weiter gehen könnte, skizziert Dirk Bergrath, Leiter des Brüsseler Verbindungsbüros der IG Metall.

Was hat Deiner Meinung nach die Menschen dazu gebracht, sich von Europa abzuwenden?
Dirk Bergrath: Die Gründe sind komplex. Es war zunächst auch eine Wahl gegen Premierminister David Cameron, der es nicht geschafft hat, die großen sozialen Probleme des Landes zu lösen. Zusätzlich haben die Brexit-Befürworter die Ängste der Menschen genutzt und haben selbst vor Lügen nicht zurückgeschreckt - wie falsche Zahlen zur Einwanderung und zur Höhe britischer EU-Beiträge.

Wer war besonders empfänglich für den Austritt?
Die Spaltung zieht sich durch alle Parteien, Altersgruppen und Bildungsniveaus. Generell haben aber konservativ wählende Engländer ab Mitte 50 aus bildungsfernen Schichten eher für einen Austritt gestimmt als junge mit höherer Bildung.

Wie schätzt Du die Gefahr von rechts in Europa ein?
Rechtspopulismus liegt leider im Trend. Das haben die letzten Wahlen in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg sowie die Präsidentschaftswahlen in Österreich gezeigt. Ängste der Menschen vor Globalisierung und Migration müssen ernst genommen werden, keinesfalls dürfen sie jedoch für Wahlkampfzwecke missbraucht werden.

Wie geht es jetzt weiter mit Europa?
Europa soll Frieden und Wohlstand sichern. Bieten kann es das seinen Bürgern in einer globalen Welt aber nur als politische, soziale und wirtschaftliche Einheit. Wie in der Gewerkschaft gilt: Gemeinsam ist man stärker als alleine. Umverteilungspolitik ist in erster Linie nationale Aufgabe. Für einen Kurswechsel ist daher nicht allein Brüssel zum Handeln aufgefordert.

Welche Antworten hat die IG Metall auf die Krise?
Da ist zunächst einmal der wirtschaftliche Kurswechsel. Die IG Metall fordert seit langem eine proaktive Industriepolitik: mehr Investitionen und eine Stärkung der Nachfrage. Die Energiewende, Digitalisierung sowie Elektromobilität sind europäische Wachstumsfelder. Das Ökonomische gehört dazu, ist aber nicht genug. Wie in der IG Metall muss in Europa gelten: gemeinsam für ein gutes Leben.

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