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Immer mehr Beschäftigte arbeiten zu atypischen Arbeitszeiten. Foto: Fotolia

Immer mehr Beschäftigte arbeiten zu atypischen Arbeitszeiten

Die Tücken der Schichtarbeit

16.07.2013 Ι "Samstags gehört Vati mir" - unter diesem Motto erstritten die Gewerkschaften in den 50er Jahren ein arbeitsfreies Wochenende. Viele Jahrzehnte später wird dieser Erfolg immer weiter aufgeweicht. Jeder vierte Beschäftigte in Deutschland arbeitet auch am Samstag.

Arbeiten in der Nacht und am Wochenende - das gehört für viele Beschäftigte zum Alltag. Und es trifft immer mehr Arbeitnehmer. Die Maschinenlauf- und Ladenöffnungszeiten verändern sich und bieten den Unternehmen zweifellos wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile. Doch für die betroffenen Beschäftigten bringt das viele zum Teil gravierende gesundheitliche Folgen.


Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin nimmt der Trend zu atypischen Arbeitszeiten zu: 2001 gab es 4,8 Millionen Schichtarbeiter, 2011 waren es bereits 6 Millionen. Bei der Nachtarbeit lag der Anstieg in diesem Zeitraum bei 32 Prozent und die Wochenendarbeit nahm um 33 Prozent zu.

Die Arbeitszeit beeinflusst Gesundheit und Wohlergehen. Deshalb sollte sie so gestaltet werden, dass die Beschäftigen sich auch während und nach der Arbeitszeit von den Belastungen erholen können. Schichtarbeit, besonders nachts, läuft der inneren Uhr zuwider. Denn Nachtarbeiter erbringen dann Leistungen, wenn sich normalerweise Geist und Körper erholen wollen. Schlafen soll der betroffene Arbeitnehmer dann, wenn es hell ist und laut. Darin liegt ein wesentlicher Teil der Belastung bei Nacht- und Schichtarbeit. Zudem gibt es keinen Gewöhnungseffekt. Um die gesundheitlichen Folgen zu mindern, muss die Regenerationszeit also entsprechend lang sein.


Gravierende gesundheitliche Folgen

Wenn es zu viel wird, macht der Körper schlapp. Das leuchtet jedem ein. Wenn man erschöpft ist, dauert es nicht nur länger, ein kniffliges Problem zu lösen. Zu lange Arbeitszeiten können auch massive gesundheitliche Probleme verursachen, das ist arbeitsmedizinisch erwiesen. Dazu gehören nicht nur Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen. Auch die Anfälligkeit für Infekte jeder Art, ebenso wie Herzkrankheiten, Tinnitus und Hörsturz. Andere Menschen leiden unter Übermüdung, Schlafstörungen und psychischer Erschöpfung.


Zu den gesundheitlichen Problemen kommen die sozialen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten. Um eine Balance von Arbeit und Privatleben zu ermöglichen, müssen Arbeitnehmer möglichst viel individuellen Einfluss auf die Lage der freien Zeit nehmen können. Schichtarbeitern sollte ausreichend Freizeit zu sozial wichtigen Zeiten wie abends und an Wochenenden zugesichert werden. Das Minimum ist ein freier Abend pro Woche und möglichst viele geblockte Wochenendfreizeiten von mindestens zwei zusammenhängenden freien Tagen.


Regeln bei der Schichtplangestaltung

Eine Nachtschicht lässt sich besser verkraften, wenn man danach ausschläft. Der Körper kann sich dann wieder auf seine angeborene innere Uhr umstellen. Doch je mehr Nachtschichten aufeinander folgen, desto stärker wird der Tag-Nacht-Rhythmus gestört und desto größer das Schlafdefizit. Deshalb sollten nicht mehr als drei (besser zwei) Nachtschichten hintereinander gearbeitet werden. Das gilt auch für Früh- und Spätschicht: Schnelle Wechsel sind besser als lange Schichtfolgen.

Es gibt Schichtfolgen, die für den Körper ungünstig sind und daher vermieden werden sollten. So reicht beispielsweise nach der Nachtschicht ein freier Tag nicht aus, um das Schlafdefizit auszugleichen, wenn im Anschluss eine Frühschicht folgen soll. Besser sind zwei freie Tage. Manche Schichtfolgen sind auch verboten, wie etwa der Rückwärtswechsel von der Spät- auf die Frühschicht oder von der Nacht- auf die Spätschicht. Hier fehlt das Minimum von elf Stunden Ruhezeit, das nach dem Arbeitszeitgesetz vorgeschrieben ist.

Besser für die Gesundheit sind Systeme, die vorwärts wechseln: Also Früh-, Spät-, Nacht. Das entspricht eher dem natürlichen 24-Stunden-Rhythmus. Dazu kommt, dass die arbeitsfreien Pausen von der Früh- auf die Spätschicht länger sind als von der Spät auf die Frühschicht.


Die IG Metall berät

Nicht immer können Schichtarbeit oder atypischen Arbeitszeiten vermieden werden. Doch es gibt Möglichkeiten, den Wechsel gesünder zu gestalten. Dazu können Sie bei Ihrem Betriebsrat oder Ihrer IG Metall vor Ort nachfragen. Zudem bietet unser Ratgeber für Mitglieder der IG Metall Tipps, wie man auch mit unregelmäßigen Arbeitszeiten zurecht kommt.

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Links und Zusatzinformationen
checkliste_schichtplangestaltung
  • Möglichst wenige Nachtschichten nacheinander (maximal 3). Auch Früh- und Spätschichten sollten schnell rotieren (1 bis 3 Tage)
  • Nachtschichten sollten früh enden (zwischen 5 und 6 Uhr)
  • Nach einer Nachtschichtphase sollte eine lange Ruhephase folgen
  • Am besten vorwärts wechseln: Früh-Spät-Nacht
  • Möglichst keine ungünstigen Schichtfolgen zulassen
  • Die Frühschicht sollte nicht zu früh beginnen
  • Komplett freie Wochenenden müssen gewährt werden, mindestens zwei aufeinanderfolgende Tage
  • Je schwerer die Arbeit (Lärm, Staub, Kälte, Hitze etc.), desto kürzer die Schicht
  • Flexibler Schichtzeitbeginn ist besser als ein starrer
  • Länger als 8 Stunden sollte keine Schicht dauern
  • Kurzfristige Änderungen vom Schichtplan vermeiden
  • Schichtarbeiter und -arbeiterinnen sollten mehr freie Tage haben als Tagarbeiter
  • Mindestens ein Abend pro Woche sollte frei sein (zwischen Montag und Freitag)
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