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Kampf um Arbeitsplätze bei Norma
Norma-Beschäftigte legen mit Warnstreik Werk in Maintal still

Keine Annäherung in den Tarifverhandlungen beim Autozulieferer Norma. Die Geschäftsleitung hält an ihren Kahlschlagplänen fest: Schließung des Werks Gerbershausen, bis zu 360 Jobs weg, 1000 Euro weniger im Monat. Die Beschäftigten machen nun mit Warnstreiks Druck gemacht.


Die Hallen sind leer. Alle sind draußen, zum Warnstreik der IG Metall vor den Werkstoren des Autozuliefers Norma in Maintal bei Frankfurt a.M.. Wegen Corona teilen sich die 500 Beschäftigten auf drei Tore auf, mit Abstand und Masken. Selbst Führungskräfte sind dabei.

„Alle wissen, worum es geht. Das Werk steht still“, stellt der Betriebsratsvorsitzende Klaus Ditzel fest. „Alle hier haben erkannt, was es bedeutet, um den Arbeitsplatz zu kämpfen.“

95 Prozent sind hier mittlerweile in der IG Metall. Als die Geschäftsleitung im Juni ihr Sparprogramm „Get on Track“ verkündete – „Liquidierung“ des Werks Gerbershausen mit 160 Beschäftigten, bis zu weitere 200 Jobs weg in Maintal, Verzicht auf bis zu 1000 Euro Lohn im Monat - , da waren es noch etwas mehr als die Hälfte.


Keine Annäherung in Tarifverhandlung – Geschäftsführung stur

Die ersten beiden Tarifverhandlungen über ihre Zukunft haben keine Annäherung gebracht. Die IG Metall-Mitglieder bei Norma wollen jedoch mit der Geschäftsleitung einen Zukunftspakt entwickeln, ohne Entlassungen, mit Investitionen in die Zukunft. Und sie fordern einen Sozialtarifvertrag mit Abfindungen und einer Transfergesellschaft. Doch die Geschäftsleitung hält an ihren Kahlschlagplänen fest.

„Wir tragen diesen Konflikt ab sofort noch breiter in die Öffentlichkeit“, ruft Robert Weißenbrunner, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda der Geschäftsführung hinter den Fenstern im Verwaltungsgebäude über Mikrofon zu. „Es ist das gute Recht Ihrer Beschäftigten, dass sie heute dem Aufruf der IG Metall zu ihrem ersten Warnstreik gefolgt sind.“

IG Metall-Mitglieder bei Norma entscheiden

Ihre Ideen und Forderungen haben sie gemeinsam entwickelt und auf Mitgliederversammlungen beschlossen. immer mehr engagieren sich, machen mit, 50 Beschäftigte sind mittlerweile IG Metall-Vertrauensleute, doch viele mehr packen einfach so mit an. Sie diskutieren und entscheiden über Strategie, Forderungen – und informieren ihre Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz.

Heute, bei ihrem ersten Warnstreik, haben sie 1000 Meter Glasfaser um das Werk verlegt, damit die Redner auch an den anderen Toren zu hören sind, haben Fahnen, Masken, Papphocker und T-Shirts an die Tore und unter die Leute gebracht. In den Tagen zuvor sind sie noch mal durch die Hallen und haben mit allen gesprochen, sie motiviert, ihnen Mut gemacht, sich nicht einschüchtern zu lassen.

„In meiner Abteilung musste ich keine großen Reden schwingen. Alle sind raus zum Warnstreik“, erklärt Helmut Wied, Vertrauensmann der IG Metall im Werkzeugbau. „Wir hatten viele Treffen und Diskussionen. Unsere Leute wissen was läuft. Sie sind bereit, für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen.“


Solidarität aus anderen Betrieben – auch von Autoherstellern

Sie sind heute nicht allein: Beschäftigte anderer Werke in der Region sind heute zum Warnstreik der IG Metall-Mitglieder bei Norma in Maintal gekommen, um ihre Solidarität zu zeigen. Von ABB, von der Vacuumschmelze, von Thermofischer, von Honeywell. Junge Metallerinnen und Metaller sind von einem Jugendseminar zwei Stunden hierher gefahren. Aus vielen anderen Betriebe sind Solidaritätsgrüße per Post oder per Mail angekommen. Die Politik ist da: Janine Wissler von den Linken, der Landrat.

Auch eine Delegation von IG Metall-Vertrauensleuten aus dem über 200 Kilometer entfernten LKW-Werk von Daimler in Wörth ist hier. Wie fast alle anderen großen Autohersteller wird auch Daimler mit Schlauchschellen von Norma beliefert. Ein Lieferstopp durch einen Streik bei Norma hätte innerhalb weniger Tage auch Auswirkungen auf ihre Produktion. Teuer würde es in jedem Fall, für Norma und die Hersteller. Trotzdem sind die Daimler-Beschäftigten heute hier, um die Kolleginnen und Kollegen bei ihrem Zulieferer zu unterstützen.

 „Wir stehen solidarisch hinter Euch“, erklärt Hellgard Penno, Leiter der IG Metall-Vertrauensleute bei Daimler in Wörth. „Auch wenn Streiks bei Euch Auswirkungen auf uns haben, dann wird’s eben teuer. Wenn wir von den ‚Großen‘ nicht hinter den ‚Kleinen‘ stehen, dann werdet Ihr gefressen. Die wollen hier aus reiner Profitgier zumachen, Arbeitsplätze und Löhne kürzen – nur weil sie nur noch 8 statt 17 Prozent Rendite haben. Kämpft für Eure Zukunft. Wir sind dabei.“


IG Metall-Mitglieder wollen Investitionen und neue Produkte

Sie wollen kämpfen. Die Norma-Beschäftigten sind sich ihrer Wirkung auf die Hersteller bewusst. Und sie haben auch Ideen für die Zukunft. In Gesprächen mit der Geschäftsleitung zu einem „Zukunftspakt 2030“ wollen die IG Metall-Mitglieder bei Norma auch über Investitionen in konkrete neue Produkte reden, weg vom Verbrenner. Bislang kam da von der Geschäftsleitung wenig.

„Es wäre wichtig, neue Produkte für den Standort reinzuholen, statt nur kurzsichtig Personal abzubauen – und dann in ein paar Jahren wieder Probleme zu bekommen“, meint IG Metal-Vertrauensfrau Samantha Kappes. Sie gehört zu den rund 60 Beschäftigten der ehemaligen Firma Statek, die von Norma vor zwei Jahren dazugekauft und in Maintal integriert wurden. „Wir haben zukunftsträchtige Produkte im Bereich Elektrotechnik und gute Kunden, die nun von Norma vernachlässigt werden.“


Verhandlungsergebnis bis Ende September – sonst Streik

Doch über die Zukunft will die Geschäftsleitung nicht sprechen. Sie wollen Ihr Programm durchziehen. Die nächste Tarifverhandlung für Norma in Maintal und Gerbershausen ist nächste Woche. Die IG Metall-Verhandlungskommission bei Norma erwartet dann endlich konkrete verhandlungsfähige Angebote von der Geschäftsleitung. Die nächsten Warnstreiks sind schon geplant – in Maintal und in Gerbershausen.

„Wir sind verhandlungsbereit – aber auch kampfbereit, als letztes Mittel auch mit einem Streik“, erklärt Uwe Zabel, Verhandlungsführer der IG Metall Mitte bei Norma. „Wir haben die Geschäftsleitung ultimativ aufgefordert, eine Verhandlungslösung mit uns bis Ende September finden. Sonst wird der Vorstand der IG Metall die Urabstimmung einen Streik bei Norma einleiten.“

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