Abkommen gegen wachsende globale Ungerechtigkeit
Thyssenkrupp Elevator garantiert weltweit faire und sichere Arbeit

IG Metall, IndustriAll Global Union und der Konzernbetriebsrat sichern Arbeitnehmerrechte der 50 000 Beschäftigten von TK Elevator. Die dazu geschlossene globale Rahmenvereinbarung ist eine Blaupause, wie Mindeststandards weltweit garantiert werden können.


Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektiv- und Tarifverhandlungen, keine Diskriminierung, keine Kinderarbeit, dafür Schutz der Beschäftigten, ihrer Gesundheit, gelebte Aus- und Weiterbildung sowie Mitbestimmung: Die IG Metall, IndustriAll Global Union, der Konzernbetriebsrat und die Geschäftsführung von TK Elevator haben gemeinsam eine Globale Rahmenvereinbarung (GRV) erarbeitet, die all diese Punkte und viele weitere für die Beschäftigten des Konzerns gewährleistet – egal in welchem Land sie arbeiten.

In der Thyssenkrupp AG gibt es bereits seit 2015 eine GRV. Doch für TK Elevator gilt diese nicht mehr – seit die Aufzugsparte im vergangenen Jahr ausgegliedert und verkauft wurde. So war es nun an der Zeit, eine neue Vereinbarung zu verhandeln. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen.


Menschenrechtsverletzungen in vielen Regionen Alltag

Laut dem Gewerkschaftsrechte-Index des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) verweigern über 100 Länder Beschäftigten das Recht auf die Gründung von oder den Beitritt zu Gewerkschaften. 80 Prozent der Länder haben das Recht auf Tarifverhandlungen verletzt. Somit sind die Vereinigungsfreiheit sowie das Recht auf Kollektiv- und Tarifverhandlungen zentrale Punkte der Vereinbarung.

Um Verstößen gegen Menschen- und Arbeitnehmerrechte vorzubeugen, die in vielen Regionen dieser Welt an der Tagesordnung sind, regelt die GRV, dass es keine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, Alters, Herkunft, sexuellen Orientierung, politischen Überzeugung, Religion oder aufgrund von Behinderung geben darf. Kinder- und Zwangsarbeit sind strikt verboten. Arbeitszeitregelungen müssen beachtet und eine angemessene Vergütung muss gewährleistet werden. Arbeitsbedingungen sollen so gestaltet werden, dass sie nicht die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen.

Durch die Einrichtung von Arbeits- und Gesundheitsausschüssen sollen Beschäftigte aktiv daran beteiligt werden, indem Arbeitnehmer- oder Gewerkschaftsvertreter ihrer Wahl dorthin entsendet werden. Auch der Förderung von beruflicher Bildung wird ein hoher Stellenwert eingeräumt, was gerade in der aktuellen Transformation der Industrie wichtig ist. 


Schutz der Beschäftigten gilt für den Konzern und Lieferanten

Dabei reicht die Wirkung der Vereinbarung auch über die eigenen Werkstore hinaus: TK Elevator stellt sicher, dass seine Lieferanten nicht nur über den Inhalt der GRV informiert werden, sondern diese ebenfalls die Grundprinzipien zu berücksichtigen haben. Ferner verpflichtet das Unternehmen sich und seine Lieferanten dazu, dass zukünftige Lieferkettengesetze eingehalten werden. Damit unterstreicht der Konzern die Wichtigkeit gesetzlicher Regelungen, um für alle ein einheitliches Wettbewerbsumfeld zu schaffen.

Susanne Herberger, Konzernbetriebsratsvorsitzende von TK Elevator, ist zu recht mit „ihrer“ GRV sehr zufrieden: „Mehr als 50 000 Menschen arbeiten weltweit bei TK Elevator und haben jetzt mit diesem Rahmenabkommen wieder eine zentrale Anlaufstelle, wenn grundlegende Arbeitnehmerrechte verletzt werden. Somit bleibt TK Elevator ein fairer und respektvoller Arbeitgeber für alle Kolleginnen und Kollegen.“


Mitbestimmungsfreie Betriebe dürfen nicht Benchmarks werden

Eine solche Rahmenvereinbarung haben über 20 große und international tätige Unternehmen im Organisationsbereich der IG Metall – darunter zum Beispiel BMW, Daimler, Siemens, ZF und Bosch. Die Globalisierung hat ein Stadium erreicht, in dem weltweit operierende Konzerne maßgeblich die Regeln setzen. Standorte in anderen Ländern werden nicht mehr nur genutzt, um neue Märkte zu erschließen oder Kosten zu sparen. Sie werden als Referenzbeispiele genutzt, um Benchmarks für Arbeitszeit-, Entgelt- und andere Arbeitsbedingungen oder neue Arbeitsmethoden zu setzen.

Das geschieht in den meisten Ländern mitbestimmungsfrei und unter Missachtung grundlegender Arbeitnehmerrechte. Meist sind es zudem Länder, in denen die Arbeitsgesetze oder deren Umsetzung mangelhaft, und freie, demokratische Gewerkschaften oder Arbeitnehmervertretungen schwach, zersplittert oder gar nicht existent sind. TK Elevator möchte mit seiner GRV dafür sorgen, dass in seinem Umfeld gar nicht erst Verletzungen von Menschenrechten entstehen können. Weltweit gibt über 80 000 multinationale Konzerne, aber nur ungefähr 120 GRV. Die meisten GRV stammen aus europäischen Unternehmen, weil hier der soziale Dialog auf Betriebs- und Unternehmensebene eher gewürdigt wird als in den USA, Asien, Afrika oder Lateinamerika.


Rahmenvereinbarungen in Krisenzeiten besonders wichtig

Dazu kommt: Aktuell verschlechtert sich die Situation weltweit für viele Beschäftigte sogar. „Die Coronapandemie hat zur Verschärfung der globalen Ungleichheiten geführt“, erklärt Jörg Hofmann, Präsident von IndustriAll Global Union und Erster Vorsitzender der IG Metall. Doch dagegen kann man etwas tun. Hofmann betont: „Mit der Globalen Rahmenvereinbarung von TK Elevator setzen wir ein Zeichen für Arbeitnehmerrechte, die gerade in Krisenzeiten notwendiger denn je sind. Wir haben gemeinsame Arbeits- und Gesundheitsausschüsse, ein internes Meldesystem sowie einen Internationalen Ausschuss etabliert, die eine Umsetzung sicherstellen.“

Valter Sanches, Generalsekretär von IndustriALL Global Union, sieht in der Vereinbarung einen wichtigen Schritt für die Branche: „Zum ersten Mal garantiert eines der großen sechs Unternehmen der Aufzugsbranche die Einhaltung der ILO-Kernstandards weltweit. Die Arbeit für IndustriALL und ihre Mitgliedsorganisationen hat aber gerade erst begonnen: Jetzt muss diese Vereinbarung durch einen echten sozialen Dialog auf globaler Ebene unter Einbeziehung der repräsentativen Gewerkschaften in allen Ländern, in denen das Unternehmen tätig ist, gestärkt werden.“

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