Transformation
Betriebsrat will gute Arbeit auch in Zukunft bei der Fondium-Gießerei Mettmann

Die Fondium-Gießerei in Mettmann steht vor der Transformation: Digitalisierung, CO2-Reduktion und E-Autos. Der Betriebsrat will gute Arbeit für die Zukunft sichern - gemeinsam mit der Geschäftsführung. Das war nicht immer so. Doch Betriebsrat und IG Metall haben in den letzten Jahren viel erreicht.


Flüssiges Eisen spritzt meterweit Funken. Immer wieder vibriert der Boden. In der Eisengießerei von Fondium in Mettmann (NRW) werden bis zu 80 Tonnen Metall in der Stunde eingeschmolzen. Das bedeutet Hitze, Lärm – und tonnenschwere Gewichte. Die Arbeit für die rund 1000 Beschäftigten ist knüppelhart – auch wenn immer mehr automatisiert von Robotern gemacht wird. „Ich habe auch mal testweise in der Gießerei gearbeitet. Da war ich abends völlig platt“, meint einer der drei Vertreter der Geschäftsführung, die heute beim Betriebsrundgang mit Betriebsrat und IG Metall dabei sind.


Energiesparende und CO2-freie Produktionsprozesse

Auch der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann ist dabei (Foto oben, Mitte), bei der Tour durch die Gießerei. Betriebsrat, Geschäftsführung und die IG Metall Geschäftsstelle Velbert haben ihn gemeinsam eingeladen, um mit ihm über die Zukunft der Eisengießerei und der Arbeitsplätze zu sprechen: über die nötige Umstellung auf energiesparende und CO2-freie Produktionsprozesse, auf mit Wasserstoff statt Koks betriebene Elektroöfen, über die Umstellung auf Produkte für Elektroautos – und über Fördermöglichkeiten, um die hohen Investitionen für die Zukunft zu stemmen.  Nicht ganz einfach für einen mittelständischen Autozulieferer mit nicht ganz so prallem Geldspeicher. Fondium ist 2018 über einen Management-Buy-Out aus dem GF-Konzern (Georg Fischer) ausgegliedert worden.
 

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Magnesiumbehandlung der Eisenschmelze in der Gießerei von Fondium. (Foto: Thomas Range)

 

Es zählt vor allem der Preis – nicht das CO2

Zwar gießt Fondium in Mettmann eher wenig Teile für Verbrennungsmotoren – sondern überwiegend Fahrwerksteile, die auch in Elektroautos gebraucht werden: Querlenker, Schräglenker, Schwenklager und Achsgehäuse für Kunden wie Audi, VW und Daimler. Doch der Kostendruck der Hersteller auf die Zulieferer ist immens. Aufträge gehen an billigere Konkurrenten verloren, oft nach Fernost, trotz der aufgrund weiter Lieferwege deutlich schlechteren CO2-Bilanz.

„Das CO2 interessiert die Einkäufer bei den Endherstellern dabei herzlich wenig. Es zählt nur der Preis. Die lassen die Teile lieber aus Südkorea um die halbe Welt heranschippern, als auch nur einen Euro mehr zu zahlen“, kritisiert Halit Efetürk, Betriebsratsvorsitzender von Fondium in Mettmann. „Wir brauchen für die Umstellung der Produktion eine aktive Unterstützung des Staates, um die wertschöpfende Industrie und deren tariflich abgesicherte Arbeitsplätze in Deutschland halten zu können. Ansonsten werden unsere Produkte aufgrund geringerer Umweltstandards mit längeren klimaschädlichen Transportwegen im Ausland produziert. Das kann keiner wollen.“


IG Metall fordert Zukunftsfonds für die Autoindustrie

Der Erste Vorsitzende der IG Metall signalisiert Unterstützung. Die IG Metall fordert bereits seit Jahren von der Politik, dass Autozulieferer wie Fondium bei der Transformation unterstützt werden – und hat dazu bereits zahlreiche Vorschläge gemacht. „Die sozial-ökologische Transformation unserer Industrieunternehmen, ein fairer Wandel, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir brauchen eine aktive Industriepolitik, die die Unternehmen und ihre Beschäftigten wirklich in den Veränderungsprozessen unterstützt“, fordert Hofmann. „Daher haben wir uns für den „Zukunftsfonds Automobilindustrie“ stark gemacht, der hier helfen kann.“
 

Jörg Hofmann beim Betriebsrundgang mit Betriebsrat und Geschäftsleitung bei der Fondium Gießerei in Mettmann. Ganz rechts: Standortleiter Thomas Rohde

Hakan Civelek (IG Metall Velbert, ganz links), Jörg Hofmann (Erster Vorsitzender der IG Metall, Mitte) mit der Fondium-Geschäftsführung beim Rundgang durch die Gießerei. (Foto: Thomas Range)

 

IG Metall-Betriebsräte haben sich behauptet

Betriebsrat und Geschäftsführung ziehen an einem Strang für die Zukunft. Das war nicht immer so. Dass die Geschäftsführung den Vorsitzenden der IG Metall im Betrieb begrüßt, wäre vor sieben Jahren wohl noch undenkbar gewesen.

Doch die IG Metall-Betriebsräte haben sich behauptet. Bei jeder Betriebsratswahl holten sie mehr Mandate, seit 2018 sind es alle 15 Sitze im Betriebsrat. Sie haben gewerkschaftliche Strukturen aufgebaut – und  Mitglieder, Aktive und Vertrauensleute für die IG Metall-Arbeit im Betrieb gewonnen.

Und sie haben für gute und sichere Arbeitsplätze gesorgt, sich um einen besseren Gesundheitsschutz gekümmert – und den Beschäftigten viel Geld gesichert: Zur Eingruppierung der Beschäftigten nach dem Entgeltrahmen-Tarifvertrag (Era) legte der Betriebsrat Widersprüche für über 950 Beschäftigte ein – im größten Einigungsstellenverfahren der deutschen Geschichte, das sich über fünf Jahre hinzog. Fast 95 Prozent der betroffenen Beschäftigten erreichten dadurch eine höhere Era-Eingruppierung, in einigen Fällen bis zu sechs Entgeltgruppen, was fast 1000 Euro mehr im Monat entspricht.
 

Der Betriebsratsvorsitzende Halit Efetürk (links) und Vertrauenskörperleiter Sebastian Wollny (rechts) in der Gießerei von Fondium in Mettmann.

Betriebsratsvorsitzender Halit Efetürk (links) und Vertrauenskörperleiter Sebastian Wollny (rechts). (Foto: Thomas Range)
 

Betriebsrat und Geschäftsführung auf Augenhöhe

2016 tauschte die damalige Konzernmutter GF Casting dann auch die Werkleitung aus. Seitdem arbeiten Betriebsrat und Geschäftsführung konstruktiv zusammen. Die Geschäftsführung hört den Beschäftigten, ihrem Betriebsrat und der IG Metall zu – und nimmt ihren Rat und ihre Ideen an.

„Wenn Arbeitgeber, Betriebsrat und Gewerkschaft auf Augenhöhe eng zusammenarbeiten, bin ich optimistisch, dass der Transformationsprozess - in einer der modernsten Gießereien Europas - gemeinsam und die Beschäftigung bei Fondium in Mettmann nachhaltig gesichert werden kann“, erklärt der Geschäftsführer der IG Metall Velbert, Hakan Civelek

Zur gemeinsamen Gestaltung der Transformation hat die IG Metall im letzten Metall-Tarifabschluss Ende März auch ein tarifpolitisches Instrument durchgesetzt: Zukunftstarifverträge.

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