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Kurzarbeitergeld aufstocken
„Arbeitgeber sollen Staatshilfen mit Kurzarbeitern teilen“

Kurzarbeit heißt bis zu 40 Prozent weniger Geld. In vielen Betrieben erreichen IG Metall und Betriebsrat, dass der Arbeitgeber einen Zuschuss zahlt. Nicht aber bei Alba Metall Nord in Rostock. Im Interview fordert der Betriebsratsvorsitzende Jan Schultz eine gesetzliche Regelung für alle.


Jan, wie stark seid Ihr von Kurzarbeit betroffen?

Jan Schultz: Die Kurzarbeit hat uns bis jetzt Gott sei Dank noch nicht so stark getroffen wie manch andere Betriebe, wo gar nicht mehr gearbeitet werden darf. Wir als ALBA Metall Nord GmbH sind in gewisser Weise „systemrelevant“: Wir recyclen Metall, leeren Schrottcontainer und versorgen die Eisen- und Stahlindustrie. Wir können noch weiterarbeiten. Im Schnitt liegen wir derzeit bei 40 Prozent Kurzarbeit. Doch da unser Arbeitgeber keinen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld zahlt, wird es für viele Beschäftigte eng.


Was bedeutet das für die Beschäftigten? Wie viel Geld bleibt am Monatsende übrig?

Wir haben keinen Tarif bei uns im Betrieb. Unsere Einkommen liegen im Schnitt bei 2200 Euro brutto. Bei 40 Prozent Kurzarbeit bedeutet das, dass etwa 1200 Euro vom Netto übrigbleiben. Für mich persönlich ist das gerade so ausreichend, um über die Runden zu kommen. Wir haben zuhause zwei Einkommen – und keine Kinder. Für andere wird das jedoch schon sehr eng. Sollte es jedoch darauf hinauslaufen, dass Kolleginnen und Kollegen komplett in Kurzarbeit Null gehen, reden wir von 900 Euro. Das ist in meinen Augen viel zu wenig, um davon leben zu können.

 

Jan Schultz, Betriebsratsvorsitzender bei Alba Metall Nord in Rostock (Foto: Privat)



Warum bekommt Ihr keinen Zuschuss auf das Kurzarbeitergeld von Eurem Arbeitgeber?

Als Betriebsrat haben wir uns sehr dafür eingesetzt, dass die Kolleginnen und Kollegen einen Zuschuss auf 90 Prozent ihres normalen Nettos bekommen. Wir haben zudem argumentiert, dass der Arbeitgeber ja vom Staat von den Sozialabgaben entlastet wird und davon einen Teil an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weitergeben kann. Aber das war nicht möglich.


Habt Ihr dafür Verständnis? Euer oberster Unternehmenschef ist ja Eric Schweitzer, der Präsident des Wirtschaftsverbands DIHK, der öffentlich für Solidarität in der Corona-Krise wirbt.

Als Inhaber von mehreren Gesellschaften mit insgesamt über 8000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern läppert sich ein solcher Zuschuss für ihn natürlich. Dennoch präsentiert sich die ALBA Group öffentlich als „Familienunternehmen“ – und in einer Familie sollte man in guten und in schlechten Zeiten füreinander da sein – auch als Arbeitgeber für die Beschäftigten.


Wie sehen das die Beschäftigten? Sind die Leute nicht sauer?

Wir als Betriebsrat haben unsere Belegschaft so gut es geht über die Situation informiert. Es kam zu hitzigen Diskussionen. Daher haben wir die Belegschaft über diese Entscheidung abstimmen lassen – und die Mehrheit hat sich dafür ausgesprochen, dass wir die Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit auch ohne Zuschuss abschließen sollen. Nicht mal eine Klausel zum Kündigungsschutz ist in der Betriebsvereinbarung verankert. Als Betriebsrat haben wir keine rechtlichen Mittel, das zu erzwingen.


Was muss passieren, damit Kurzarbeiter genug Geld zum Leben bekommen?

Die Regierung muss ihre Hilfen für Unternehmen an Bedingungen knüpfen – und das ohne große Spielräume für den Arbeitgeber. Der Staat erlässt den Arbeitgebern in der Corona-Krise die Sozialabgaben. Ich finde, einen Teil davon sollen sie an die Beschäftigten weitergeben.

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