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Geplanter Personalabbau während Corona
Beschäftigte und IG Metall leisten Widerstand gegen Jobabbau

Viele Arbeitgeber nehmen die Corona-Krise als Anlass, um Arbeitsplätze abzubauen und Betriebe zu schließen. Die Beschäftigten leisten gemeinsam mit der IG Metall Widerstand und kämpfen für ihre Zukunft – mit Demonstrationen, Warnstreiks und eigenen Konzepten zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze.


Über 300 Beschäftigte des Pumpenherstellers Flowserve SIHI haben mit einem vierstündigen Warnstreik in Itzehoe / Schleswig-Holstein gegen den geplanten Abbau von 100 Arbeitsplätzen protestiert. „Ein roter Teppich für die Job-Killer“, steht auf ihrem Banner. Das Banner haben die Beschäftigten selbst zusammengenäht – aus roten Flowserve-Taschen. Die Taschen haben sie gerade von der Geschäftsführung erhalten – als Geschenk zum 100-jährigen Firmenjubiläum.

„100 Jahre Flowserve SIHI – und sie wollen 100 Stellen streichen. Das ist ein Treppenwitz. Wenn der nicht so mies wäre, könnte man darüber lachen“, kritisiert Kai Trulsson, Geschäftsführer der IG Metall Unterelbe. „Die Bundesregierung ist bemüht, in der Krise so viele Jobs wie möglich zu retten. Und hier wird einfach mal abgebaut.“


Beschäftigte wollen Sozialtarifvertrag

Mitte Juni hatte die Geschäftsführung verkündet, dass sie 50 Stellen im Stammwerk in Itzehoe streichen will. Das Pumpenwerk im 70 Kilometer entfernten Tönning mit 45 Beschäftigten soll sogar komplett schließen. Das lassen sich Beschäftigte und IG Metall nicht bieten. Die IG Metall-Mitglieder bei Flowserve SIHI wählten eine Tarifkommission und forderten die Geschäftsführung zu Verhandlungen auf.


Perspektiven gehen vor Personalabbau

Die IG Metall-Tarifkommission fordert, dass Kurzarbeit und Arbeitszeitabsenkungen Vorrang vor einem kurzsichtigen Personalabbau haben müssen. Zumindest muss es Qualifizierungen und Abfindungen für die vom Abbau betroffenen Beschäftigten geben – und zugleich Sicherheit für die verbleibenden Arbeitsplätze. Dies wollen die IG Metall-Mitglieder in einem sogenannten Sozialtarifvertrag durchsetzen.

Nach mittlerweile zwei Verhandlungen ist keine Lösung in Sicht. Die Geschäftsführung weigert sich, über Alternativen zum Arbeitsplatzabbau zu reden. Die Beschäftigten bei Flowserve SIHI in Itzehoe und Tönning sind kampfbereit.

„Wir sind sehr zufrieden mit unserem Warnstreik“, meint Mike Dombert, Betriebsratsvorsitzender bei Flowserve SIHI in Itzehoe. „Trotz Corona hatten wir eine breite Unterstützung. Die Leute kamen aus dem Home-Office und aus dem Urlaub zu unserem Warnstreik. Und wir machen uns auch für unseren Servicestandort mit acht Mitarbeitern in Stuttgart stark, der ebenfalls geschlossen werden soll. Wir halten zusammen.“

 

Über 300 Beschäftigte des Pumpenherstellers Flowserve SIHI protestieren für Perspektiven und gegen Stellenabbau. (Foto: IG Metall)

 

600 Beschäftigte demonstrieren in Hildesheim

Auch bei den Autozulieferern SEG Automotive und bei KSM Castings in Hildesheim wollen die Arbeitgeber Jobs abbauen. SEG wird die Produktion schließen. Rund 500 von 550 Arbeitsplätzen stehen dadurch auf der Kippe. Die meisten Beschäftigten haben zwar ein Rückkehrrecht zu Bosch, dem früheren Arbeitgeber, doch fehlen auch dort die nötigen Aufträge für sie. KSM hat – für die Betriebsräte überraschend – ein Schutzschirmverfahren beantragt. Wie viele der 900 Arbeitsplätze zu halten sind, ist unklar.

Die IG Metall und die Betriebsräte von SEG Automotive und KSM Castings fordern Zukunftsperspektiven für die beiden Werke in Hildesheim. Letzte Woche haben bereits 600 Beschäftigte in der Stadt demonstriert. Sie wollen gleichberechtigt an der Erstellung von Konzepten zum Erhalt ihrer Werke beteiligt werden. Weitere Aktionen sind geplant.

 „Wir fordern für beide Unternehmen faire Kompromisse", stellt Karoline Kleinschmidt, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim, klar. „Vorschläge, die keine Perspektive für die Arbeitnehmer bieten, werden wir nicht unterstützen."


Widerstand gegen Jobabbau und Lohnkürzung bei Norma

Der Autozulieferer Norma will insgesamt fast 400 Arbeitsplätze abbauen. Das Werk im thüringischen Gerbershausen mit 160 Beschäftigten soll schließen und die Produktion nach Tschechien verlagert werden. Am Stammsitz im hessischen Maintal will die Unternehmensleitung 200 der knapp 400 Stellen streichen – und zudem die Löhne kürzen. Die Beschäftigten sollen rund 4 Millionen Euro Investitionen in die Transformation, die die Geschäftsleitung mit dem Betriebsrat letztes Jahr vereinbart hat, selbst bezahlen. Macht bis zu 1000 Euro weniger im Monat.

Mit dem Betriebsrat oder der IG Metall hat die Unternehmensleitung vorher nicht gesprochen. Dabei haben Betriebsrat und IG Metall in den letzten Monaten wiederholt Gespräche angeboten. Doch die Geschäftsleitung will nicht reden, sondern den Abbau der Arbeitsplätze möglichst schnell durchziehen. Dazu hat das Management sogenannte Einigungsstellenverfahren beim Arbeitsgericht beantragt.


Über hundert Eintritte in die IG Metall in den vergangenen Tagen

Das wollen sich die Beschäftigten und die IG Metall nicht bieten lassen. Der Widerstand formiert sich. Allein in den letzten Tagen sind über 100 Beschäftigte in die IG Metall eingetreten. Der Betriebsrat in Gerbershausen hat bereits ein Verfahren beim Arbeitsgericht in Nordhausen gewonnen – wegen Missachtung der Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats.

„Von Beginn an wird auf die Schließung hingearbeitet und Personalabbau vollzogen“, kritisiert Bernd Spitzbarth, Geschäftsführer der IG Metall Nordhausen. „Im Gegenzug werden Leiharbeitnehmer ohne die Einholung der Zustimmung durch den Betriebsrat beschäftigt.“


Unterstützung auch von der Politik

Unterstützung für die Norma-Beschäftigten kommt auch von der Politik. In Thüringen etwa kritisierten Vertreter aller Parteien von der Linken bis zur CDU den einseitigen Schließungsbeschluss der Unternehmensleitung. Norma hat Millionen an Fördergeldern kassiert – und nun wollen sie das Werk dichtmachen.

Der Widerstand läuft. Die IG Metall-Mitglieder bei Norma haben Tarifkommissionen gewählt. Es gab bereits mehrere Protestkundgebungen. In Maintal etwa demonstrierten Anfang Juli 300 Beschäftigte mit einer Menschenkette vor der Firmenzentrale.

Am Freitag protestieren die Norma-Beschäftigten gemeinsam vor dem Arbeitsgericht in Offenbach. „Wir fordern eine Zukunft beider Standorte und die Sicherheit aller Arbeitsplätze“, bekräftigt Uwe Zabel, Verhandlungsführer des IG Metall-Bezirks Mitte. „Wenn nicht mit uns über die Zukunft verhandelt wird, werden wir uns mit allen gewerkschaftlichen Mitteln wehren – zur Not auch mit Streik.“

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