Schrott und Recycling
100 Tage Streik der „Schrotter“ bei SRW

Seit 100 Tagen sind sie jetzt im Streik. Die Beschäftigten der Schrott- und Recyclingfirma SRW metalfloat in Espenhain haben oft weniger als 2000 Euro brutto im Monat. Die IG Metall fordert: Der Konzern-Boss aus Hongkong muss an den Verhandlungstisch. Auch Ihr könnt die Streikenden unterstützen.

19. Januar 202419. 1. 2024 |
Aktualisiert am 14. Februar 202414. 2. 2024


Für weniger als 2000 Euro brutto im Monat sortieren sie Metallschrott, im Dreischichtbetrieb. In ihren Blechcontainern ist es im Sommer über 40 Grad heiß und im Winter so kalt wie draußen. Überall ist Metallstaub in der Luft, der sich in die Lunge setzt.

Lohnerhöhungen gab es in den vergangenen Jahren kaum. Zwar hat ihr Arbeitgeber immer wieder viel versprochen. Doch dann kam nichts.
 

Tarifvertrag – statt falscher Versprechen!

Morgen (Donnerstag) ist Streiktag 100 bei SRW metalfloat in Espenhain bei Leipzig. Seit dem 8. November sind die Beschäftigten des Schrott- und Recyclingunternehmens jetzt im Streik, mit einer kurzen Unterbrechung über die Weihnachtsfeiertage. Sie fordern einen Tarifvertrag: 8 Prozent mehr Geld, jeweils 1500 Euro Urlaubs- und Weihnachtsgeld und eine Verkürzung der Arbeitszeit von 40 auf 38 Stunden.

Doch SRW weigert sich zu verhandeln. Das Problem: Die Entscheider sitzen weit weg, in Hongkong. Dort ist die Zentrale des chinesischen Chiho-Konzerns, zu dem SRW gehört. Registriert ist Chiho auf den Cayman-Inseln.

Der Streik dauert nun schon ein ganzes Geschäftsquartal und zeigt deutliche wirtschaftliche Auswirkungen. "Das Unternehmen verdient in Espenhain seit geraumer Zeit kein Geld mehr", meint Michael Hecker, Verhandlungsführer und Streikleiter der IG Metall Leipzig bei SRW metalfloat. Trotzdem verweigert der chinesische Geschäftsführer Yongming Qin die Wiederaufnahme von Tarifverhandlungen und blockiert somit alle Versuche, eine Lösung in der Tarifauseinandersetzung möglich zu machen. 

Das Unternehmen verstößt damit weiter gegen die eigenen Unternehmensgrundsätze. Im Code of Conduct der Scholz-Recycling Gruppe, zu der SRW gehört, steht, dass das Recht auf Tarifverhandlungen respektiert, die Bildung von Gewerkschaften anerkannt und ein offener, lösungsorientierter Umgang mit der Arbeitnehmervertretung verfolgt werde.

Beschäftigte und IG Metall fordern Konzernchef Yongming Qin an den Verhandlungstisch, erklärt Michael Hecker . „Die Streikenden sind entschlossen, ihren Arbeitskampf fortzusetzen, bis es eine tarifliche, rechtssichere Vereinbarung der Arbeitsbedingungen gibt.“

 

Bundesweite Welle der Solidarität

„Die Stimmung bei den Streikenden ist auch nach drei Monaten noch sehr gut“, bekräftigt Kathrin Kroll, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei SRW metalfloat. „Wir kämpfen weiter für unseren Tarifvertrag. Nur so kann sich endlich was ändern.“

Und sie sind nicht allein: Täglich treffen Solidaritätsbotschaften, Delegationen und Spenden aus anderen Betrieben und IG Metall-Geschäftsstellen ein.

Der Vorstand der IG Metall hat sich mit einer Resolution hinter die Streikenden bei SRW gestellt. Christiane Benner, die Erste Vorsitzende der IG Metall, hat sie besucht und mit ihnen gemeinsam demonstriert. Auch die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi war bei ihnen – und viele Politiker von SPD, Grünen, CDU und Linken. Weitere prominente Politikerinnen und Politiker haben bereits ihren Besuch bei den Streikenden angekündigt.

Morgen, an ihrem hundertsten Streiktag, werden neben der sächsischen Staatsministerin für Soziales Petra Köpping (SPD) auch zwei Kollegen vom Windradbauer Vestas vor Ort sein. Sie haben vergangenes Jahr sogar 123 Tage gestreikt – und sich am Ende mit der IG Metall ihren Tarifvertrag erkämpft.
 

Die Beschäftigten von SRW befinden sich seit dem 8. November im Streik.


Aktuelle Nachrichten und Hintergründe gibt es bei der IG Metall Leipzig.

Mehr erfahren in unserer Reportage: Streikende berichten über ihre Arbeit bei SRW.

Wenn ihr Solibotschaften schicken wollt, sendet diese bitte an: soli-srw(at)igmetall.de

Spenden für die Streikenden bitte überweisen an:

IG Metall
IBAN: DE 23 5005 0000 0000 0010 40
Verwendungszweck: Soli SRW
 

Seit August verweigert der Arbeitgeber Verhandlungen

Die IG Metall fordert gemeinsam mit den Beschäftigten bei SRW 8 Prozent mehr Entgelt, eine Erhöhung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes auf je 1500 Euro und eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden. Der Arbeitgeber verweigert seit August 2023 die Fortführung der Tarifverhandlungen. Nach fünf Warnstreiks stimmten 90 Prozent der IG Metall-Mitglieder bei SRW für einen unbefristeten Streik. Der Streik startete am 8. November und dauert – mit einer Unterbrechung über die Weihnachtsfeiertage – bis heute an.

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