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Corona-Krise macht Schutzmaßnahmen nötig
Stahlindustrie braucht handelspolitische Absicherung

Während in Europa die Stahlnachfrage eingebrochen ist, wird außerhalb Europas die Stahlproduktion teilweise sogar ausgeweitet. Damit droht ein massiver Anstieg von Importen in die EU. Zum Schutz der heimischen Produzenten und Arbeitsplätze fordert die IG Metall handelspolitische Maßnahmen.


Die Stahlindustrie war bereits vor der Corona-Krise mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert – gerade auch am Stahlstandort Deutschland. Die Corona-Pandemie stürzt die Branche nun in eine verschärfte Krise.

Statt zu helfen, verstärkt die EU-Kommission jetzt noch die Probleme der europäischen Hersteller. Gerade hat Brüssel beschlossen, die zollfreien Import-Quoten in die EU ab Juli um weitere drei Prozent steigen zu lassen.

Zum Hintergrund: Als 2018 der Handelskrieg zwischen China und den USA eskalierte, drohten europäische Stahlproduzenten zum Verlierer des Konflikts zu werden. Denn als die USA Stahl mit Strafzöllen belegte, wollten China und andere Länder ihre massiven Ausfuhren einfach nach Europa umlenken und hätte so den Mark völlig überschwemmt, die Preise wären in den Keller gestürzt.

Um den europäischen Markt und Hersteller zu schützen hat die EU damals die sogenannten „Safeguardmaßnahmen“ beschlossen. Sie sorgen dafür, dass alles was über das normale Stahl-Importvolumen in die EU hinausgeht, mit Zöllen belegt wird. Nun hat die EU aber gerade erneut das Volumen erhöht, in dem Maße zollfrei in die EU exportiert werden darf. Und es kommt noch schlimmer: In einem Jahr soll es dann gar keine Beschränkungen mehr geben. In der aktuellen Situation ist das ein Schritt in die völlig falsche Richtung.


Stahlnachfrage bricht um 50 Prozent ein

Das Problem ist: Aktuell bricht die Stahlnachfrage in der EU dramatisch ein, zuletzt um satte 50 Prozent. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch in anderen Ländern. Während die Hersteller in der EU auf die veränderte Situation je individuell mit einer Anpassung ihrer Produktion reagieren beziehungsweise eine solche vorbereiten, wird in anderen Ländern die Stahlerzeugung teilweise sogar ausgeweitet.

Dies gilt insbesondere auch für China, wo die Rohstahlherstellung im ersten Quartal trotz eines tiefen Konjunktureinbruchs ausgeweitet wurde. Die Folge ist: Erhebliche Lagerbestände wurden und werden aufgebaut, die bei Wiederanziehen der Nachfrage auf die Weltmärkte drängen.

Handelspolitische Schutzmaßnahmen nötig

Sollte es in der auf absehbare Zeit äußerst fragilen Lage auf den Märkten wieder zu einer Überflutung Europas mit diesen Überkapazitäten aus Fernost kommen, droht nicht nur dem Stahlstandort Deutschland, sondern der gesamten industriellen Wertschöpfungskette ein dauerhafter Schaden.

Die IG Metall und der Branchenverband Wirtschaftsvereinigung (WV) Stahl sehen es daher als zwingend notwendig an, zeitnah handelspolitische Schutzmaßnahmen zu ergreifen, die die veränderte Lage auf den Märkten widerspiegeln.

In dieser historisch einmaligen Situation darf nicht zugelassen werden, dass andere Länder in der aktuellen Krise ihre Strukturprobleme auf dem Europäischen Stahlmarkt und damit auf dem Rücken der Beschäftigten in der EU-Stahlindustrie abladen.


Der Artikel erschien erstmals am 13. Mai 2020 und wurde aktualisiert.

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