Stellenabbau in Berliner Gasturbinenwerk
Geplanter Stellenabbau hemmt Klimaschutz

Siemens Energy will in ihrem Gasturbinenwerk in Berlin 750 Stellen streichen. Dagegen wehrt sich die IG Metall, denn Gaskraftwerke sind aktuell eine wichtige Brückentechnologie für den Klimaschutz. Mit deiner Unterschrift kannst du die Berliner Metallerinnen und Metaller unterstützen.


Geht es nach dem Management von Siemens Energy, soll jeder fünfte Arbeitsplatz im Berliner Gasturbinenwerk wegfallen, in der Fertigung sogar jede zweite Stelle. Insgesamt 750 Stellen stehen auf der roten Liste. Dabei sind Gasturbinen und das Know-how der Berliner Metallerinnen und Metaller in der Welt gefragt. Gasturbinen sind eine wichtige Brückentechnologie und spielen bei der Energiewende eine entscheidende Rolle. Sie können, ­anders als Atom- oder Kohlemeiler, schnell hoch- und wieder herunterfahren. Damit sind sie die ideale Technologie, um die Lastschwankungen erneuerbarer Energien wie Photovoltaik und Windenergie auszugleichen. Zudem ist Gas die sauberste Form der fossilen Energieerzeugung. Weltweit werden deshalb gerade immer mehr Gaskraftwerke in Betrieb genommen, um Kohlekraftwerke und Atommeiler zu ersetzten.

Ein Beispiel: Das britischen Örtchen Keadby spart jetzt jährlich rund 3,7 Millionen Tonnen CO2 ein. Wo vorher Kohle den Strom lieferte, kommt er nun aus einem modernen Gaskraftwerk. Und woher stammt die Turbine? Klar, aus Berlin-Moabit. Denn die Metallerinnen und Metaller aus der Hauptstadt fertigen die weltweit modernsten und effizientesten Turbinen.


Energietechnik vom Feinsten steht auf dem Spiel

„Was die Kolleginnen und Kollegen hier an Ingenieursleistung auf die Beine stellen, ist unglaublich beeindruckend“, betonte Irene Schulz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, als sie vor wenigen Tagen in Berlin war, um die Metallerinnen und Metaller zu unterstützen. Schulz machte bei ihrem Betriebsrundgang klar: „Das ist deutsche, das ist Berliner Energietechnik vom Feinsten für die emissionsfreie Energieproduktion von morgen.“

Und in Berlin-Moabit bleiben die Beschäftigten ehrgeizig: „Wir wollen in Berlin die Wirkungsgrade unserer Turbinen erhöhen, ihre Leistung steigern, die Emissionen reduzieren“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende des Werks Günter Augustat. Der Metaller weiß genau, wie man die Zukunft des Werks gestalten muss: „Wir wollen Zukunftsthemen wie emissionsarme und emissionsfreie Verbrennung mit regenerativen Gasen und Wasserstoff in der deutschen Hauptstadt weiterentwickeln. Von Berlin aus wollen wir entscheidende Beiträge zur Gaseinsparung und CO2-Reduktion für die in aller Welt leisten“, so Augustat.


Stellenabbau erschwert Energiewende

Doch anstatt sich über das Können, Know-how und Engagement ihrer Beschäftigten zu freuen, will das Siemens Energy Management massiv Stellen streichen: weltweit 7800, davon 3000 in Deutschland. Warum? Na, dem Konzern, der sich gerade von seiner Mutter getrennt hat und sich nun alleine im Leitindex der 30 größten deutschen Aktienunternehmen (DAX) behaupten möchte, sind wohl einfach die Aktionäre wichtiger als die Beschäftigten. Während an manchen Siemens Energy Standorten noch viel im Nebel steckt, ist in Berlin das Sparprogramm des Vorstands schon sehr konkret geworden. Hier sind es 750 Stellen, die verschwinden sollen. Der Vorstand plant die gesamte Fertigung von Verbrennungssystemen und Spezialteilen in Niedriglohnländer in Osteuropa und Asien zu verlagern.

Doch die Verlagerungsstrategie ist kurzsichtig. Denn Fertigung und Entwicklung gehören gerade in diesem Feld eng zusammen. Ist aber erstmal die Fertigung auf ein unbedeutendes Niveau geschrumpft, kann sich meist auch der Rest nicht mehr lange halten. Fest steht zudem: So gute Beschäftigte aber auch Rahmenbedingungen, wie in Berlin wird das Unternehmen in Billiglohnländern nicht finden. „Berlin hat mit seinen unzähligen Wissenschaftseinrichtungen, Start-ups und seiner hohen Dichte an Energieunternehmen ein in Europa einzigartiges wirtschaftliches Umfeld“, erklärt Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin.

Auch für die heimische Energiewende wäre der Abbau von 750 Klimaretterinnen und Klimarettern in Berlin ein herber Schlag. Irene Schulz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, brachte es bei ihrem Betriebsbesuch auf den Punkt: „Ohne das Ingenieurs- Knowhow des Berliner Gasturbinenwerks wird die Energietransformation nur halb so gut.“


Mit Deiner Unterschrift kannst Du den Beschäftigten helfen

IG Metall, Betriebsrat und die Metallerinnen und Metaller vor Ort kämpfen deshalb für den Erhalt der 750 Stellen. „Wir werden in den kommenden Monaten mit der Berliner Politik und Industrie sprechen und uns mit den IG Metall-Kolleginnen und Kollegen hier am Standort für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze stark machen. Als Grundlage dafür treffen wir auf eine sich aktuell sehr schnell und stark organisierende Belegschaft, die uns in die Lage versetzt, notfalls auch Arbeitskampfmaßnahmen zu greifen“, erklärt Jan Otto, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin.

Betriebsrat Augustat hat zudem eine Petition ins Leben gerufen und bittet gemeinsam mit den Beschäftigten um Unterstützung: „Deshalb bitten wir Sie: Unterstützen Sie unseren Kampf für unsere Arbeitsplätze mit Ihrer Unterschrift. Es müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, Zukunftstechnologien zur Energiebrücke Gas, Dekarbonisierung und Wasserstoffnutzung in der Hauptstadtregion Berlin – Brandenburg zu halten, für die kommenden Herausforderungen.“

Hier geht es zur Petition

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