Schüsse auf die Streikenden
Die Freikorpssoldaten folgen dem Befehl. Sie schießen auf Streikende. Dutzende sterben. In Leipzig eröffnen Putschisten das Feuer auf eine gewerkschaftliche Demonstration gegen den Staatsstreich.
Trotz der Lebensgefahr geht der Generalstreik weiter. Im Ruhrgebiet wächst er sich zum Volksaufstand aus. Bewaffnete Arbeiter schließen sich zur „Rote Ruhrarmee“ zusammen.
Am 17. März 1920 geben die Anführer des Putsches auf. Kapp flieht nach Schweden, Lüttwitz nach Ungarn.
Die Brigade Erhardt rückt aus Berlin ab – nicht ohne vorher noch ein Blutbad anzurichten. Beim Abmarsch schießen die Soldaten in eine protestierende Menge. Zwölf Menschen sterben, 30 werden verletzt. Auch in Leipzig wird weiter geschossen, obwohl der Putsch bereits gescheitert ist. Rechtextreme Soldaten brennen das Volkshaus nieder, den Sitz und Versammlungsort der Leipziger Gewerkschaften.
Gemeinsam für die Demokratie
Ein breites Bündnis von Demokraten hat die Republik gerettet. Nun stellen die Gewerkschaften Forderungen an die Regierung: Sozialreformen und strenge Bestrafung der Putschisten. Nach einigen Zusagen endet der Streik am 23. März. Doch vor allem im Ruhrgebiet sind die Nachwegen heftig. Enttäuschung bei vielen Arbeitern führt zu bewaffneten Unruhen. Bittere Ironie der Geschichte: Die Aufstände werden vom selben Militär niedergeschlagen, das zuvor nicht bereit war, die Demokratie zu verteidigen.
Wie konnte es zu dem Putsch kommen?
Warnungen hatte es genug gegeben. Schon im Dezember 1919 hatte die „Metallarbeiter-Zeitung“ geschrieben, dass ein reaktionärer Staatstreich drohe.
Am 12. März, einen Tag vor dem Putsch, hatte Reichswehrminister Gustav Noske die Regierung über Umsturzgerüchte informiert. Er nannte die Marinebrigade Ehrhardt und die mögliche Besetzung des Regierungsviertels. Und er erklärte, dass er die Verhaftung der Verschwörer bereits angeordnet habe. Doch das kam viel zu spät. Zu lange hatte Noske die Augen verschlossen vor den reaktionären Umtrieben in der Reichswehr. Nun erhielt er die Quittung.
Kapp konnte sich der Verhaftung entziehen. Er hatte aus dem Berliner Polizeipräsidium eine Warnung erhalten. Der preußische Staatskommissar für die Überwachung der öffentlichen Ordnung schwieg, obwohl er die Putschpläne kannte.
Die vermeintlichen Pannen hatten System: In Verwaltung und Militär gab es zu viele Antidemokraten. Das war die eigentliche Ursache des versuchten Staatsstreichs.
Eine Lehre aus dem Kapp-Putsch und dem späteren Scheitern der Weimarer Republik findet sich heute in der Satzung der IG Metall: Das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und den demokratischen Grundrechten – verbunden mit der ausdrücklichen Bereitschaft, diese Rechte zu verteidigen.