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Protest unter Corona-Bedingungen bei Wirthwein
Mit einem Wäschekorb voll Klagen zum Arbeitsgericht

Es ist einfach eine miese Tour: Der Belegschaft zum Jahresende kündigen und in der Zeit bis dahin Samstag- und Sonntagsarbeit verlangen. Die Beschäftigten von Wirthwein in Eichenzell bei Fulda gehen jetzt dagegen auf die Barrikaden.


Die Firma Wirthwein, die Kunststoffteile für die Automobilindustrie herstellt, hat dem Großteil der Beschäftigten in Eichenzell gekündigt. Der Standort soll Ende des Jahres fast komplett dicht gemacht werden.

„Das ist eine Riesensauerei, dass wir alle entlassen sind ohne einen Cent Abfindung“, schimpft die Wirthwein-Beschäftigte Katrin Roob. „Das lassen wir uns nicht gefallen. Deshalb gehen wir jetzt über die IG Metall.“


Ziel ist ein Sozialtarifvertrag

Für Donnerstag hat die IG Metall den Arbeitgeber an den Verhandlungstisch gezwungen. Ziel ist ein Sozialtarifvertrag: Abfindungen von einem Bruttomonatsentgelt pro Beschäftigungsjahr für alle von betriebsbedingten Kündigungen betroffenen Beschäftigten, einen Mitgliederbonus von einmalig 1000 Euro für IG Metall Mitglieder und die Finanzierung von Transfermaßnahmen für 12 Monate.

Die Belegschaft des Standortes von Wirthwein in Eichenzell war im Mai überfallartig zu einer Mitarbeiterversammlung – trotz Corona – zusammengerufen worden. Kaltschnäuzig wurde ihnen mitgeteilt, dass die Produktion geschlossen wird. Alle Beschäftigte in der Produktion sind zum 31. Dezember ihren Job los. Die rund 60 Betroffenen wurden einzeln zu „persönlichen Gesprächen“ vorgeladen, in denen ihnen die betriebsbedingte Kündigung ausgehändigt wurde.

In dem nicht tarifgebundenen Unternehmen gab vor dem Ausspruch der Kündigungen keinen Betriebsrat. Das heißt nach herrschender – wenn auch abzulehnender – Meinung des Bundesarbeitsgerichts: Kein Betriebsrat – kein Sozialplan.


Belegschaft gut aufgestellt

Die Beschäftigten haben sich jetzt fast vollständig in der IG Metall organisiert. Um den Betrieb unter Corona-Bedingungen gewerkschaftlich zu erschließen und Mitglieder zu gewinnen, musste die IG Metall Informationsveranstaltungen im kleinen Kreis mehrfach wiederholen. Mit Erfolg. Die Belegschaft ist jetzt gut aufgestellt.

Die IG Metall fordert einen Sozialtarifvertrag. Gleichzeitig entschloss sich die Belegschaft, eine Betriebsratswahl einzuleiten. „Wirthwein verlangt von seinen Beschäftigten bis Ende des Jahres Überstunden, Samstags- und Sonntagschichten“, empört sich Uwe Zabel von der IG Metall. „Die Betroffenen sollen ohne Ende Überstunden und Mehrarbeit machen, um ihre Arbeitsplätze zu vernichten und die Arbeit zu verlagern. Dies ist zynisch und nicht mehr zu überbieten und hat nichts mit familiären Umgang bei Wirthwein zu tun.“

Der Warnstreik Ende Mai war nur der Auftakt von Protesten. Der Betrieb stand ab Fünf vor Zwölf bis Ende der Nachtschicht still und alle Maschinen ruhten. Alle Versuche von Streikbruch durch externe Streikbrecher scheiterten kläglich.


Sitzstreik und Autokorso

Obwohl die Aktionen unter erschwerenden Corona-Bedingungen ablaufen, klappen sie hervorragend und finden große Resonanz in der Öffentlichkeit: Der Sitzstreik vor dem Betrieb und der Autokorso zum Arbeitsgericht in Fulda. Während des Autokorso hielten alle am „IG Metall-Drive in“ am Straßenrand an und bekamen Verpflegung für den Kampf ins Auto gereicht.

Nachdem die Demonstration von rund 70 Autos und 100 Teilnehmenden den Verkehr auf der Autobahn blockierte, fand eine Abschlusskundgebung vor dem Arbeitsgericht in Fulda statt – unter anderem mit Vertretern der katholischen Kirche. Gemeinsam mit den Wirthwein-Beschäftigten haben sie einen Wäschekorb von Klagen in den Fristbriefkasten des Arbeitsgerichtes geworfen. Nun sind die Massenklagen auf dem Weg.

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