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Fusions-Fantasien von thyssenkrupps Vorstand
Mitbestimmung bei thyssenkrupp erhalten

Neue Fusionsgerüchte liegen bei thyssenkrupp Steel in der Luft. Die IG Metall setzt sich dafür ein, dass das Traditionsunternehmen nicht zum Juniorpartner eines ausländischen Konzerns wird, der Mitbestimmung mit Füßen tritt.


Die Tinte unter dem Tarifvertrag „Zukunftspakt Stahl 20-30“ ist noch nicht trocken und schon stellt thyssenkrupps Vorstandsvorsitzende Martina Merz schon wieder alles in Frage. Die Stahlsparte bräuchte nun doch eine Fusion und dabei dürfe es keine Denkverbote geben, verlautbarte sie bei der letzten Aufsichtsratssitzung. Damit brachte sie Partnerschaften ins Spiel, die thyssenkrupp Steel zum Juniorpartner degradieren würden: Merz sei bereits mit dem chinesischen Konzern Baosteel und SSAB aus Schweden im Gespräch, berichteten verschiedene Zeitungen.

Sollte es mit einem dieser Kandidaten zur Fusion kommen, hätten in dem neuen Unternehmen wahrscheinlich nicht nur die Duisburger Unternehmenslenker nichts mehr zu melden, sondern auch die Arbeitnehmerseite nicht. Denn eine Montan-Mitbestimmung, wie sie bei thyssenkrupp Steel herrscht, kennen diese Konzerne nicht.

Nicht mit der IG Metall, nicht mit dem Betriebsrat von thyssenkrupp Steel. „Denken darf man alles, machen aber nicht. Nicht mit uns“, entgegnet Tekin Nasikkol, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von thyssenkrupp Steel. Eine Minderheitenbeteiligung ist für Nasikkol eine rote Line.


Stahl ist die DNA von thyssenkrupp – das muss so bleiben

Unterstützung kommt von der IG Metall. So stellt Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und stellvertretender Aufsichtsratssitzender bei thyssenkrupp, klar: „Die Arbeitnehmerseite trägt eine Neuordnung des Konzerns thyssenkrupp mit, die sich auf die Werkstoff- und Industriegütergeschäfte konzentriert. Wir erwarten, dass bei Stahl und Marine Systems neben einem eigenständigen Weg auch Konsolidierungsoptionen unter der Federführung von thyssenkrupp geprüft werden. Wir lehnen eine Holding, die sich als Laienspieler in verschiedensten Märkten tummelt und beim industriellen Kerngeschäft Stahl nur noch als Juniorpartner taugt, ab.“

Und auch Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW, betont: „Stahl ist die DNA von thyssenkrupp. Das muss so bleiben. Zumal die Abgabe der Mehrheit bei Stahl auch aus finanzieller Hinsicht keinen Sinn macht.“


Corona verbrennt das Geld

Doch woher kommen plötzlich die Fusions-Fantasien von der Vorstandsvorsitzenden Merz? Bekommt der Konzern doch jetzt über 17 Milliarden Euro für den Verkauf der Aufzugsparte. Die kurze Antwort: Corona. Genauer erklären kann es Nasikkol: „Hätte das Geld vor der Krise vielleicht für den nötigen Konzernumbau gereicht, wird das jetzt sehr unwahrscheinlich. Corona verbrennt gerade unser Geld. Und keiner weiß, wie lange die Corona-Krise noch dauert und wie viel Geld so weiter verbrannt wird“, verdeutlicht der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von thyssenkrupp Steel.

Aktuell ist die Nachfrage, besonders aus der Autoindustrie, aufgrund der Corona-Krise massiv eingebrochen. Das schmerzt die Unternehmen der Branche empfindlich. Dabei hätten sie eigentlich gerade eine ganz andere Mammutaufgabe vor sich.


Grüner Stahl braucht politische Unterstützung

Um die Klimaschutzziele zu erreichen und CO2-frei Stahl zu produzieren, muss die Branche sich neu erfinden. Statt Hochöfen werden Wasserstoff-Direktreduktionsanlagen benötigt. Das kostet Geld. Jede Mende Geld. Geld, das die einzelnen Hersteller auch vor der Krise kaum hatten.

Deshalb spricht sich Nasikkol für eine nationale Lösung aus, sollte es zu einer Fusion kommen. Denn zum einen wäre so die Mitbestimmung weiterhin gewährleistet und zum anderen könne keines der deutschen Stahlunternehmen die bevorstehenden Transformationskosten alleine stemmen, sagt Nasikkol.

Aber auch von der Politik brauchen die Unternehmen der Branche Unterstützung für die anstehende Transformation. So fordert die IG Metall, dass sich die Politik an den Kosten beteiligt und die nötige Infrastruktur bereitstellt, die eine Stahlproduktion, die auf Wasserstoff als Reduktionsmittel fußt, benötigt. Auch muss sie politische Rahmenbedingungen schaffen, die CO2-freien Stahl aus Deutschland ermöglichen, und den europäischen Markt vor mit hohen Emissionen verbundenen Stahl aus dem Ausland schützen.

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