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Bundesweiter Airbus-Aktionstag
Lautstarker Protest gegen Abbaupläne

Der Flugzeugbauer Airbus will 15 000 Stellen abbauen. Die Pläne des Managements treffen auf erbitterten Widerstand. Bei einem bundesweiten Aktionstag machten Hunderte Beschäftigte ihrem Ärger Luft – und setzen ein starkes Zeichen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.


Das Entsetzen ist groß, die Solidarität gewaltig: Bei einem bundesweiten Aktionstag an allen deutschen Standorten haben Hunderte Airbus-Beschäftigte lautstark und mit kreativen Aktionen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze protestiert.

An den Standorten in Hamburg, Bremen, Nordenham, Stade und Varel trafen sich Kolleginnen und Kollegen mittags vor dem Werkstor zu Kundgebungen. Mit dabei waren auch Delegationen weiterer Betriebe aus den Regionen sowie Vertreter und Vertreterinnen der Politik.

Am Airbus-Standort Hamburg-Finkenwerder standen 2000 Stühle als Zeichen des Protests gegen den geplanten Arbeitsplatzabbau vor dem Werkstor. Bei Premium Aerotec in Augsburg ließen Metallerinnen und Metaller Luftballons in den Himmel steigen und machten auf diese Weise ihren Protest gegen die Abbaupläne des Konzerns sichtbar. Wie berichtet, plant der Flugzeugbauer einen massiven Arbeitsplatzabbau. Insgesamt 15 000 Stellen will Airbus streichen. Gut 6000 davon in Deutschland.

Airbus-Aktionstag in Bremen: Foto: Carmen Jaspersen.

 

Irrfahrt stoppen

Für IG Metall, Betriebsräte und die Beschäftigten ist klar: Beim angekündigten Stellenabbau geht es mitnichten um die Bewältigung der durch die Corona-Pandemie verursachten Krise in der Luftfahrtbranche. Vielmehr steht beim Projekt mit dem vielsprechenden Titel „Odyssee“ (Irrfahrt) ein schon lange geplanter Komplettumbau des Unternehmens im Vordergrund.

Für Holger Junge ist das nicht hinnehmbar: „Die Absicht der Unternehmensleitung während einer vorübergehenden Ausnahmesituation tausende hoch qualifizierte Beschäftigte und ihre Familien im Stich zu lassen, ist absolut verantwortungslos“, sagt der Vorsitzender des Konzernbetriebsrats.


Völlig falsche Strategie

Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und für die Luft- und Raumfahrtbranche zuständig, sieht in dem von Airbus vorgelegten Sanierungsplan eine völlig falsche Strategie. Das Vorgehen des Konzerns sei kurzsichtig und gefährde auch die Zulieferer: „Die technologische und ökologische Erneuerung der Luftfahrt insbesondere mit Blick auf den A320-Nachfolger steht unmittelbar bevor. Weder Airbus noch die gesamte Luftfahrtbranche können sich angesichts einer solchen Herausforderung den Abbau tausender Fachkräfte leisten, die noch vor der Krise händeringend gesucht wurden“, stellt Kerner fest.

Mit seiner Ankündigung eines massiven Arbeitsplatzabbaus treibt Airbus nicht nur tausende Beschäftigte und ihre Familien in existentielle Sorgen, sondern verschärft mit dem geplanten Abbau zusätzlich auch das Ungleichgewicht zwischen Deutschland und Frankreich: Insgesamt, so der Plan der Konzernführung, sollen in Frankreich 4952 Stellen abgebaut werden, das sind 14 Prozent der dortigen Arbeitsplätze. In Deutschland hingegen will Airbus insgesamt 6040 Stellen streichen, was 22 Prozent der Arbeitsplätze im Land entspricht.


Deutliches Zeichen gesetzt

Mit dem bundesweiten Aktionstag haben die Beschäftigten nun deutlich gemacht, dass sie sich den Abbauplänen des Arbeitgebers nicht kampflos ergeben werden. „Wir werden nicht tatenlos dabei zusehen, wie das Unternehmen mit der Belegschaft im Schlepptau auf eine Irrfahrt geschickt wird“, sagt Holger Junge. „Massenentlassungen werden wir nicht hinnehmen.“

Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, betont: „Wir müssen alles tun, um die Menschen im Betrieb zu halten. Alles andere wäre verantwortungslos gegenüber den Beschäftigten und ihren Familien. Zudem brauchen wir das Fachpersonal, wenn die Auslastung wieder steigt.“


Es gibt Alternativen

Der bayerische Bezirksleiter der IG Metall, Johann Horn, ruft den Konzern auf, gemeinsam mit der IG Metall und den Betriebsräten Alternativen zum geplanten Stellenabbau zu finden. „Wir fordern Airbus und Premium Aerotec auf, betriebsbedingte Kündigungen klipp und klar auszuschließen, um die Beschäftigten in dieser schwierigen Zeit nicht noch mehr zu verunsichern.“

Jürgen Kerner erwartet von Airbus, die Abbaupläne einzukassieren und eine andere Route einzuschlagen: „Natürlich wollen wir am besten alle Beschäftigten halten. Betriebsbedingte Kündigungen müssen auf jeden Fall ausgeschlossen werden.“ Dafür zeigt die IG Metall Alternativen auf: „Wir sind zuversichtlich, dass es im Herbst gelingt, die Kurzarbeit in Deutschland auf 24 Monate zu verlängern, womöglich verknüpft mit Qualifizierungsprogrammen. Wir sind auch bereit, über eine kollektive Arbeitszeitverkürzung zu sprechen, nach dem Vorbild der 4-Tage-Woche bei Volkswagen.“ Das dürfe aber nicht zu Lasten von Beschäftigten gehen, wenn sie später doch ihren Arbeitsplatz verlieren. Falls nötig, sei auch ein Ventil nötig, mit dem ältere Arbeitnehmer eventuell früher in die Rente gehen können.

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