5000 Stellen sollen zusätzlich weg
IG Metall wehrt sich gegen thyssenkrupps neues Abbauprogramm

Industriekonzern thyssenkrupp will 5000 Stellen mehr streichen als bislang geplant. Die IG Metall lehnt das ab und fordert echte Lösungen sowie eine Staatsbeteiligung im Stahlbereich.


11 000 Stellen will thyssenkrupp abbauen. Das sind fast doppelt so viele, wie der Industriekonzern es vergangenes Jahr angekündigt hatte. Am Donnerstag, als thyssenkrupp seine Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr präsentierte, verkündete Konzernchefin Martina Merz: „Wir sind noch nicht da, wo wir hinmüssen. Die nächsten Schritte können schmerzhafter werden als die bisherigen. Wir werden sie dennoch gehen müssen.“ Schmerzhaft sollen die Schritte nach Plan der Vorstandsvorsitzenden vor allem für die Beschäftigten werden. Statt wie bisher geplant 6000, sollen nun also 11 000 den Konzern verlassen, geht es nach Merz. 3600 sind seit der ersten Ankündigung bereits verschwunden.


Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und IG Metall stemmen sich gegen den Stellenabbau

Für die Fehler, die der thyssenkrupp-Vorstand in der Vergangenheit gemacht hat, und für die Corona-Krise sollen jetzt also die Beschäftigten bluten. Das ist der IG Metall zu einfach! Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und Aufsichtsrat bei thyssenkrupp, betont: „Die jetzt bekannt gegebenen Pläne für weiteren Stellenabbau sind nicht mit der Arbeitnehmerseite vereinbart. Konzernweite Abbauprogramme lehnen wir ab. Vielmehr brauchen wir auf Ebene der Geschäfte Lösungsoptionen, die Investitionen in die Zukunft, nachhaltige Wirtschaftlichkeit, dezentrale Verantwortung und sichere Arbeitsplätze wieder ermöglichen. Kostenreduzierungen, die sich ausschließlich auf Personalabbau und Mitarbeiterbeiträge konzentrieren, sind kontraproduktiv.“ Daniela Jansen, Unternehmensbeauftragte der IG Metall für die thyssenkrupp AG, verdeutlicht dabei nochmal: „Wir machen die Tür generell nicht zu, aber wir gehen als Arbeitnehmerseite auch nicht in Vorleistung. Bevor es nicht ein industrielles Konzept gibt, das Investitionen in die Zukunft, nachhaltige Wirtschaftlichkeit, dezentrale Verantwortung und sichere Arbeitsplätze sichert, werden wir keinem Abbau zustimmen.“


Staat muss in der Stahlsparte einsteigen

Für die IG Metall ist klar: Jetzt ist Verantwortung auch außerhalb des Konzerns gefragt. Markt und Politik müssen unterstützend eingreifen. Insbesondere die Stahlerzeugung, aber auch der Automobilbereich, die Herstellung von Schiffen und von hochwertigen Schmiedeteilen und Wälzlagern für die Windindustrie gehören zu den Treibern für die politisch ausgerufene industrielle Transformation hin zur Klimaneutralität.

Der Weg dorthin ist für thyssenkrupp alleine nicht mehr zu stemmen. Es drohen soziale und wirtschaftliche Schäden. Jeder mit Verstand – und Herz – erkennt die Brisanz der momentanen Lage. Die Politik hat ihren Willen erklärt, sich für eine gute Zukunft von thyssenkrupp und seine Geschäfte und Kompetenzen einzusetzen. Jetzt muss sie ihren Worten Taten folgen lassen und beim Stahlbereich von thyssenkrupp einsteigen. Das wäre ein Vorgehen, das sich auch schon in der Vergangenheit bewährt hat. Die staatliche Beteiligung ist in der Stahlindustrie überhaupt nichts ungewöhnliches: Niedersachsen ist an der Salzgitter AG beteiligt, das Saarland war an Saarstahl beteiligt und hat seine Anteile in eine Stiftung überführt.


 


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