Airbus-Aktionstag
Airbus-Beschäftigte protestieren gegen geplante Zerschlagung des Konzerns

Airbus-Beschäftigte, Konzernbetriebsrat und IG Metall laufen Sturm gegen einen angekündigten umfassenden Produktionsumbau des Unternehmens. „Der Konzernumbau schwächt den Luftfahrtstandort Deutschland“, sagt Jürgen Kerner, Hauptkassierer und geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.


„Finger weg von unseren Standorten! Rote Karte für das Airbus-Management“: Unter diesem Motto haben IG Metall und Konzernbetriebsrat zu Betriebsversammlungen an allen deutschen Airbus-Standorten aufgerufen – und die Kolleginnen und Kollegen folgten dem Aufruf: Bei Kundgebungen und Betriebsversammlungen an den norddeutschen Standorten in Hamburg, Bremen und Stade sowie bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec in Nordenham und Varel sowie in Augsburg taten die Beschäftigten lautstark, mit Maske und Sicherheitsabstand, ihren Unmut gegen die Umbaupläne des Konzerns kund.

Gemeinsam protestierten sie gegen die Pläne des Flugzeugbauers, von denen gut 10 000 Beschäftigte direkt und sofort betroffen wären. „Ich habe hier aufgelöste Menschen vor mir stehen gehabt, das geht den Kolleginnen und Kollegen echt an die Nieren“, sagt Thomas Busch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Premium Aerotec.
 

Teile des Konzerns sollen zerschlagen werden

Mitte April hatte das Airbus-Management angekündigt, die Fertigung der zivilen Flugzeugstrukturfertigung in Deutschland und Frankreich umzubauen. Dazu sollen in den beiden Ländern jeweils neue Unternehmen gegründet werden. Geplant ist, wesentliche Teile des Konzerns zu zerschlagen und in zwei neue Gesellschaften auszulagern. In Deutschland soll ein Unternehmen entstehen, das die Aktivitäten des Airbus Standorts in Stade sowie die Strukturmontage in Hamburg mit denen der Konzerntochter Premium Aerotec in Nordenham, Bremen und teilweise in Augsburg zusammenführt.

Zudem soll eine Einheit gegründet werden, die sich auf die Fertigung von Einzelteilen und Kleinkomponenten konzentriert. Vom Management wird diese Einheit bewusst nicht als dauerhafter Bestandteil des Airbus- Konzerns gesehen. Den 3400 Beschäftigten, die hier arbeiten sollen, droht damit Perspektivlosigkeit und Ausverkauf.
 

Widerstand gegen die Spaltungspläne

„Airbus destabilisiert als größter europäischer Luftfahrtkonzern die ohnehin durch die Covid-19 Krise angeschlagene Branche“, sagt Jürgen Kerner, der im Vorstand der IG Metall zuständig ist für die Luftfahrt. „Da machen wir nicht mit.“ Und Holger Junge, Vorsitzender des Airbus-Konzernbetriebsrats betont: „Jetzt ist es an der Zeit, dass wir an allen Standorten gleichzeitig dem Management eine deutliche Absage erteilen. Wenn wir den aktuellen Spaltungsplänen keinen Widerstand entgegensetzen, könnte das die Blaupause sein für den gesamten Konzern.“

IG Metall und Konzernbetriebsrat sehen in dem angekündigten Konzernumbau eine Schwächung des Luftfahrtstandortes Deutschland. Die Gründung neuer Gesellschaften und die Spaltung von Standorten führe zu mehr Schnittstellen im Produktionsprozess, zu mehr Komplexität, mehr Bürokratie und mehr Kosten. Die IG Metall fürchtet auf längere Sicht, dass der Konzernumbau zu Verlagerungen von Teilen der Produktion in Billiglohnländer führt, zu Entgeltkürzungen für die Beschäftigten sowie zu einem Verkauf der ausgegründeten Unternehmensteile.
 

Befürchtungen wurden nicht entkräftet

Diese Befürchtungen konnte das Airbus-Management bei einem Treffen mit dem Europäischen Betriebsrates am Tag nach den bundesweiten Protesten nicht entkräften. Im Gegenteil: Trotz heftiger Kritik aus der Belegschaft hält der Flugzeugbauer an seinen Plänen für einen Umbau in der Fertigung fest. „Die Gründung von zwei neuen Unternehmen für die Flugzeugstruktur-Montage in Frankreich und Deutschland schreitet weiter voran“, teilte ein Airbus-Sprecher mit.

Aus Sicht der IG Metall muss die Bundesregierung die künftige Struktur des Flugzeugbauers Airbus zur Chefsache machen. „Wenn wir gegenüber Airbus und gegenüber Frankreich was erreichen wollen, dann ist die richtige Kragenweite das Kanzleramt. Unsere Erwartungshaltung ist, es muss am Schluss eine gemeinsame Abstimmung geben zwischen dem Kanzleramt und dem Elyseepalast.“, so Jürgen Kerner.

Der Hauptkassierer der IG Metall betont.: „Konstruktiven Gesprächen stehen wir jederzeit offen gegenüber.“ Die Zerschlagung und Abspaltung von Betrieben und ganzen Standorten werde man allerdings nicht akzeptieren. „Wir schließen Stand heute überhaupt keine Maßnahmen aus.“

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