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Für gute Arbeitsbedingungen bei Entwicklungsdienstleistern

High Quality - aber Low Cost?

20.01.2016 Ι Werkverträge müssen nicht schlecht sein: Seit 26 Jahren hat der Entwicklungsdienstleister IAV einen Tarifvertrag mit der IG Metall. Doch damit ist IAV eine Ausnahme. Oft geht es Unternehmen schlicht darum, hochqualifizierte Tätigkeiten billig einzukaufen. Ein Irrweg.

Beim Entwicklungsdienstleister IAV in Gifhorn entwickeln 3200 Beschäftigte Motoren - auch Elektro und Hybrid -, Getriebe, Elektronik, digitale Infrastruktur zum vernetzten Fahren und sogar ganze Autos für die Autoindustrie. IAV erhält dazu Aufträge von den Autobauern per Werkvertrag. Gifhorn ist der größte von sieben Standorten in Deutschland mit insgesamt 6500 Beschäftigten. Vor zehn Jahren waren es nicht einmal halb so viele. IAV kommt kaum nach mit dem Bauen von Bürogebäuden und Versuchsanlagen.

"Das liegt an der Qualität der Arbeit", meint Dietmar Brennecke von der IG Metall Wolfsburg, der Betriebsrat und Vertrauensleute bei IAV betreut. "Zudem entwickelt IAV selbstständig komplette Systeme, während andere Dienstleister oft nur Ingenieure an die Autobauer verleihen."


Die IAV-Betriebsräte Bäcker, Rochlitz, Irmler und Lukas mit IG Metall-Sekretär Brennecke (von links nach rechts) am Prototyp des Bugatti Veyron. Den 1001-PS-Flitzer haben IAV-Ingenieure in Gifhorn mitentwickelt. (Foto: Sebastian Priebe/regios24)


Die Konkurrenz verleiht - vor allem billiger. Sie zahlt Ingenieuren oft kaum mehr als 3000 Euro brutto im Monat - und lässt sie dafür rund um die Uhr arbeiten. "Das wird dort erwartet. Das erzählen uns viele Beschäftigte, die früher bei anderen Dienstleistern gearbeitet haben", meint Sabine Irmler, die Leiterin der IG Metall-Vertrauensleute bei IAV. "Kaum jemand bleibt dort länger als zwei Jahre."

Bei IAV läuft das anders: Seit 26 Jahren gibt es hier einen Tarifvertrag mit der IG Metall. Schon mit Bachelorsteigen Ingenieure hier mit fast 4000 Euro brutto ein und schnell auf. Die Arbeitszeit liegt bei 38 Wochenstunden. Seit Neuestem gibt es auch Altersteilzeit. Und ab 1. Januar einen Tarifvertrag für Studierende, der eine tarifliche Vergütung und die Übernahme garantiert. Davon hat auch die Firma etwas: Sie bindet frühzeitig Fachkräfte an sich.

Bei IAV bestimmen die Beschäftigten mit: Es gibt einen Betriebsrat und Vertrauensleute, die bei den Beschäftigten nachfragen. "Eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Leben", war der Top-Wunsch der letzten Umfrage. "Die Leute wollen ihre Arbeitszeit selbst bestimmen", erklärt der Betriebsratsvorsitzende Mark Bäcker. "Sie wollen mobil arbeiten oder die Arbeit unterbrechen, um ihr Kind aus der Kita abzuholen - und dafür dann früh morgens oder spät abends arbeiten, etwa um mit Kunden in Übersee zu telefonieren." Auch davon hat die Firma etwas. Bäcker und seine Kollegen wollen demnächst über eine neue Arbeitszeitregelung verhandeln.

Doch reibungslos ist das Verhältnis mit der Unternehmensleitung auch bei IAV nicht. "Natürlich heißt es immer wieder, wir sind zu teuer, wenn uns die Konkurrenz wieder einmal unterbietet", kritisiert Bäcker. Er und seine Kollegen fordern daher, dass die Autohersteller ihre Aufträge endlich verantwortungsvoller vergeben. Nicht an den billigsten - sondern nach Qualität und mit Tarif. Und sie unterstützen die Kampagne gegen den Missbrauch von Werkverträgen der IG Metall.

"Wir haben als IG Metall keineswegs etwas dagegen, wenn Unternehmen spezielle Aufgaben nach außen an Fremdfirmen vergeben. Aber die Bedingungen dort müssen stimmen", fordert Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall, die früher auch die Tarifverträge für IAV verhandelt hat. "High Quality und Low Cost-das passt nicht zusammen." Echte Innovation gibt es auf Dauer nur mit Respekt und Wertschätzung.

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Werner Bachmeier
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