Erfolgreiche Aktion der IG Metall
Belarussische Gewerkschafterin freigelassen

Zuletzt war sie lebensbedrohlich erkrankt und von den Haftbedingungen schwer gezeichnet. Jetzt wurde die Gewerkschafterin Palina Sharenda-Panasjuk auf internationalen Druck freigelassen. Die IG Metall hatte sich mit Unterschriftenaktionen für ihre Freilassung eingesetzt.


11. Februar 202511. 2. 2025


Die IG Metall hatte mit tausenden Unterschriften wiederholt die Freilassung der belarussischen Gewerkschafterin Palina Sharenda-Panasjuk gefordert. Auf Veranstaltungen zum 1. Mai  in den vergangenen zwei Jahren hatte die IG Metall mit einer Postkartenaktion Unterschriften für Palina gesammelt und an die belarussische Botschaft geschickt. 

Am 1. Februar 2025 kam die Mutter von zwei Kindern und führende Vertreterin der unabhängigen Gewerkschaft der Radioelektroniker (REP) endlich frei. Schwer gezeichnet von den üblen Haftbedingungen wurde Palina entlassen. „Das Schicksal von Palina zeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns für verfolgte Gewerkschafter weltweit einsetzen“, sagte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner. „Denn es gibt noch viele Fälle von Unrecht, wo Gewerkschafter Gewalt und Verfolgung ausgesetzt sind.“

 

Gesundheitszustand kritisch

Palina Sharenda-Panasjuk war seit vier Jahren Gewalt und schweren Repressalien im Gefängnis ausgesetzt.  2020 hatte sie mit anderen Vertretern der freien Gewerkschaften gegen die Wahlfälschungen in Belarus protestiert. Präsident Alexander Lukaschenka ist seit 1994 an der Macht. Sechsmal hat er seine Wiederwahl erreicht und dabei zunehmend manipulative Maßnahmen eingesetzt. Sein Regime hat viele Oppositionelle und Demonstrationsteilnehmer, darunter auch zahlreiche Gewerkschaftsvertreter wie Palina, verhaften und aburteilen lassen. 

Im Gefängnis musste Palina zeitweise auf dem blanken Zellenboden schlafen, weil ihr keine Matratze zugeteilt wurde. Viele Tage verbrachte sie in Isolationshaft. Eine Behandlung ihrer lebensbedrohlichen Bauchspeicheldrüsenerkrankung, die sich zusehends verschlimmerte, wurde ihr verweigert. Lediglich Schmerzmittel bekam sie zugestanden. Hinzu kam die Angst um ihre Familie. Seit ihrer Verhaftung hatte Palina ihren Mann Andrei und ihre Kinder nicht mehr gesehen. Auch ihr Mann saß 60 Tage in Haft. Er floh er mit den beiden Söhnen nach Litauen, wo viele belarussische Oppositionelle Zuflucht gefunden haben.

Ihren Widerstand gegen das Regime von Präsident Lukaschenka bündeln sie in der Menschenrechtsorganisation Viasna, die das Schicksal politischer Gefangener wie Palina dokumentieren. Viasna, die IG Metall und die Exilorganisation Salidarnast, die von geflüchteten Gewerkschaftern in Deutschland gegründet wurde, haben seit der Verhaftung Palinas nicht nachgelassen, ihe Freiheit zu fordern. Ihr Ehemann Andrei hatte immer wieder gewarnt, dass seine Frau die Haft nicht überleben würde, wenn Palinas Erkrankung nicht behandelt werden würde.

Nach Litauen ausgereist

Eine Woche nach ihrer Entlassung im Februar 2025 aus dem Straflager Saretschija bei Gomel konnte Palina jetzt nach Litauen ausreisen. Von ihren Unterstützern wurde sie bei der Ankunft in Vilnius mit Blumen überhäuft. Emotional überwältigt konnte sie ihren Mann und ihre Kinder wieder in die Arme schließen.

In Belarus und vielen anderen Ländern werden Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter verfolgt, weil sie für Recht und Demokratie eintreten. Durch Unterschriftenaktionen und internationale Solidarität geraten die Betroffenen nicht in Vergessenheit. Regime wie das in Belarus kommen unter Zugzwang. Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner kündigte zum 1. Mai dieses Jahr weitere Aktionen an, bei denen sich Metallerinnen und Metaller im Rahmen von „Gewerkschaftsfreiheit International“ für den Schutz von Gewerkschaftern vor Verfolgung und Gewalt einsetzen. „Gewerkschaftsfreiheit International“ ist eine Initiative der IG Metall in Kooperation mit Amnesty International.

Weiterführende Informationen: 

Palina Sharenda-Panasiuk released after four years in jail

Palina Sharenda-Panasiuk — Political prisoners in Belarus

igmetall-sprockhoevel.de/verfolgte-gewerkschafterinnen/

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