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Tarifvertrag bei Logistik-Dienstleister Walter Schmitt
So geht's: Tarifvertrag trotz Corona

Erstmals Tarif mit mehr Geld, mehr Urlaub und mehr Freizeit beim Kontraktlogistik-Dienstleister Walter Schmitt im badischen Bietigheim: Trotz Corona hat die Verhandlungskommission der IG Metall einen Tarifvertrag ausgehandelt. Schmitt liefert LKW-Achsen und -Getriebe für Daimler von Werk zu Werk.


Trotz Corona hat die IG Metall erstmals einen Tarifvertrag beim Kontraktlogistik-Dienstleister Walter Schmitt im badischen Bietigheim durchgesetzt. Trotz wirtschaftlich schwieriger Lage steigen die Entgelte – zunächst um 1,25 Prozent, im nächsten Jahr um ein weiteres Prozent. Die Arbeitszeit sinkt bis 2023 von 40 auf 39 Stunden. Und der Urlaub wird bis 2023 schrittweise von 26 auf 30 Tage im Jahr verlängert. Zudem gibt es ab nächstem Jahr Weihnachtsgeld und ab 2022 dann auch ein zusätzliches „Sommergeld“ von 150 Euro.

Die Walter Schmitt GmbH hat rund 200 Beschäftigte ist im Wesentlichen Dienstleister von Daimler und übernimmt unter anderem den Transport von LKW-Achsen und -Getrieben zwischen den Mercedes-Werken Gaggenau, dem Werksteil Rastatt und Wörth.

Anders als bei vielen anderen Kontraktlogistik-Dienstleister gilt der neue Tarifvertrag bei Schmitt nicht nur für die Beschäftigten im Lager, sondern auch für die LKW-Fahrer. Andere Kontraktlogistiker gliedern ihre LKW-Fahrer in Subfirmen aus – reine Logistik- oder Speditionsbetriebe, für die die IG Metall dann nicht mehr zuständig ist - und kaufen sie dann per Werkvertrag oder per Leiharbeit wieder ein. Schmitt jedoch wendet diesen Trick nicht an. Die LKW-Fahrer sind direkt im Unternehmen angestellt und fallen somit auch unter den Tarifvertrag der IG Metall.

 

Die Beschäftigten vom Kontraktlogistiker Walter Schmitt haben sich einen Tarifvertrag erkämpft – trotz Corona. (Foto: IG Metall)

 

Arbeitgeber sieht Tarifvertrag als Qualitätsmerkmal

„Einige von uns hatten zehn, zwölf Jahren keine Lohnerhöhung mehr. Andere wiederum bekamen doch mal etwas drauf. Der Tarifvertrag bringt nun endlich Gerechtigkeit für alle“, erklärt LKW-Fahrer und Betriebsrat Alexander Traxinger. Er ist auch Mitglied der IG Metall-Verhandlungskommission, die der Geschäftsführung gegenübersaß. „Das Verhandlungsergebnis haben wir bereits Anfang März noch vor der Corona-Krise erzielt. Doch trotz der schwierigen Lage hat unser Arbeitgeber Wort gehalten – und setzt den Tarifvertrag nun um.“

Anfangs war die Geschäftsführung noch gegen einen Tarifvertrag. Der Schmitt macht lieber zu, als dass er die Gewerkschaft reinlässt, hieß es. Doch mittlerweile sieht die Geschäftsführung den Tarifvertrag mit der IG Metall quasi als Qualitätsmerkmal.

„Da wir uns als Qualitäts-Anbieter verstehen, konnten wir uns trotz der schwierigen Situation mit der IG Metall auf einen Tarifvertrag einigen“, bekräftigt geschäftsführender Gesellschafter Rainer Schmitt.


Erster Kontakt zwischen Beschäftigten und IG Metall bereits 2016

Der Weg zum Tarifvertrag bei Walter Schmitt begann 2016. Astrid Haack von der IG Metall Gaggenau kam mit LKW-Fahrern auf dem Mercedes-Werksgelände in Rastatt ins Gespräch. Es folgten geheime Treffen in Kneipen und in der IG Metall-Geschäftsstelle in Gaggenau. Immer mehr Beschäftigte, damals vor allem noch LKW-Fahrer, traten in die IG Metall ein. Ende 2017 wählten sie erstmals einen Betriebsrat – und Mitte 2019 dann eine Tarifkommission, die Forderungen für den Tarifvertrag beschloss und dem Arbeitgeber übermittelte. Die Beschäftigten machten mit Aktionen dafür Druck, bei der Arbeit trugen sie Westen mit Aufklebern der IG Metall, die IG Metall kam mit ihrer Roadshow und einem Infotruck bei ihnen vorbei.

In den drei Verhandlungsrunden ging erst mal nichts voran, erinnert sich Traxinger, doch in der vierten Runde gelang dann der Durchbruch. Jetzt ist der Tarifvertrag unterzeichnet. Er tritt ab September im Kraft. Während andere Arbeitgeber Corona nutzen, um Sparprogramm durchzudrücken, zahlt Walter Schmitt sogar mehr – und das als Dienstleister mit Werkvertrag, was in der Regel gedeckelte Zahlungen durch den Kunden (in diesem Fall Daimler) und damit wenig finanziellen Spielraum bedeutet.


IG Metall Gaggenau will Tarife für alle Logistiker in der Region

"Es ist ein richtig positives Beispiel, wie auch in wirtschaftlich nicht so einfachen Zeiten mit Beschäftigung umgegangen wird", meint Verhandlungsführerin Claudia Peter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau. Ein LKW-Fahrer bei Walter Schmitt bekommt mittlerweile mehr als 2500 Euro brutto im Monat, ein Staplerfahrer über 2300 Euro.

Allerdings hat Schmitt bereits 2018, schon vor dem Tarifabschluss, erstmals die Löhne erhöht.

„Das lag nicht zuletzt daran, dass wir auch bei anderen Kontraktlogistikern rund um die Benz-Werke in Gaggenau und Rastatt Tarifverträge durchsetzen“, erklärt Astrid Haack von IG Metall Gaggenau. „Wenn Du da als Arbeitgeber zu wenig zahlst, dann wandern Beschäftigte einfach zu anderen Dienstleistern ab, etwa zu Seifert, wo wir bereits vor vier Jahren Tarifverträge durchgesetzt haben.“

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