Ab dem 1. Juli wird bei der Bosig Baukunststoffe GmbH in Elsterwerda für 16 Wochen im Vierschicht- statt im Dreischichtsystem gearbeitet. Für dieses Entgegenkommen gegenüber der Geschäftsführung hat der Betriebsrat zahlreiche Verbesserungen für die Kolleginnen und Kollegen erreichen können, die noch vor einem Jahr nicht durchsetzbar schienen.
Bosig ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig starke Betriebsräte zur Durchsetzung berechtigter Interessen der Beschäftigten sind.
Nach einer längeren Vorbereitungsphase gibt es seit etwa einem Jahr einen Betriebsrat bei Bosig Baukunststoffe. Vorsitzender des Betriebsrats ist Jens Zelle. Er erläutert im Folgenden die Verhandlungsergebnisse:
„Aufgrund der guten Auftragslage war die Geschäftsführung mit dem Anliegen an den Betriebsrat herangetreten, vom Dreischichtbetrieb von Montag bis Freitag auf einen Vierschichtbetrieb umzusteigen, damit die Produktionsanlagen auch am Wochenende laufen können. Hier im Werk produzieren wir hauptsächlich Polyurethanplatten für den Möbel- und Türrahmenbau. Für unser Ja zur Einführung des Vierschichtsystems haben wir spürbare Verbesserungen für unsere Kolleginnen und Kollegen durchsetzen können. 40 der etwa 150 Beschäftigten werden in den kommenden 16 Wochen im Vierschichtsystem arbeiten. Die Geschäftsführung wollte eine unbefristete Laufzeit, das haben wir jedoch abgelehnt.
In der Betriebsvereinbarung zum Schichtsystemwechsel wurde festgeschrieben, dass die Kollegen für Arbeitseinsätze an Samstagen 30 Euro netto zusätzlich erhalten, und für Einsätze an Sonntagen 60 Euro netto mehr. Außerdem erhält jeder Schichtwechsler einen zusätzlichen Tag Sonderurlaub. Außerdem musste die Geschäftsführung garantieren, dass an jeder Produktionsanlage immer zwei Beschäftigte arbeiten, andernfalls wird die Anlage nicht gefahren. Sollte auch nur eine der vereinbarten Bedingungen seitens des Arbeitgebers nicht erfüllt werden, hat der Betriebsrat das Recht, die Betriebsvereinbarung einseitig zu kündigen. Im Rahmen der Verhandlungen haben wir außerdem durchgesetzt, dass die Betriebsvereinbarung „Urlaub“ konsequent umgesetzt wird, sprich jeder Beschäftigte 30 Tage Urlaub im Jahr erhält. In Folge der Ausweitung der Produktion wurden auch bereits neue Kollegen eingestellt.
Seit wir hier einen Betriebsrat haben, habe ich den Eindruck, dass die Vorgesetzten uns Beschäftigte mehr schätzen und dass der Umgangston freundlicher geworden ist. Von den Beschäftigten in der Produktion sind mehr als zwei Drittel IG Metall-Mitglieder. Dieser hohe Organisationsgrad stärkt unsere Position bei Verhandlungen mit der Geschäftsführung erheblich. So konnten wir als ersten Schritt zum Beispiel eine Betriebsvereinbarung zur Rahmenarbeitszeit umsetzen, in der für die Beschäftigten verbindlich festgelegt wird, in welcher Schichtgruppe sie wann arbeiten. Arbeitseinsätze auf Zuruf, wie es sie früher manchmal gab, sind nun nicht mehr möglich. Unsere Erfolge bestärken uns, uns auch in Zukunft für weitere Verbesserungen unserer Arbeitsbedingungen einzusetzen.
Die Unterstützung durch die IG Metall ist dabei eine große Hilfe für uns.“
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