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Vereint nach vorne

Mit einer Sozialcharta will der Stiftehersteller Faber-Castell weltweit Vorreiter beim Schutz von Beschäftigten sein. Bei ihrem ersten globalen Treffen in Bayern haben jetzt internationale Gewerkschafter den Faktencheck gemacht.


Kräftig schüttelt Suraj Naik seinen Kopf. Doch das heißt auf Indisch: große Freude! Denn dieses Stück Papier mit den Unterschriften von allen und dieses Treffen hier in Stein bei Nürnberg hilft seinen Kollegen von Faber-Castell gehörig weiter.


Vorwärts durch Vernetzung

Über 500 Menschen beschäftigt das Unternehmen im indischen Goa, woher Gewerkschafter Suraj angereist ist. Nur 28 der Beschäftigten dort sind fest angestellt, der Rest ist eine Art Tagelöhner. Jeden Tag besteht für sie die Unsicherheit, morgen auf der Straße zu stehen. „Es wäre für alle besser und das Unternehmen wäre erfolgreicher, wenn mehr Menschen fest angestellt würden“, ist Suraj Naik überzeugt.

Hier in Stein bei Nürnberg in der Faber-Castell-Zentrale ist der richtige Ort, das in Angriff zu nehmen: Bei ihrem ersten globalen Treffen von Betriebsräten und Gewerkschaftern aus Brasilien, Indien, Indonesien, Malaysia, Peru, Österreich und Deutschland – alles Länder, in denen das Unternehmen Standorte hat. Sie alle haben Anfang Oktober hier eine Solidaritätserklärung für Indien unterschrieben: gegen prekäre Arbeit und für Verantwortung des Unternehmens. Und diese Unterstützung ist wertvoll für Suraj und seine Kollegen.


 

Respekt und Solidarität: Auf dem Werksgelände von Faber-Castell demonstrieren die Beschäftigten aus aller Welt den Wert von Zusammenhalt. (Foto: IG Metall/Andreas Gummerer)


Sozialcharta schützt

Seit dem Jahr 2000 verpflichtet sich Faber-Castell in einer Vereinbarung mit der IG Metall, seine Beschäftigten weltweit zu schützen und Mindeststandards wie beim Arbeits- und Gesundheitsschutz oder das Verbot von Kinderarbeit einzuhalten. Kurzum: Sie soll den sozialen Fortschritt in den Ländern befördern.

Doch die Buchstaben des Vertrags allein helfen den Faber-Castell-Beschäftigten noch nicht. „Es ist nicht überall in den Werken so rosig, weil die Sozialcharta dort nicht so einen hohen Stellenwert wie hier im Headquarter hat“, erklärt Faber-Castell-Gesamtbetriebsrat Stefan Hübner. Deshalb brauche es die Kontrolle durch die Gewerkschaft.


Aus Lima gelernt

Gezeigt hat sich das etwa 2016 im peruanischen Lima: Da hatten Beschäftigte eine Betriebsgewerkschaft gegründet. Prompt verlängerte das Unternehmen ihre Verträge nicht – obwohl die Sozialcharta gerade auch Aktivitäten in der Gewerkschaft unter Schutz stellt. Nach internationalem Protest stellte das Unternehmen sie wieder ein: unbefristet! „Die Sozialcharta sowie die IG Metall haben uns dabei sehr geholfen“, sagt der peruanische Gewerkschafter José Morales.

Mit dem befriedeten Konflikt ist Lima für Faber-Castell-Personalchef René Günzel heute sogar ein Vorzeige-Standort. Von Erste-Hilfe-Schulungen über Einrichtungen für mehr Arbeitssicherheit bis hin zu Krediten, Firmen-Feiertagen und Frühstück für die überwiegend weiblichen Arbeiter, die teilweise um 2 Uhr nachts zu ihrer Arbeit aufbrechen müssen, zeigt sich das Unternehmen dort von seiner sozialen Seite. Die Sozialcharta sorgte dafür, Vertrauen zwischen Management und Gewerkschaft aufzubauen.


Gegenseitige Hilfe

Möglich ist das aber auch, weil vor allem die Gewerkschaften genau hinsehen und Druck machen: Bei internationalen Sozial-Audits kontrollieren sie Fortschritte vor Ort: Ist das Asbest-Dach wirklich erneuert? Wie steht es mit der Hitze am Arbeitsplatz? Welchen Lohn erhalten die Beschäftigten tatsächlich?

Sozialcharta-Kontrolleur Klaus-Dieter Winnerlein von der IG Metall Westmittelfranken hat da durchwachsene Erfahrungen gemacht: „In Kolumbien erzählten uns die Manager, das Unternehmen bezahle je nach Betriebszugehörigkeit oder Erfahrung. Als ich dann bei den Beschäftigten nachfragte, bekam ich aber von den weiblichen gewerblichen Beschäftigten nur die Antwort: ›Mindestlohn.‹“ Das bedeutet: 282 Dollar.

Aber auch den Beschäftigten in Deutschland kommt der internationale Blick zugute, der hierzulande zum Ansporn wird. Winnerlein erzählt: „Teilweise sind technische Fortschritte wie beim ergonomischen Arbeiten in Südamerika schneller umgesetzt als bei uns.“

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