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Corona-Schutz der besonderen Art

Auch viele Metallerinnen und Metaller zählen zu den Helden des Alltags, denn sie halten den Betrieb am Laufen.

1. Mai 20201. 5. 2020
Christoph Böckmann


Corona bedroht Gesundheit und Leben – aber auch Betriebe und Arbeitsplätze. Ohne die Helden des Alltags würden das gesellschaftliche Leben und die Wirtschaft zusammenbrechen: Polizistinnen, Krankenpfleger, Supermarktkassiererinnen. Häufig vergessen wir bei dieser Aufzählung die vielen Beschäftigten der Industrie, die Maschinen am Laufen halten, Aufzüge warten, die Energieversorgung sicherstellen oder dafür sorgen, dass der Hochofen nicht ausgeht.

Besonders gefordert sind beispielsweise gerade die Beschäftigten der Stahlindustrie. Das Paradox: Damit nicht die komplette Mannschaft im Betrieb sein muss und ­wegen der vielerorts schwachen Nachfrage, fahren viele Hersteller die Produktion auf das Minimum herunter. Doch um die Produktion in einem Stahlwerk herunterzufahren, braucht es vorübergehend mehr Beschäftigte als im Normalbetrieb. Darum erinnern die Betriebsräte der Branche umso mehr daran, die ­Abstandsregeln einzuhalten. Sie bedanken sich aber auch bei ihren Kolleginnen und Kollegen in den betroffenen Bereichen. Denn ohne deren Einsatz könnten die Hütten nicht überleben und Arbeitsplätze verschwänden.

Die Kolleginnen und Kollegen müssen gerade jetzt ranklotzen, weil Stahl für die industriellen Wertschöpfungsketten unverzichtbar ist und man bei den Hochöfen nicht einfach aufs Stoppknöpfchen drücken und alle Beschäftigten nach Hause schicken kann. Es beginnt bei der Kokerei, in der Kokskohle gewonnen wird, die man für die Stahlproduktion als Reduktionsmittel benötigt. Sie muss durchgängig in Betrieb sein. Denn wenn man sie herunterfährt, erkaltet die Feuerfestauskleidung und sie muss erneuert werden. Das kostet schnell einen dreistelligen Millionenbetrag. Auch einen Hochofen abzustellen ist kritisch. Denn es besteht ebenfalls die Gefahr, dass das Feuerfestmaterial beschädigt wird und ausgetauscht werden muss.

Neben Geld spielt auch Zeit eine Rolle. Denn nicht nur das Herunterfahren ist schwierig. Auch das Wiederhochfahren ist kompliziert und langwierig. Mehrere Monate dauert es. So sind die meisten Hütten gezwungen, zumindest einen Teil ihrer Produktion am Laufen zu halten. Damit sichern sie ihr Überleben, erhalten Arbeitsplätze und gewährleisten die Versorgungssicherheit für viele Industriebetriebe.

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