Am Fieberthermometer kommt niemand vorbei beim Betreten des Firmengeländes bei Crown in Seesen. Dann folgt das Hände desinfizieren und die Ausstattung mit der vorgeschriebenen Schutzkleidung: Maske, Kittel und Kopfbedeckung.
Als Hersteller von Dosen für die Lebensmittelindustrie waren die Hygienebedingungen auch vor Corona hoch. Doch in der Pandemie haben Betriebsrat und Werkleitung die Vorschriften weiter verschärft. Der Konzern hat Regeln auf Grundlage der Vorschriften des Robert-Koch-Instituts erstellt. „Wir haben zudem die Bedingungen am Standort Seesen analysiert und gezielte Maßnahmen mit der Geschäftsleitung vereinbart“, berichtet Betriebsratsvorsitzender Dirk Schulz.
Seitdem gilt, dass jeder mindestens eineinhalb, besser noch zwei Meter Abstand halten soll, die Arbeitszeiten sind versetzt und wer kann, ist im Homeoffice. In der Produktion wurden die Duschräume und die Kantine geschlossen. Ein Brötchenservice stellt sicher, dass die Belegschaft versorgt wird. Pro Gruppe geht einer für alle einkaufen. Der persönliche Kontakt wurde auf ein Minimum reduziert.
Es hat einen Coronafall nach einem Urlaub gegeben. Schulz: „Unsere Maßnahmen haben sofort gegriffen. Die Gruppe von zehn Beschäftigten wurde isoliert und in Quarantäne geschickt.“
„Die Kolleginnen und Kollegen sind sehr sorgsam, halten sich an die Regeln und arbeiten absolut flexibel, um die Produktion sicherzustellen“, so Marcus Golis. Der Betriebsrat hat das Logo für die Corona-Informationen im Betrieb entwickelt. Das Logo hat die Geschäftsleitung aufgegriffen und eine „Dankeschön-Karte“ mit Süßigkeiten zusammen mit dem Betriebsrat verteilt.
Bei Crown in Seesen wird Mitbestimmung gemeinsam gestaltet. So treffen sich Betriebsrat, Personal- und Werkleitung alle 14 Tage, um die Maßnahmen zu kontrollieren und bei Bedarf anzupassen. Sollte kurzfristig Handlungsbedarf entstehen, sind die Akteure über eine WhatsApp-Gruppe vernetzt. „Corona läuft inzwischen als Bestandteil der Gespräche“, so Schulz. „Wir fokussieren uns bereits auf die Zukunft.“
Ein Schritt dazu war der Tarifabschluss der Feinstblechpackungsindustrie. Mit diesem Solidartarifvertrag hat die IG Metall mit den Arbeitgebern gute Regelungen vereinbart. Schulz war mit in der Verhandlungskommission: „Wir haben mit den zusätzlichen 14 freien Tagen für die Kinderbetreuung und dem Härtefalltopf unsere vorhandene Aufstockungsregelung von 90 Prozent des Nettoentgelts in der Kurzarbeit noch weiter verbessert.“ Der Arbeitgeber zahlt 580 Euro pro Beschäftigten in den Härtefalltopf. Mittel, die bis Ende 2020 nicht verwendet wurden, werden an die Beschäftigten ausgezahlt.
Im Herbst 2020 wollen IG Metall, Betriebsrat und die Geschäftsleitung Gespräche aufnehmen, um gemeinsam Zukunftsperspektiven für den Standort zu entwickeln, denn Ende des Jahres läuft der Zukunftstarifvertrag aus.
Schulz: „Wir haben uns als deutscher Standort in der Krise als verlässlicher Partner im Konzern bewährt und damit unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöht.“
Fotos: Heiko Stumpe, Annette Vogelsang Betriebsrat Marcus Golis (links) und Betriebsratsvorsitzender Dirk Schulz: Mitbestimmung in der Krise gestalten. Golis hat das Logo „Stay Safe“ für alle Informationen zu Corona entwickelt.
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