Bericht aus Geschäftsstelle BerlinIm Sommerinterview spricht Irene Schulz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, über Berlin, Tesla und härtere Zeiten.
Irene, Du warst viele Jahre in der IG Metall Berlin aktiv, kennst die Betriebe. Wie kommen unsere Berliner Betriebe aus der Corona-Krise?
Was uns in Berlin hilft, ist die differenzierte Industriestruktur. Wir sind nicht auf eine Branche fixiert, wir haben Maschinenbau, Elektro- und Automobilindustrie und viel Handwerk. Das ist jetzt deutlich besser, als von einer Branche abhängig zu sein.
Wie ist Dein Blick auf die IG Metall Berlin in Corona-Zeiten?
Ich kenne viele Betriebsräte, die einen richtig guten Job machen und sich unglaublich schnell in die Fragen rund um Corona eingearbeitet haben. Wir haben eine exzellente Geschäftsstelle mit einer gut funktionierenden Vertrauensleute-Struktur in den Betrieben. Ich bin also sehr zuversichtlich, dass hier in Berlin stark gegengehalten wird, damit die Krise in Berlin nicht auf Kosten der Beschäftigten ausgetragen wird.
Wie sieht die industrielle Zukunft für Berlin aus?
Wir haben industrielle Zukunftsprojekte wie Siemens 2.0, Innovation-Labs großer Unternehmen und neue Startups. Und wir haben traditionsreiche Unternehmen, die sich technologisch – auch mit Beteiligung der Betriebsräte – gut aufgestellt haben. Darin steckt eine Menge Zukunft.
Meinst Du damit auch Tesla und das geplante Innovationszentrum?
Natürlich, die Produktion vor den Türen Berlins und das geplante Innovationszentrum mitten in Berlin sind sehr willkommene Investitionen.
Wie gehen wir als IG Metall Tesla an?
Der Arbeitgeber hat ja nicht den Ruf, sich mit Gewerkschaften an einen Tisch zu setzen, das wird er lernen müssen. Da sind unsere Kollegen im Bezirk ja jetzt schon sehr aktiv. Wir werden bei Tesla beschäftigungspolitische Standards einziehen müssen.
Worauf müssen wir uns als IG Metall in den kommenden Monaten einstellen?
Die Auseinandersetzungen werden härter werden. Vor diesem Hintergrund beschäftigen wir uns mit den für uns entscheidenden Fragen, wie wir Beschäftigung, Einkommen, und nachhaltige Innovation sichern.
In unserer wichtigsten Branche, der Automobilindustrie, stehen die Zeichen auf Sturm.
90 Prozent der Beschäftigten in der Antriebsproduktion arbeiten am Verbrennermotor. Wir wollen die soziale und ökologische Transformation. Dafür brauchen wir Tempo bei der Ladeinfrastruktur und Energiepolitik und gleichzeitig Zeit, um alle mitzunehmen. Wir werden in den nächsten Monaten sehen, wie das Konjunkturpaket auf das Thema Beschäftigung wirkt. Eine Lehre aus der Krise ist: Der Markt alleine wird es nicht richten.
Wir fahren ja alle gerade auf Sicht: Wie geht es in den kommenden Monaten weiter?
Wir müssen die Sommermonate nutzen, um uns für den Herbst aufzustellen. Wir stellen uns darauf ein, dass angesichts von Produktionsrückgängen Investitionen an den Standorten auf den Prüfstand kommen. Das wäre falsch und darf vor allem nicht auf Kosten der Beschäftigten gehen. Sollte es so sein, wird es Ärger geben.
Irene Schulz ist seit 2013 geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und dort zuständig für gewerkschaftliche Bildungsarbeit, Kampagnen und Erschließung sowie Bildungszentren. Die 56-jährige Politologin hat vorher mehr als 20 Jahre in Berlin gearbeitet, davon 9 Jahre in der Berliner Geschäftsstelle und der Bezirksleitung.
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