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Warum Weiterbildung allen nutzt

"Ohne Bildung läuft nichts"

17.02.2015 Ι Die IG Metall fordert in der Metall-Tarifrunde eine Bildungsteilzeit. Auch damit es für die Beschäftigten einfacher wird, sich ein Leben lang zu qualifizieren. Das kann man zwar jetzt auch schon - doch die Belastungen für die Beschäftigten sind hoch. Daher will die IG Metall tariflich klare Regeln schaffen.

Weiterbilden? Na klar, sagen viele. Die Beschäftigten wissen um die Bedeutung von Weiterbildung. Die einen wollen einen Schulabschluss nachholen oder den Meister, Techniker oder technischen Betriebswirt machen. Doch wenn es darum geht, diesen Wunsch auch in die Tat umzusetzen, zeigen sich Hindernisse. 

 

Nicht stehen bleiben

Weniger Zeit und Geld - das bremst viele Arbeitnehmer beim Thema Weiterbildung aus. Dass sich Sonja Kiefer, Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) bei Mercedes Benz in Rastatt, trotzdem kurz nach ihrer Abschlussprüfung als KFZ-Mechatronikerin entschieden hat, noch mal die Schulbank zu drücken, liegt auch daran, dass sie nicht auf dem Stand stehen bleiben will. Die 21-Jährige besucht die Industrie-Meisterschule. Sie ist überzeugt davon, dass viele junge Menschen genauso denken.


Doch Kiefer kritisiert das mangelnde Engagement der Arbeitgeber und der Politik. "Ohne Bildung läuft nichts! Nur gibt es hierfür viel zu wenig Unterstützung seitens der Arbeitgeber und des Gesetzgebers". Im Interview mit der IG Metall Gaggenau berichtet sie von ihren persönlichen Belastungen: "Die Miete meiner Wohnung muss bezahlt werden, mein Fahrzeug - das Motorrad - eher billig im Unterhalt, kostet dennoch Geld. Außerdem gibt es noch ein Privatleben... Hinzu kommt, dass für die Schule beziehungsweise für Prüfungswochen und spezielle Seminare auch noch ein Teil meiner Urlaubstage drauf geht".



 

Viel Zeit, das investiert auch Tobias Wieber, JAV-Vorsitzender bei Maquet in Gaggenau. Zuerst hat Wieber bei Maquet eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht. Nachdem er dreieinhalb Jahre in der Produktion gearbeitet hat, wollte er sich weiterbilden. Nun macht er eine weitere Ausbildung zum Produktdesigner. "Ich wollte einfach kreativer tätig sein, mehr Abwechslung, weiterkommen, wollte mich im wahrsten Sinne des Wortes "qualifizieren", sagt Wieber. Er freut sich, dass sein Arbeitgeber ihm keine Steine in den Weg gelegt hat. Beschäftigte, die bei Maquet nach der Ausbildung noch ein berufsbezogenes Studium dranhängen wollen, werden vom Arbeitgeber unterstützt. Das gilt jedoch nicht immer. Bei externen Weiterbildungen sind die Mitarbeiter häufig von die Zustimmung der Vorgesetzten abhängig. "Es fehlen klare Regelungen, es gibt zu viele Widersprüche", erklärt Wieber.


In einigen Regionen gelten Tarifverträge, die den Beschäftigten einen Anspruch auf Weiterbildung sichern. In Baden-Württemberg ist das der "Tarifvertrag Qualifizierung" ("TV Quali") Dort können sich Beschäftigte bis zu fünf Jahre in Teilzeit, aber auch in Vollzeit weiterbilden - und haben im Anschluss ein Recht auf Wiedereinstellung. Doch jeder muss sich die Auszeit selbst finanzieren und das ist bislang die größte Hürde.

Neue Perspektiven

Bildung darf nicht allein wirtschaftlichen Interessen dienen. Daher fordert die IG Metall in der nächsten Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie eine Bildungsteilzeit. Dazu gehören klare Regeln, damit Qualifizierung möglich wird. Dass es ohne nicht geht, das sagen zwar auch viele Arbeitgeber. Doch die meisten Unternehmen wollen eine Qualifizierung nach ihrem Wunsch. Dabei eröffnet Weiterbildung nicht nur den Beschäftigten neue Perspektiven. Sie leistet auch einen Beitrag zur Fachkräftesicherung. "Eigentlich ist es völlig unverständlich, warum die Arbeitgeber nicht mehr für die Förderung der Qualifizierten unternehmen, das müsste doch in ihrem Interesse sein", stellt Sonja Kiefer fest.   

Tarif

Lohn, Gehalt und mehr.

Links und Zusatzinformationen
Meist fehlen Zeit, Geld oder Möglichkeit

45 Prozent
aller Beschäftigten würden sich gern beruflich entwickeln. Aber um eine Auszeit von der Arbeit dafür zu nehmen, fehlt ihnen das Geld.

57 Prozent
aller Berufstätigen beklagen, dass ihr Betrieb ihnen nicht genug Möglichkeiten bietet, sich weiterzubilden. Am häufigsten bemängeln das junge Leute unter 35 Jahren, Angelernte, Schichtarbeiter und Facharbeiter.

47 Prozent
aller Männer und Frauen in den Betrieben sagen, der Arbeitsdruck lasse ihnen keine Zeit, sich weiterzubilden.

70 Prozent
aller Arbeitnehmerinnen und Arbeit- nehmer unter 35 Jahren sagen, sie müssen sich für ihre Arbeit in Zukunft weiterbilden.

93 Prozent
halten es für wichtig, sich im Betrieb weiterbilden zu können, um bis zur Rente gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Quelle: Beschäftigtenbefragung 2013
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