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Mahle will 7600 Stellen streichen
„Wir wollen Übergang, nicht Niedergang“

Autozulieferer Mahle will sein Sparprogramm verschärfen. Die IG Metall betont, dass es auch ohne Entlassungen gehen muss, denn die Tarifverträge bieten genügend Alternativen. Auch sollen die Beschäftigten nicht ausbaden müssen, dass die Geschäftsführung ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat.


Und jetzt auch noch Mahle. Was Continental, Schaeffler und viele andere Zulieferer vorgemacht haben, will nun auch der Stuttgarter Autozulieferer durchziehen: Er will sein Sparprogramm verschärfen. 7600 Arbeitsplätze will das Unternehmen unterm Strich weltweit abbauen, rund 2000 davon in Deutschland. „Wir haben es mit einer Krise zu tun, wie wir sie noch nicht erlebt haben“, sagt Mahle-Chef Jörg Stratmann. Gerade jetzt sei es wichtig, die Anstrengungen zur Kostensenkung konsequent fortzusetzen. Der Konzern erläutert: Die Corona-Pandemie sei nicht die Ursache der nun verkündeten Maßnahmen, aber natürlich wirke sie beschleunigend.

Doch was steckt hinter dem Floskelgedresche der Konzernführung? Offensichtlich geht die Mahle-Geschäftsführung davon aus, dass die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor noch zu groß ist, als dass es für die Weiterbeschäftigung aller Mitarbeiter reicht. Dabei mahnen die Arbeitnehmervertreter und die IG Metall seit Jahren einen schnelleren technologischen Wandel an, um eine Zukunftsperspektive zu schaffen, statt auf Abbau- und Verlagerungsprogramme zu setzen. Doch die Geschäftsführungen hat bislang alle Mahnungen in den Wind geschlagen und holt dagegen ihre einfallslosen Konzepte aus der Mottenkiste, statt eine strategische Weiterentwicklung des Unternehmens anzustoßen und somit auch den Beschäftigten gute Perspektiven zu bieten.

Das Unternehmen fährt seit 2018 einen strikten Sparkurs und hat im Zuge dessen weltweit 6700 Stellen abgebaut. Derzeit hat Mahle weltweit noch 72 000 Beschäftigte, davon 12 000 in Deutschland. Und nun soll jeder sechste Arbeitsplatz im Bundesgebiet verschwinden. Wo die Zukunft liegt, diese Antworten ist man auf Arbeitgeberseite bislang schuldig geblieben.


Mahle-Geschäftsführung hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht

Die Entscheidung von Mahle ist aus Arbeitnehmersicht umso unverständlicher, wenn man einen Blick in die bereits 2016 verhandelte Zukunfts-und Beschäftigungssicherung wirft. Denn dort wurde explizit schriftlich festgehalten, dass innerhalb der Laufzeit Zukunftskonzepte für alle deutschen Standorte zu entwickeln sind. Diesem Auftrag kam die Geschäftsführung aber in keiner Weise nach. Im Gegenteil, 2019 kam es zur Schließung des Standortes in Öhringen und Verlagerungen in sogenannte „low-cost-countries“. Im gleichen Jahr wurde ein weiterer Personalabbau in den Stuttgarter Zentralen verkündet. Mindestens 350 Beschäftigte sollten auf freiwilliger Basis das Unternehmen verlassen. Sichere Zukunftsaussichten sehen anders aus.

Dieter Kiesling, stellvertretender GBR-Vorsitzender und Mitglied im Aufsichtsrat, sieht daher die Schuld an der Misere nicht allein in den fehlenden Umsätzen durch die Corona-Krise und dem wachsenden Druck zur Kostensenkung. Seiner Meinung nach blieb die Zeit innerhalb der vergangenen Jahre schlichtweg ungenutzt. Denn die Transformation der gesamten Automobilindustrie dauere schon eine ganze Weile an und Mahle hätte bis heute keine Perspektiven für die „Verbrenner-Standorte“ vorgelegt. Im Namen aller Beschäftigten erwartet Kiesling von der Geschäftsführung, dass sie endlich Verantwortung übernimmt und alle Mitarbeiter sicher durch die Krise führt. Dazu kommt: Als Stiftungsunternehmen steht Mahle in einer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung, die gerade in schwierigen Zeiten nicht vergessen werden darf.


„Wir wollen Übergang, nicht Niedergang“

Kaum waren die Schreckensnachrichten bei Mahle durchgesickert, organisierte der Mahle-Vertrauenskörper am Mittwoch eine spontane Aktion vor den Fenstern der Aufsichtsratssitzung. Mit einer Menschenkette machten sie lautstark klar, dass sie nichts von dem angekündigten Sparprogramm halten. Bei der Protestaktion machte auch Martin Röll, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall (IGM) Stuttgart, deutlich, dass die IG Metall nicht akzeptieren werde, dass die Mahle-Geschäftsführung den Rückgang der Umsatzzahlen in einen Stellenabbau umrechne. Allen ist die Kontroverse um CO2-Reduktion und Verbot von Verbrennern bewusst – aber: „Wir wollen keinen Niedergang, sondern einen Übergang zur E-Mobilität“, so Röll.

Unterstützung kommt auch von Uwe Meinhardt, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Leiter für Grundsatzfragen bei der IG Metall. Er betont: „Die IG Metall akzeptiert keine betriebsbedingten Kündigungen und keine Standortschließungen. Unsere Tarifverträge haben genügend Instrumente, um ohne Entlassungen durch die Krise zu kommen. Das gilt für Mahle genauso wie für alle anderen Unternehmen der deutschen Automobilindustrie.“

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