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Anti-Stress-Verordnung - eine Initiative der IG Metall

Anti-Stress-Verordnung - eine Initiative der IG Metall

Gute Arbeit braucht klare Regeln

20.09.2012 Ι Wie hell oder dunkel darf es sein oder wie laut? Fast alles ist gesetzlich geregelt. Nicht aber, wenn Mitarbeiter nach Feierabend oder am Wochenende per E-Mail, SMS oder Anruf für den Chef ständig erreichbar sein müssen. Arbeitsstress und Zeitdruck sind allgegenwärtig und machen psychisch krank. Deshalb macht sich die IG Metall stark für eine Anti-Stress-Verordnung mit klaren Regeln.
Lustlos, leer und ständig müde: Der Wille zu arbeiten ist noch da, doch Körper und Geist versagen ihre Dienste. Mehr und mehr Menschen erwischt es. Gefangen im Hamsterrad droht der Arbeitsstress sie völlig in Besitz zu nehmen. Und irgendwann landen Betroffene an dem Punkt, wo nichts mehr geht, der Akku leer ist und sie total erschöpft und ausgebrannt sind.

Die Zeit drängt

Ausufernde Arbeitszeiten, unsichere Jobs, steigender Leistungsdruck und schlechtes Betriebsklima ist für viele Beschäftigte leidvoller Arbeitsalltag. Die Konsequenz: Psychische Belastungen und Erkrankungen haben in den Betrieben besorgniserregend zugenommen und sind inzwischen die häufigsten Ursachen für Frühberentungen. Die negativen Folgen sind weitreichend: Sie verschlechtern nicht nur die Lebensqualität der Beschäftigten, sondern sind für Unternehmen und Sozialkassen langfristig teuer.

Die Zeit drängt, gegenzusteuern. Das hat auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen erkannt und Burnout den Kampf angesagt. Sie lobt freiwillige Betriebsvereinbarungen wie etwa zum Abschalten von Handys außerhalb der Arbeitszeit. Doch Appelle und Verweise auf das Arbeitsschutzgesetz reichen nicht aus.

Verbindliche und handhabbare Vorschriften fehlen

"Anders als bei Gefahrstoffen, Lärm oder mangelnder Beleuchtung fehlen ausgerechnet bei psychischer Belastung klare Anforderungen an die Arbeitgeber", konstatiert Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Deshalb ist die IG Metall akiv geworden und hat eine "Anti-Stress-Verordnung" entworfen. Diese soll Beschäftigte vor Stress und negativen Folgen psychischer Belastungen bei der Arbeit schützen.

"Wir brauchen verbindliche und vor allem handhabbare Vorschriften, die psychische Belastungen mit anderen Gefährdungen in der Arbeitswelt durch Lärm, unzureichendes Licht oder Toxine gleichstellt", betont der IG Metall-Sozialexperte Urban und nennt ein konkretes Regelungsbeispiel: "Für Beschäftigte in Projektarbeit ist zu beurteilen, ob das Projektziel mit den vorhandenen Ressourcen ohne gesundheitliche Beeinträchtigung zu realisieren ist. Eine dauerhafte Erreichbarkeit durch Smartphones ist zu vermeiden. Umso wichtiger ist es, dass Beschäftigte über ein angemessenes Führungsverhalten in Kommunikations- und Entscheidungsprozessen einbezogen werden."

Regelungsgegenstände der Anti-Stress-Verordnung

Anti-Stress-Verordnung kann helfen

Gute Arbeit braucht klare praktikable Regeln. Mit dem Entwurf für eine "Anti-Stress-Verordnung" will die IG Metall zeigen, dass sie möglich sind. Die IG Metall weiß aber auch: Eine Verordnung zu beschließen und auf Papier zu drucken reicht nicht aus. Sie muss auch gelebt und in der Praxis umgesetzt werden.

Einen Erfolg kann die IG Metall mit ihrer Initiative nicht garantieren. Aber sich mit dem Status quo zu arrangieren und auf präventives Handeln zu verzichten, wäre verantwortungslos.

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Claus Leggewie, Kulturwissenschaftler
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