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Beschäftigte schützen

Abstand halten, Hände waschen, Zusammenkünfte vermeiden: All das ist elementar wichtig, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Und all das ist elementar wichtig, um die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen in Werkshallen und Produktionsstätten zu schützen.

1. Mai 20201. 5. 2020Simon Che Berberich, Christoph Böckmann, Jan Chaberny, Dirk Erb und Jens Knüttel


Abstand halten, Hände waschen, Zusammenkünfte vermeiden: All das ist elementar wichtig, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Und all das ist elementar wichtig, um die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen in Werkshallen und Produktionsstätten zu schützen. In diesen Tagen und Wochen aber machen viele Beschäftigte, die nicht im Homeoffice arbeiten können, eine bittere Erfahrung: Viele Arbeitgeber kümmern sich nicht ausreichend um den Schutz der Belegschaften. Sie spielen so auf verantwortungslose Weise mit der Gesundheit von Menschen. „Es ist teilweise erschreckend, was in vielen Unternehmen derzeit geschieht“, sagt Kerstin Klein von der IG Metall Köln-Leverkusen. Da gebe es zum Beispiel Betriebe, die so gut wie gar keine Präventionsmaßnahmen im Warenannahmebereich umgesetzt hätten. „Ich kenne einen Fall, da steht ein einzelner 5-Liter-Kanister Wasser für die Lkw-Fahrer zum Händewaschen. Der wird einmal pro Woche gewechselt. Es gibt für die Beschäftigten in der Warenannahme nicht mal ausreichend Seife und Papiertücher, obwohl sie den ganzen Tag die Frachtbriefe anfassen müssen. Vom Mindestabstand zu den Fahrern bei der Annahme ganz zu schweigen.“


Schutzlos in der Produktion

Nein, das sei nicht exemplarisch. Und nein, solche Zustände herrschten wohl nicht in der Mehrheit der Betriebe. „Immer wieder aber höre ich von Kolleginnen und Kollegen, die schutzlos in der Produktion oder im Außendienst arbeiten“, sagt Kerstin Klein. „Die Beschäftigten werden oft nicht mal in Ruhe unterwiesen und mit ihren Sorgen abgeholt. Stattdessen klebt irgendwo ein Zettel und die Vorgesetzten sind plötzlich im Homeoffice oder in Kurzarbeit. Schichtbetriebe und Übergaben wurden nicht entzerrt, bei der Maßnahmenableitung wird das sogenannte STOP-Prinzip nicht eingehalten. Es werden also weiterhin nicht technische und organisatorische Lösungen den persönlichen Schutzmaßnahmen vorgezogen. Das geht so nicht.“

Wie es gehen kann, zeigt das Beispiel Atlas Copco Energas, ein Industrieunternehmen, das hauptsächlich Großkompressoren für den Öl- und Gasbereich herstellt. Rund 570 Menschen arbeiten am Standort Köln, 180 von ihnen in der Produktion. Der Betriebsrat dort hat zusammen mit der Geschäftsleitung umfassende Maßnahmen für den Gesundheitsschutz aller Beschäftigten umgesetzt. „Wir haben Anfang März einen Krisenstab ins Leben gerufen, in dem Geschäftsführung, Personalabteilung, Sicherheitsexperten, unser Betriebsarzt und wir vom Betriebsrat vertreten sind“, sagt Marco Erlemann, der Vorsitzende des Betriebsrats. Dieses Gremium bespricht alle Sicherheitsmaßnahmen, setzt sie um und bewertet anschließend das Ergebnis. „Es ist wichtig, dass wir nicht nur veränderte Verhaltensregeln an die Beschäftigten weitergeben, sondern echte organisatorische Maßnahmen in der Arbeitsorganisation umgesetzt haben.“


Geschützt arbeiten – so geht es

Das fängt damit an, dass der Arbeitgeber genug Desinfektionsmittel, Seife und Handcremes besorgt hat – und den Kolleginnen und Kollegen ausreichend Zeit für Hygiene einräumt. Das geht damit weiter, dass Beschäftigte, bei denen es möglich ist, im Homeoffice arbeiten können. Dass Besprechungen zurückgefahren wurden, nur noch in kleiner Runde stattfinden. Dass Dienstreisen untersagt wurden. Dass mittlerweile alle Außendienstmonteure zurück in den Betrieb beordert wurden. „Diese Maßnahmen konnten wir rasch umsetzen. In der Produktion war es nicht ganz so leicht“, sagt Marco Erlemann. „Aber auch da ist es uns gelungen.“

Im Logistikbereich zum Beispiel haben sie an den Arbeitsplätzen Plexiglasscheiben hochgezogen, weil die Kolleginnen und Kollegen sich dort gegenübersitzen. In der mechanischen Fertigung, in der die Kollegen im Dreischichtbetrieb arbeiten, gibt es keine persönliche Schichtübergabe – die Beschäftigten führen stattdessen ein Schichtbuch. „Wir haben dazu Arbeitsplätze räumlich entzerrt und vor allem Vorarbeiten intensiviert. So stellen wir sicher, dass möglichst wenig Beschäftigte zeitgleich an einer Maschine arbeiten.“ Auch Pausenzeiten finden jetzt zeitlich versetzt statt. In der Kantine sind Stühle und Tische abgesperrt, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen die Aufenthaltsräume nicht in Gruppen aufsuchen.

„Wir haben ein ganzes Bündel von Maßnahmen umgesetzt, die alle ineinandergreifen“, sagt Marco Erlemann. „Dabei ist es uns wichtig zu zeigen: Der Schutz der Beschäftigten und das Sicherstellen der Produktionsabläufe schließen sich nicht aus.“ Im Gegenteil: Sie bedingen sich. Marco Erlemann sagt: „Nur wenn die Kolleginnen und Kollegen gesund und geschützt sind, nur dann kann unser Unternehmen auch weiter produzieren.“

 


 

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