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"Wir müssen jetzt laut sein!"

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, über die bevorstehende Großdemonstration in Berlin und seine Botschaft an Regierung und Arbeitgeber.


Jörg, am 29. Juni demonstrieren Metallerinnen und Metaller aus der ganzen Republik in Berlin. Was ist Dein Ziel bei dieser Demonstration?

Jörg Hofmann: Deutlich zu machen: Unsere Stimme kann man nicht ignorieren. Wir vertreten selbstbewusste Beschäftigte in den Betrieben unserer Branchen. Wir sind die IG Metall, die größte Gewerkschaft Europas. Wir sind 2,3 Millionen Menschen. Und diese Beschäftigten haben berechtigte Anliegen zur Sicherung und Gestaltung ihrer Zukunft, die wir jetzt dringend durchsetzen müssen.


Welche sind das?

Die deutsche Industrie steht vor einem weitgehenden Umbruch: Klimawandel, Globalisierung und Digitalisierung erzeugen gewaltigen Veränderungsdruck. In vielen Betrieben ist das schon heute zu spüren. Standorte und Arbeitsplätze sind bedroht, Qualifikationen verändern sich deutlich. Wir wollen diese Transformation gestalten, wir wollen die Regeln mitbestimmen. Aus technologischem Fortschritt und ökologischem Wandel muss sozialer Fortschritt für alle werden. Es geht um sichere Beschäftigung und um die Zukunft der nächsten Generationen. Wir wollen, dass es gerecht zugeht ― für alle!


Was forderst Du konkret von der Politik?

Die Transformation der Industrie ist kein Naturereignis. Wir können und werden sie mit und im Sinne der Beschäftigten gestalten. Dafür muss die Regierung aber endlich aktiv werden. Es gibt zig Baustellen: Wir brauchen massive Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr ― wie soll sonst die Verkehrswende gelingen? Wir brauchen flächendeckend Ladestationen ― wer kauft denn sonst E-Autos? Wir brauchen mehr Geld für Bildung und ein Recht auf Weiterbildung ― wie sollen wir sonst die Arbeit von morgen erledigen können?


Am Arbeitsmarkt gibt es ebenfalls viel Unsicherheit …

Auch dort sind die politisch Verantwortlichen gefordert. Gerade in Zeiten des Umbruchs muss der Sozialstaat Sicherheit bieten: Leiharbeit, Befristung und Minijobs kann und muss die Regierung zurückdrängen. Der Abstieg in Hartz IV darf keine ständige Drohkulisse für Beschäftigte sein.


Was müssen die Unternehmen tun?

Jedes Unternehmen ist in der Pflicht, sich zu fragen: Was bedeuten Digitalisierung und Klimaziele für unsere Produkte? Entsprechend müssen sie sich für die Zukunft aufstellen. Das heißt: investieren in zukunftsfeste Produkte und Standorte, systematische Personalentwicklung und Angebote für Weiterbildung. In vielen Betrieben passiert da viel zu wenig. Das ist fahrlässig.


Und was macht die IG Metall?

Wir handeln längst. In zahlreichen Unternehmen treiben wir die Entwicklung an. Zum Beispiel mit unserem Transformationsatlas, der gerade entsteht, mit Betriebs- und Zukunftsvereinbarungen und natürlich mit Tarifverträgen, die Beschäftigung sichern und Qualifizierung garantieren. Das ist manchmal verkehrte Welt. Im Grunde müssten die Manager sich um die Zukunftsfähigkeit ihrer Betriebe und der dort Beschäftigten kümmern. Aber oft sehen wir: Fehlanzeige.


Wann ist die Demonstration in Berlin ein Erfolg?

Wenn wir so viele und so laut sind, dass Regierung und Arbeitgeber unsere Botschaften nicht überhören können. Die Politik muss das Gelingen der Transformation zu ihrem zentralen Projekt machen.

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