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Aufzahlung bei Automobil-Dienstleistern
IG Metall setzt mehr Geld für Kurzarbeiter bei Dienstleistern durch

Mit der IG Metall erhalten Beschäftigte in Kurzarbeit deutlich mehr Geld. Das gilt nicht nur für VW, Daimler oder BMW – sondern auch bei den Dienstleistern der „OEMs“. Dort, wo die IG Metall stark ist, zahlen Arbeitgeber zum Kurzarbeitergeld dazu – und es gibt 80 Prozent oder mehr vom Netto.


Kurzarbeiter erhalten gut 80 Prozent oder mehr vom normalen Netto – und nicht nur die gesetzlichen 60 Prozent (mit Kindern 67 Prozent). Das gilt nicht nur bei den OEMs (den großen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie), sondern auch bei ihren Dienstleistern, etwa im Logistik-Bereich. Bundesweit haben IG Metall und Betriebsräte in den letzten Tagen und Wochen Regelungen ausgehandelt, laut denen Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld ihrer Beschäftigten aufstocken.

Die Aufzahlung auf das Kurzarbeitergeld ist gerade für die Beschäftigten bei den Dienstleistern existenziell. Ihre Löhne, auf deren Basis die Arbeitsagentur ihr Kurzarbeitergeld berechnet, sind ohnehin schon deutlich niedriger als die der Beschäftigten bei den OEMs.

„Für mich bedeutet die Aufzahlung einen Monat lang einen vollen Kühlschrank“, rechnet David Glasow vor. Er arbeitet bei Stute Logistics in Halle 70 auf dem Werksgelände von Daimler in Bremen. „Ich bin froh, dass der Betriebsrat und die IG Metall das geschafft haben. Es kann ja nicht sein, dass die Unternehmen wegen der Corona-Krise Milliarden bekommen – und der kleine Arbeitnehmer steht mit leeren Taschen da.“


80 statt 60 Prozent vom normalen Netto

Für die Aufzahlung auf das Kurzarbeitergeld bei Stute haben Betriebsrat und IG Metall tagelang hart verhandelt. „Der Arbeitgeber wollte, dass die Beschäftigten erst mal Stunden aus ihrem Zeitkonto und Urlaub opfern. Da haben wir gesagt: Nein, wir werden nicht das Betriebsrisiko einfach auf die Mitarbeiter umwälzen“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende Hüseyin Aydin. „Die Arbeitgeberseite hat mit betriebsbedingten Kündigungen gedroht. Aber wir haben ihnen vorgerechnet, dass es dann noch teurer für sie würde – und sind bis zuletzt hart geblieben.“

Von der Härte des Betriebsrats von Stute bei Daimler in Bremen profitieren nun auch die Beschäftigten der anderen Stute-Standorte in Bremen, Cuxhaven, Hamburg und Stade: Gemeinsam mit der IG Metall setzten sie eine tarifliche Regelung zur Aufzahlung auf die Kurzarbeit für alle durch: Es gibt 78,5 Prozent vom normalen Netto ohne Kinder – und 82,5 Prozent mit Kindern.

Und auch bei anderen Dienstleistern in Bremen haben IG Metall und Betriebsräte ähnliche Regelungen erreicht: 80 Prozent bei Lorel Logistik, RCL Automotive und Pfenning Logistics, 80 bis 85 Prozent bei Würfel Automotive.


Ohne Aufzahlung unter 1000 Euro Gehalt

Ebenfalls bis zu 85 Prozent erhalten etwa Beschäftigte beim Kontraktlogistiker Rudolph in Leipzig, der für Porsche und BMW arbeitet. „Ohne die Aufzahlung würden unsere Leute mit unter 1000 Euro nach Hause gehen“, erklärt Jens Grube, Betriebsratsvorsitzender von Rudolph bei Porsche. „Wir hätten gerne mehr gehabt. Aber es ist ein fairer Kompromiss. Unsere Beschäftigten sind froh, dass es bei uns etwas gibt. Ihre Bekannten in anderen Branchen bekommen gar nichts.“

Für die Aufzahlung haben die Betriebsräte bei Rudolph mit Unterstützung der IG Metall Leipzig tagelang zäh verhandelt, wegen Corona über Telefonkonferenzen. Bei der IG Metall Leipzig haben in den letzten Tagen die Telefone geglüht. In 34 Betrieben haben IG Metall und Betriebsräte mehr Geld für insgesamt 21 500 Kurzarbeiter durchgesetzt – ein Großteil davon bei Dienstleistern.


Bundesweit ähnliche Regelungen bei Dienstleistern

Bei vielen anderen Dienstleistern bundesweit hat die IG Metall ähnliche Regelungen durchgesetzt, vor allem bei fast allen Logistikern der großen Autobauer, wo die Beschäftigten schon vor Jahren begonnen haben, sich in der IG Metall zu organisieren, Betriebsräte zu wählen und Tarifverträge zu erkämpfen. Beim Branchenriesen Schnellecke etwa gilt eine bundesweite Regelung für alle Standorte: Aufzahlung auf 80 Prozent – je nach Region kommt noch ein Warengutschein über 44 Euro im Monat obendrauf.

„Wir haben uns für die Verhandlungen bundesweit über Videokonferenzen abgestimmt“, erklärt Sascha Hahn von der IG Metall Zwickau, der für Schnellecke in Glauchau zuständig ist, einem Dienstleister von VW Sachsen. „Für uns war klar: Niemand wird hier mit 60 oder 67 Prozent nach Hause geschickt.“


IG Metall fordert auch in Berlin Aufstockung für Kurzarbeiter

Dass die Betriebe mit Kurzarbeit statt Entlassungen durch die Corona-Krise kommen wollen, ist gut. Und dass die Politik den Arbeitgebern sämtliche Sozialversicherungsbeiträge schenken, um Kurzarbeit zu erleichtern, ist richtig. Doch viele Arbeitgeber geben den Beschäftigten nichts ab von dem Geschenk, nicht mal den Arbeitnehmeranteil von den Sozialbeiträgen. Das bedeutet bis zu 40 Prozent weniger Geld für die Beschäftigten in Kurzarbeit.

Die IG Metall nimmt nicht hin, dass die Lasten der Corona-Krise einseitig auf die Beschäftigten abgeladen werden. Sie fordert in Berlin, dass Arbeitgeber nur dann voll von Sozialversicherungsbeiträgen entlastet werden, wenn sie das Kurzarbeitergeld ihrer Beschäftigten aufstocken. Doch CDU und CSU blockieren.


Aufzahlungen dort, wo die IG Metall stark ist

Daher setzt die IG Metall weiter gemeinsam mit Betriebsräten Aufstockungen in den Betrieben durch. Das klappt vor allem in den Betrieben, wo die IG Metall stark ist, mit vielen Mitgliedern, guten Betriebsräten und Tarifverträgen.

„Die Aufstockungen auf das Kurzarbeitergeld in unseren Betrieben sind ja nicht vom Himmel gefallen“, erklärt Bernd Kruppa, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig. „Dafür haben wir hier in Leipzig 15 Jahre lang gearbeitet – und gemeinsam mit den Beschäftigten IG Metall-Mitglieder gewonnen, Betriebsräte gegründet und Tarifverträge erkämpft. Das ist die Basis dafür, dass wir jetzt in der Corona-Krise mehr für die Beschäftigten herausholen.“

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