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Spanien: Junge Gewerkschafter haben es schwer

Gewerkschafter in Spanien müssen auch Jahre nach Ende des Faschismus noch immer um ihre Rechte kämpfen. Wer öffentlich als Gewerkschafter demonstriert, muss immer noch Angst vor Kündigung haben. Die IG Metall-Jugend Bochum war zu Besuch in der spanischen Region Asturien.


Von Adem Bulut

Zu Zeiten der faschistischen Franco-Diktatur in Spanien, die bis 1975 dauerte, waren Gewerkschaften praktisch verboten. Nur in Nacht- und Nebelaktionen konnten die gewerkschaftlich Aktiven damals ihre Zeichen setzen. Rückblickend betrachtet hat sich ihr harter bitterer Kampf für ein „Heute“, wie wir es jetzt kennen, gelohnt. Heute wird die Gewerkschaftsarbeit anders betrachtet.
Aber: Noch immer haben es Gewerkschaften in Spanien schwer. Die Angst ist weit verbreitet. Viele Chefs dulden einfach keine Gewerkschaften. Besonders die Jugendlichen werden stark eingeschüchtert, besser nicht in die Gewerkschaft einzutreten. Es kommt durchaus vor, dass aktive Jugendliche, die bei einer Gewerkschaftsveranstaltung vom Chef gesehen werden, kurz darauf die Kündigung erhalten.

So geht Gewerkschaft in Spanien


Die Kooperation der IG-Metall Bochum und der Gewerkschaft „Union General de Trabajadores“ Bereich „Metal, Construcción y Affines“ (MCA-UGT) der Region Asturias in Spanien besteht seit über 20 Jahren. Wir – eine Delegation junger Aktiver aus Bochum. – waren dort zu Besuch auf der Jugendkonferenz der MCA-UGT Asturias in Oviedo. Unsere Themen: Jugend, Gewerkschaftsarbeit und Berufsausbildung. Und wir lernten, wie Gewerkschaft in Spanien geht: Im Vergleich zur deutschen Gewerkschaft einfach strukturiert. Der Betriebsrat bündelt praktisch die verschiedenen Interessensvertretungen in sich selbst zusammen, so auch die Jugendvertretung.

Die Gewerkschaftsmitglieder zahlen alle den selben Festbetrag. Rentner und Arbeitslose zahlen einen ermäßigten Beitrag. In der Gewerkschaftsjugend sind Jugendliche im Alter von 18 bis 35 aktiv. Die Zentrale der MCA-UGT Asturias sitzt in der Regionshauptstadt Oviedo. In zweiwöchigen Abständen finden Jugend-Sitzungen statt. Dort werden aktuelle Themen und Probleme besprochen. Die Teilnehmerzahl beläuft sich im Schnitt auf etwa 20 Jugendliche. Insgesamt sind fast 5.000 Jugendliche bei der Gewerkschaft MCA-UGT organisiert. Bei wichtigen Veranstaltungen sind alle Jugendlichen der Gewerkschaft vertreten.

Junge Aktive machen Wind mit kreativen Aktionen
Die jungen Gewerkschafter verstehen es immer wieder, mit guten Ideen Aufmerksamkeit zu erregen und auf Probleme hinzuweisen. Zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen weckten in letzter Zeit das Interesse der Presse: Infostände, Fußballturniere und sogar Theateraufführungen. Bei der Aktion „mit 60 in die Rente“ pflanzten die junge Aktive symbolisch 60 Bäume für die Rückstufung des Rentenalters von 65 auf 60. Zudem realisieren die Gewerkschafter öffentliche Podiumsdiskussionen in der Stadt. Immer zu aktuellen Themen, etwa zu den schlechten Arbeitsbedingungen der Frauen in der Metallbranche. Um immer auf dem laufenden Stand der Dinge zu sein, bietet die Gewerkschaft den Jugendlichen einen SMS-Infodienst mit den aktuellen News an.

Ein anderes wichtiges Thema der Jugendkonferenz waren die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern. Monatelanges Hin und Her endete im Nichts. Zum Zeitpunkt des Abschlusses verweigerte der Arbeitgeberverband die Unterschrift.



Unser Auftritt als IG Metall Jugend Bochum setzte mit der Kampagne „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ ein positives Signal. Aus diesem Anlass übergaben wir der spanischen Gewerkschaftsjugend unser „Respekt!-Paket“.
Der 1. Mai ist auch für die Gewerkschaftsjugend in Spanien ein großes Ereignis mit mit Kundgebungen in vielen Städten. Immer wieder gibt es auch leider randalierende Randgruppen, die die friedlichen Aktionen stören. Es kommt zu Straßenkämpfen und Sperrungen.

Gewerkschaften bieten Berufsausbildung an
Das Ausbildungssystem in Spanien ist nicht zu vergleichen mit dem dualen Ausbildungssystem in Deutschland. Die Gewerkschaften bieten in Ausbildungscentern selbst Modulausbildungen und Umschulungen an. Die Azubis absolvieren in den Centern Moduleinheiten, die zu 90 Prozent aus Theorie und zu 10 Prozent aus Praxis zusammengestellt sind, um so nötige Grundlagen und Grundkenntnisse eines Berufs zu erlernen.
Beispiel: Ein angehender Schweißer absolviert hunderte von Übungsstunden an einem virtuellen Schweißsimulator, ehe er praktisch als Schweißer tätig wird. Die Ausbildungscenter streben jedoch auf längere Zeit gesehen eine Annäherung an das deutsche duale Ausbildungssystem an.
Wir haben dort in Asturien auch über Austauschprogramme nachgedacht. Azubis aus Bochum könnten den Azubis in Asturias über die Schultern schauen und umgekehrt. Austauschprogramme sind sicherlich bei Jugendlichen gefragt, beliebt und wecken einfach das Interesse, etwas Neues zu erfahren und zu erleben. Den Azubis wird die Möglichkeit geboten einen Blick in eine fremde Arbeitswelt zu wagen und sich überraschen zu lassen. So würde der eine oder andere Azubi aus Deutschland überrascht reagieren, wenn er etwa einen 30-jährigen Azubi im Ausbildungscenter antrifft. In Asturias gibt es viele „Jugendliche“ die erst mit 30 oder 35 Jahren eine Ausbildung beginnen.

„Internationale Gewerkschaftsarbeit ist von enormer Bedeutung, insbesondere für die Menschen, die in der Gewerkschaft für die Rechte der Arbeiter kämpfen und mit mutigen Entscheidungen vorangehen. Internationale Gewerkschaftsarbeit ist gleich gebündelte Kraft“, mit diesen Worten verabschiedete uns die spanische Gewerkschaftsjugend aus Asturien.

Adem Bulut, 26, ist Betriebsratsmitglied bei Opel in Bochum und arbeitet ehrenamtlich unter anderem im „Arbeitskreis Medien“ der IG Metall Jugend mit.
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