Sozialtarifvertrag für Conti-Tochter
Vitesco: Sozialtarifvertrag verhindert Massenentlassungen

Den geplanten Kahlschlag bei Vitesco konnte die IG Metall mit einem Sozialtarifvertrag abwenden. Der Abbau wird deutlich geringer ausfallen und mit hohen Abfindungen verbunden sein. Für den Standort Bebra gibt es zudem einen echten Lichtblick.


IG Metall und Betriebsrat haben hart gekämpft. Ebenso die Beschäftigten. Sie waren zu allem bereit. In der Urabstimmung machten sie klar, wenn jetzt die Arbeitnehmerseite nicht einlenkt, machen wir den Laden zu. Der unbefristete Streik wäre die Reaktion gewesen. Diese Drohkulisse brachte die Konzernleitung zum Einlenken und zurück an den Verhandlungstisch.

Mit Erfolg: Eigentlich wollte das Vitesco-Management den Standort Mühlhausen bis 2022 schließen und die Beschäftigtenzahl vom Standortverbund Mühlhausen und Bebra halbieren. Jetzt ist klar: Mühlhausen bleibt bis Ende 2024 und der Produktions- und Entwicklungsstandort in Bebra mit derzeit gut 800 Beschäftigten bleibt bis mindestens Ende 2025 erhalten. Zuversicht spendet auch: In diesem Zeitraum soll Bebra fit für die Elektromobilität gemacht und zum europäischen Standort für Bauteile der Antriebstechnik entwickelt werden.

Der beabsichtigte Personalabbau wurde auf rund 200 Arbeitsplätze begrenzt und soll über Altersteilzeit und eine vorübergehende Arbeitszeitabsenkung mit einem Teilentgeltausgleich durch den Arbeitgeber weitestgehend sozialverträglich gestaltet werden. Dafür sorgt ein Sozialtarifvertrag, den die IG Metall mit Unterstützung des Betriebsrats und der Beschäftigten unter der Drohkulisse eines unbefristeten Streiks durchboxen konnte.


Sozialtarifvertrag macht hohe Abfindungspakete möglich

Der Sozialtarifvertrag garantiert den Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz verlieren, ordentliche Abfindungspakete: bis zu 180 000 Euro sind so möglich. Das sind Abfindungen, die weit über dem bislang bei der Continental-Tochter üblichen Sozialplanniveau liegen. Außerdem wurden weitreichende Qualifizierungsansprüche für An- und Ungelernte sowie eine Transfergesellschaft vereinbart, welche den Beschäftigten auch nach einem möglichen Ausscheiden aus der Produktion noch auf Jahre Absicherung bieten. Für Mühlhausen wurde die Vereinbarung getroffen, einen „Industriepolitischen Zukunftsdialog“ ins Leben zu rufen, um Nachfolgeunternehmen am Standort anzusiedeln.

Dass Vitesco nicht bereit ist, den Betriebsteil in Thüringen zu erhalten, bedauert Jörg Köhlinger, Leiter der IG Metall Mitte: „Ohne das Ergebnis beschönigen zu wollen, halte ich das erzielte Tarifpaket aber für einen vertretbaren Kompromiss, der den Abbau von Arbeitsplätzen sozialverträglich flankiert und Chancen auch für die Beschäftigten in Mühlhausen bietet. Der Schwerpunkt dort muss nun die Suche nach einer Nachfolgelösung sein. Das Unternehmen ist hier in der Pflicht.“

Und auch Bernd Spitzbarth, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Nordhausen, betont: „Die Schließung ist und bleibt schmerzhaft. Doch ohne Widerstand hätte es weder diese Abfindungen, Altersteilzeit für alle Anspruchsberechtigten, Qualifizierung, Transfergesellschaft und den Industriepolitischen Zukunftsdialog für eine mögliche Nachnutzung gegeben. Das sind Erfolge, die sich die Menschen durch ihren Einsatz hart erkämpft haben.“

Jetzt liegt es an den Beschäftigten, ob sie das erzielte Ergebnis annehmen werden. Darüber wird in den nächsten Tagen abgestimmt.
 


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