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Gute Regelungen zur Vereinbarkeit in den Unternehmen

Lösungen für eine gute Balance

06.06.2013 Ι Für den einen ist es die Kinderbetreuung, für die andere die Pflege der Eltern. Den Wunsch, Job und Familie unter einen Hut zu bringen, haben viele. Die Hindernisse auf dem Weg dorthin, sind je nach Situation unterschiedlich. Daher unterscheiden sich auch die Lösungen. Es gibt viele Wege zu einer guten Vereinbarkeit.

Die traditionellen Arbeitsbedingungen passen oft nicht mehr. Nicht nur Mütter wollen ihre Arbeitszeit anders gestalten. Zunehmend sind es auch männliche Kollegen, die entweder in Elternzeit gehen oder flexibler arbeiten wollen. Nicht immer sind die Betriebe darauf vorbereitet. Dabei profitieren von familienfreundlichen Arbeitsbedingungen auch die Vorgesetzten. Die IG Metall fordert, dass Beschäftigte selbstbestimmter über ihre Zeit verfügen können, unabhängig davon, ob sie Kinder betreuen oder Angehörige pflegen müssen. Davon profitieren auch die Firmen. Familienfreundlichkeit führt dazu, dass Mitarbeiter zufriedener und motivierter sind. Um eine gute Balance von Privatleben und Job zu erreichen, gibt es für die Unternehmen verschiedene Optionen.  


Arbeitszeitmodelle

Im bayerischen Regen hat der Betriebsrat von Qioptiq mehrere Arbeitsplätze für junge Mütter durchgesetzt. An diesen Arbeitsplätzen ist für junge Frauen ein späterer oder zeitversetzter Arbeitsbeginn möglich, obwohl die Normalschicht bereits morgens um sechs Uhr mit der Arbeit beginnt.

Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit gibt es auch bei der Gothaer Systems GmbH. Und diese betriebliche Regelung stellt nicht nur den Arbeitgeber zufrieden. Bei dem Kölner IT-Dienstleister gibt es keine Kernarbeitszeiten mehr. Beschäftigte können unbegrenzt Gleittage nehmen und zu viel geleistete Arbeitszeit verfällt nicht. Gerade Eltern mit kleinen Kindern können daher ihre Arbeitszeiten an den Öffnungszeiten von Kindergärten ausrichten. Dazu gibt es auch noch eine großzügige Gleittags-Regelung.


Kinderbetreuung

Neben der Arbeitszeit ist die Betreuung des Nachwuchses eines der großen Probleme, das bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stemmen ist. Kinderbetreuungsangebote gibt es in mehreren Firmen. Bei der Dillinger Hütte im Saarland gibt es einen betriebsnahen Kindergarten. Ein Vorbild in Sachen Familienfreundlichkeit ist das Stahlunternehmen Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt. Neben einer Anlaufstelle für Beschäftigte zu Fragen rund ums Thema Beruf und Familie, können Schichtarbeiter eine Kinderbetreuung rund um die Uhr in Anspruch nehmen. Neu ist, dass Kinder  während der Sommerferien auch vormittags betreut werden.


Mobiles Arbeiten

Bei Daimler in Wörth gibt es neben einer Kindertagesstätte und einem Ferienbetreuungsangebot für die Kinder von Beschäftigten noch die Möglichkeit, Arbeitszeit und Arbeitsort mobil zu wählen. Grundsätzlich können vor allem Angestellte auch Telearbeit machen. Die Arbeitsleistung wird für eine bestimmte Wochenstundenzahl daheim erbracht. Die Lage der Arbeitszeit kann weitgehend selbst bestimmt werden. Zudem können Daimler-Beschäftigte nicht nur zwischen einer verkürzten Tages-, Wochen- beziehungsweise Monatsarbeitszeit wählen. Sie können bei Bedarf auch Teilzeit oder auf Abruf arbeiten.


Auch der Automobilzulieferer Bosch hat eine Betriebsvereinbarung "Mobiles Arbeiten" auf den Weg gebracht. Das ermöglicht den Beschäftigten, betriebliche Arbeitsaufgaben auch von zuhause zu erledigen und Familienaufgaben einfacher übernehmen zu können.  

 

Qualifizierung

Super ist, wenn man sich während der Babypause und der Elternzeit ganz um den Nachwuchs kümmern kann. Auch der Betreuung pflegebedürftiger Familienangehöriger sollte man sich voll und ganz widmen können, ohne Angst zu haben, bei der Rückkehr in den Job abgehängt zu werden. Das Qualifizierungsprogramm "Job & Family" bei der Audi AG in Ingolstadt ist daher für Beschäftigte mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen sehr attraktiv. Sie können bis zu sieben Jahren ganz aus dem Job aussteigen und sich vor dem Wiedereinstieg qualifizieren.

Das betriebliche Qualifizierungsprogramm ist breit gefächert. Dazu gehören insgesamt fünf Module: EDV-Bausteine, Gesundheit und Prävention sowie beispielsweise ein Coaching, um mit der veränderten persönlichen Situation besser klar zu kommen. Die Teilnahme ist bei einer Beschäftigungspause von bis zu drei Jahren freiwillig. Für diejenigen, die länger zuhause bleiben, ist die Teilnahme an den Qualifizierungsmaßnahmen verpflichtend.

 

Es gibt noch viel zu tun

Doch ein Betriebskindergarten allein oder flexible Arbeitszeiten machen ein Unternehmen noch nicht familienfreundlich. Was konkret notwendig ist, können Betriebsräte und Unternehmen beispielsweise über eine Befragung der Belegschaft herausfinden. Insgesamt jedoch sieht die IG Metall hier Handlungsbedarf. Denn noch immer zeigen viele Vorgesetzte zu wenig Verständnis bei der Umgestaltung der Rahmenbedingungen für Vereinbarkeit. Zudem gibt es in vielen Kommunen zu wenig Kindergartenplätze für die ganz Kleinen und Ganztagsbetreuung in Schulen ist die Ausnahmen.  Auszeiten, um die kranken Eltern zu pflegen, können sich die meisten Angehörigen gar nicht leisten.

Dazu kommt, dass Teilzeit für viele Beschäftigte eher eine Lohn- und Karrierebremse ist. Um Facharbeiter im Betrieb zu halten oder gut ausgebildete Frauen in den Job zurück zu holen, muss noch mehr passieren. Hier ist Kreativität und Engagement gefragt - vor allem von Politik und Wirtschaft.

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